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Wie beeinflussen sozioökonomische Faktoren das Sterberisiko von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland?

Erstmals mit großem Datensatz belegt: Einkommen, Arbeitsstatus und Bildung haben einen deutlichen Einfluss auf die Sterblichkeit in Deutschland

Wie beeinflussen sozioökonomische Faktoren das Sterberisiko von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland? Um diese Frage zu beantworten, werteten Forscher des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung einen Datensatz der Deutschen Rentenversicherung mit mehreren Millionen Versicherten aus und legen nun erstmals verlässliche Ergebnisse vor. Ihre Studie zeigt, welche Rolle gute Bildung, der Job und vor allem das Einkommen spielen - und das besonders für Männer.

„Zum ersten Mal stehen wir auf sicherer Datenbasis, wenn wir die einzelnen Faktoren und ihren Einfluss auf die Sterblichkeit in Deutschland bewerten“, sagt Pavel Grigoriev. Ähnliche Untersuchungen für Deutschland nutzten bisher wesentlich kleinere Datensätze, die aus Forschungsumfragen stammten, und daher weniger aussagekräftig waren.

Die neuen Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, einen Job zu haben: Arbeitslosigkeit verdoppelt das Sterberisiko. Noch wichtiger ist das Einkommen, vor allem für die Männer: Die Sterblichkeit des am schlechtesten verdienenden Fünftels lag um 150 Prozent über dem des am besten verdienenden Fünftels. Schlechtere Bildung erhöhte das Sterberisiko für Männer hingegen nur um etwa 30 Prozent.

Das Sterberisiko steht für die Wahrscheinlichkeit zu sterben – und zwar unabhängig vom Alter. Um die Sterberisiken vergleichbar zu machen, rechneten die Forscher den Einfluss des Alters heraus. So spielt es etwa keine Rolle, dass Arbeitslose im Durchschnitt älter sind als Menschen mit Job und schon daher häufiger sterben. Vielmehr wurde die Altersstruktur aller Bevölkerungsgruppen statistisch so angeglichen, dass alle die gleiche Zusammensetzung hatten. Sterblichkeitsunterschiede sind darum nur noch auf die verbleibenden Faktoren wie Arbeitslosigkeit oder Einkommen zurückzuführen.

Ost- oder Westdeutschland? Per se nicht entscheidend

„Einen verschwindend geringen Einfluss auf das Sterberisiko hat die Wohnregion“, sagt Pavel Grigoriev. Zwar sei das Sterberisiko im Osten etwa für die Männer um ein Viertel höher als im Westen. Rechnet man aber die Einflüsse von Arbeitslosigkeit, Bildung, Einkommen und Nationalität heraus, verschwindet der Unterschied.

Dass die Sterblichkeit der Männer im Osten höher ist, liegt also daran, dass es dort einen höheren Anteil an Arbeitslosen, an weniger Gebildeten und an Menschen mit geringerem Einkommen gibt. Denn all diese Faktoren erhöhen die Sterblichkeit. Andere in Ost und West unterschiedliche Faktoren, wie etwa die medizinische Infrastruktur, scheinen hingegen eine verschwindende Rolle zu spielen.

Wie extrem der sozioökonomische Status, vor allem Einkommen, Arbeitsstatus und Bildung, die Überlebenschancen beeinflusst, zeigt die am stärksten benachteiligte Gruppe der Männer im Osten: 14 Prozent zählen hier zur untersten Einkommens- und Bildungsschicht. Diese Gruppe hat im Vergleich zur höchsten Einkommens- und Bildungsschicht ein mehr als achtmal so hohes Sterberisiko. In Westdeutschland ist die am stärksten benachteiligte Gruppe unter den Männern mit rund elf Prozent Bevölkerungsanteil kleiner, und mit einem gut fünfmal so hohen Sterberisiko etwas weniger benachteiligt. Zumindest für die Männer sind die Sterberisiken im Osten also deutlich ungleicher verteilt als im Westen. Trotzdem beeinflussen auch im Westen Einkommen und Arbeitslosigkeit das Sterberisiko erheblich.

Bei den Frauen sind die Unterschiede vor allem beim Einkommen weniger stark ausgeprägt. Arbeitslosigkeit und Bildung wiegen gleich schwer wie bei den Männern.

Deutsche Datenschutzregeln verhindern mehr Wissen über Sterberisiken

Ihre für Deutschland einmaligen Einsichten in die sozialen Zusammenhänge von Sterberisiken gelangen den Rostocker Forschern, indem sie Rentenversicherungsdaten von 27 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auswerteten. Sie fassten anonymisierte Informationen von allen Rentenversicherten in Deutschland zusammen, die im Jahr 2013 zwischen 30 und 59 Jahre alt waren.

Im internationalen Vergleich, vor allem zu skandinavischen Ländern, sei Deutschland beim Thema Datenverfügbarkeit aber sehr schlecht aufgestellt. Vor allem Daten über Zusammenhänge zwischen Sterblichkeit und sozioökonomischen Status der Bevölkerung in Deutschland seien schwer zu bekommen, sagt MPIDR-Forscher Grigoriev. „Das liegt vor allem an der strengen Auslegung des Datenschutzes für staatliche Datensätze über die Bevölkerung in Deutschland.“

Verschiedene personenbezogene Daten zu verknüpfen ist in Deutschland nicht erlaubt. Für Forscherinnen und Forscher wären solche Datensätze aber eine wichtige Grundlage ihrer Arbeit, die mit anderen Faktoren zum Wohlergehen der Bevölkerung beiträgt.

„In Deutschland werden an verschiedenen Stellen mit viel Aufwand und Einsatz von Steuergeldern große Mengen an Daten erhoben. Nicht nur die demografische Forschung in Deutschland würde stark davon profitieren, wenn sie leichter zugänglich wären“, sagt Grigoriev.

Für ihn steht außer Frage, dass die wissenschaftliche Arbeit mit solchen Daten nur bei vollständiger Anonymisierung erlaubt sein darf, die eine Identifizierung von Einzelpersonen komplett unmöglich macht. Dies sei durch informationstechnische Vorkehrungen erreichbar, und stehe auch nicht im Widerspruch zur Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Letztlich interessiert sich die demografische Forschung nicht für die Einzeldaten bestimmter Personen. Sie nutzt sie nur als Zwischenschritt, um Ergebnisse für große Gruppen zu berechnen – wie etwa die Sterblichkeit für verschiedene Einkommensschichten.

Bis zu acht Millionen der über 70-Jährigen in Deutschland waren noch nie im Internet. Damit sie nicht „digital abgehängt“ werden, sollen ihnen nötige Kompetenzen vor allem durch Tablet- und Smartphone-Kurse vermittelt werden.

Bis zu acht Millionen der über 70-Jährigen in Deutschland waren noch nie im Internet.

Das Foto zeigt verschiedene Apps, die man auf dme Smartphone oder Tablet nutzen kann

Damit sie nicht „digital abgehängt“ werden, sollen ihnen nötige Kompetenzen vor allem durch Tablet- und Smartphone-Kurse vermittelt werden. Das reicht nicht, sagt Informatikprofessor Herbert Kubicek vom Institut für Informationsmanagement (ifib) an der Universität Bremen. Er zieht in einer Studie das Fazit, dass es mehr als Kurse braucht, um die digitale Teilhabe von Seniorinnen und Senioren zu erreichen.

Es ist sicherlich lobenswert, dass Prof. Kubicek dazu auffordert, älteren Menschen mehr als nur Smartphone- und Tabletkurse anzubieten. Allerdings muss man dabei beachten, dass es kein ausreichendes Angebot an qualifizierten - vor allem seriösen - Wissensvermittler*innen gibt, die in der Lage sind, Hausbesuche zu machen. Die wenigen, die es gibt, sind der sprichwörtliche "Tropfen auf den heißen Stein".

Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung droht den „digitalen Offlinern“ im Seniorenalter eine Reduzierung ihrer sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Teilhabe. „Das bringt das Risiko einer digitalen Spaltung der Bevölkerung mit sich – auf Kosten der Seniorinnen und Senioren“, so Informatikprofessor Herbert Kubicek. „Unsere aktuelle Studie hat ergeben, dass die momentan favorisierten Tablet- und Smartphoneschulungen nicht ausreichen werden, um die digitale Teilhabe der Älteren tatsächlich zu erreichen.“

Kubicek hatte bereits vor zwei Jahren mit Barbara Lippa in einem Projekt der Stiftung Digitale Chancen und Telefonica Deutschland rund 300 ältere Menschen interviewt. Sie hatten über über Seniorentreffs und ähnliche Einrichtungen acht Wochen einen Tablet-PC ausgeliehen und über ein wöchentliches Betreuungsangebot probiert, was es Nützliches für sie im Internet gibt. Die meisten fanden etwas: Sie intensivierten per E-Mail oder WhatsApp den Kontakt mit Kindern und Enkeln, frischten mit Suchmaschinen ihr Wissen auf oder suchten Orte aus ihrer Kindheit auf, schauten sich Filme an oder spielten auf dem Tablet.

Digitalassistenz kommt nach Hause

Doch ein Teil der älteren Offliner ist nicht in der Lage, solche Begegnungsstätten aufzusuchen. In einem Bremer Projekt im Rahmen der Initiative „Herbsthelfer – Bremer Verbund für Seniorendienste“ des Senators für Finanzen wurde daher ergänzend eine aufsuchende Digitalassistenz angeboten. Ältere Menschen, die bereits Hilfe in der Haushaltsführung über eines der Bremer Dienstleistungszentren in Anspruch nehmen, konnten für drei Monate ein Tablet ausleihen und mit Unterstützung durch Digitalassistenten zu Hause probieren, was sie damit Nützliches machen können.

Anschließend wurden 13 Teilnehmende interviewt. Bis auf eine Ausnahme wollten alle das Tablet weiter nutzen. „Aber alle zwölf Männer und Frauen zwischen 71 und 87 Jahren, die überwiegend alleine leben, haben gesagt, dass sie weiter Unterstützung benötigen. Denn sie geraten immer wieder in Situationen, in denen sie sich alleine nicht helfen können“, so Herbert Kubicek. Er schätzt, dass dies auf rund zwei Millionen älterer Offliner zutrifft, und fordert für sie eine dauerhafte aufsuchende Digitalassistenz im Rahmen der Altenhilfe.

Sozialhilfe und Pflegekassen in der Pflicht

Private Dienstleister bieten solche Hausbesuche für 30 Euro pro Stunde an. Im Rahmen der organisierten Nachbarschaftshilfe in Bremen werden nur 8,50 Euro die Stunde berechnet. Neun von zwölf Älteren können und wollen das bezahlen. Die anderen drei könnten sich dies von ihrem Einkommen aus Grundsicherung nicht leisten und über das Pflegegeld auch nicht abrechnen. Kubicek sieht unter anderem Sozialhilfe und Pflegekassen in der Pflicht: „Es kann doch nicht sein, dass man als Empfänger von Pflegeleistungen Kosten erstattet bekommt, wenn man zu einem Amt oder einem Arzt begleitet wird – aber nicht, wenn jemand nach Hause kommt und Formulare mit den Betroffenen online ausfüllt oder sie in eine Videosprechstunde einwählt, obwohl dies weniger Zeit erfordert und daher wirtschaftlicher ist.“

Der Bremer Informatikprofessor hat die Ergebnisse seiner Studie und die Schlussfolgerungen Anfang September 2019 vor der Kommission für den Achten Altersbericht der Bundesregierung präsentiert und ist dort auf großes Interesse gestoßen.

In Freiburg gibt es sogar kostenlose Angebote.

In Vorbereitung der TECHTIDE hat ein Expertenkreis 71 –­­ teils provokante – Thesen zur Digitalisierung aufgestellt. Daraus entstand die Konferenz-Agenda mit zehn Themenblöcken wie Automatisierung und Industrie, Zukunft der Arbeit, Bildung und Gesundheit, Nachhaltigkeit und Digitalisierung, Cybersicherheit und Datenschutz sowie Künstliche Intelligenz.

Nach der CeBit nun die TECHTIDE

TECHTIDE 2019 (3. und 4. Dezember, Hannover): Wirtschaftsministerium lädt zur Digitalkonferenz

Hannover. Am 3. Dezember 2019 ist es soweit: Dann findet erstmals die Digitalkonferenz TECHTIDE im Convention Center auf dem Messegelände in Hannover statt. Zwei Tage soll die Konferenz Treffpunkt für Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik sein, um die unternehmerischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung zu diskutieren und die handelnden Personen miteinander zu vernetzen. Angesprochen sind Unternehmen aller Branchen, insbesondere Startups und Mittelstand, Bildung, Wissenschaft und Forschung, Politik und Verwaltung sowie NGOs, Vereine, Stiftungen, Initiativen und Kirchen aus Niedersachsen, den angrenzenden Bundesländern sowie den nordeuropäischen Nachbarstaaten.

TECHTIDE (3. und 4. Dezember 2019, Hannover)
TECHTIDE (3. und 4. Dezember 2019, Hannover)

Der niedersächsische Wirtschafts- und Digitalisierungsminister Dr. Bernd Althusmann will die TECHTIDE zu einem Leit-Event der digitalen Transformation in Niedersachsen machen: „Die TECHTIDE soll der Ort sein, an dem Expertinnen und Experten alle Denkschubladen verlassen und einen konstruktiven und kreativen Blick auf die Herausforderungen der Digitalisierung werfen“, sagt Althusmann und ergänzt: „Den digitalen Wandel müssen wir wollen, aber auch können. Deshalb ist neben einer flächendeckenden digitalen Infrastruktur die digitale Kompetenz aller Menschen der Schlüsselfaktor für eine gute digitale Perspektive des ganzen Landes“. Das Land investiert mehr als eine Milliarde Euro für die Umsetzung des Masterplan Digitalstrategie.

In Vorbereitung der TECHTIDE hat ein Expertenkreis 71 –­­ teils provokante – Thesen zur Digitalisierung aufgestellt. Daraus entstand die Konferenz-Agenda mit zehn Themenblöcken wie Automatisierung und Industrie, Zukunft der Arbeit, Bildung und Gesundheit, Nachhaltigkeit und Digitalisierung, Cybersicherheit und Datenschutz sowie Künstliche Intelligenz.

„Wir freuen uns, als Mitveranstalter der TECHTIDE bei der Umsetzung der Digitalstrategie des Landes Niedersachsen aktiv mit unserem Netzwerk und unserer Veranstaltungsexpertise mitwirken zu können“, ergänzt Dr. Andreas Gruchow, Vorstand der Deutschen Messe AG. „Die neue Veranstaltung zeigt auf, wie sich unser Leben und Arbeiten in den nächsten Jahren verändern wird und wie Unternehmen, Hochschulen, aber auch Bürgerinnen und Bürger von der Digitalisierung profitieren können.“

Neben der Konferenz bietet die TECHTIDE auch eine begleitende Ausstellung. Dort präsentieren die „Digitalen Orte Niedersachsen“ beispielgebende digitale Lösungen aus ganz unterschiedlichen Anwendungsbereichen. Sprecher und Aussteller der TECHTIDE sind führende Köpfe aus Unternehmen der Digital Economy und Anwenderfirmen, aus Politik und Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft sowie Startups unterschiedlicher Branchen.

Die TECHTIDE beginnt mit der TECHTIDE NIGHT am Dienstag, 3. Dezember von 18 bis 22 Uhr. Die TECHTIDE Konferenz findet am Mittwoch, 4. Dezember von 10 bis 18.30 Uhr statt.

Aktuelle Informationen rund um die TECHTIDE finden Sie unter www.techtide.de.

Auf Einladung des Niedersächsischen Wirtschaftsministeriums diskutieren zahlreiche Expertinnen und Experten mit Unternehmen, Forschungsinstitutionen, Landesinitiativen, Kommunen und Bürgern die Entwicklung der digitalen Transformation und wie sie gemeinsam gestaltet werden kann.

Senken Tai Chi und Eurythmie-Therapie das Sturzrisiko bei älteren Menschen? Universitätsklinikum Freiburg leitet bundesweite Studie / Insgesamt 550 Teilnehmer gesucht / BMBF fördert das Projekt mit zwei Millionen Euro

Universitätsklinikum Freiburg leitet bundesweite Studie / Insgesamt 550 Teilnehmer gesucht / BMBF fördert das Projekt mit zwei Millionen Euro

Jeder dritte ältere Mensch stürzt einmal im Jahr. Das Sturzrisiko erhöht sich, wenn die Menschen an chronischen Erkrankungen leiden. Umgekehrt beugen Bewegung und körperliche Fitness vielen Erkrankungen vor und erleichtern den Umgang mit ihnen. Jetzt wird in einer bundesweiten Studie unter Leitung des Universitätsklinikums Freiburg erforscht, ob Bewegungstherapien wie Tai Chi oder Eurythmie-Therapie das Sturzrisiko senken können. Für diese Studie (genannt: ENTAiER-Studie), werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer ab 65 Jahren mit mindestens einer chronischen Krankheit gesucht, die in ihren Bewegungen unsicher geworden sind. Sie erhalten ein halbes Jahr lang regelmäßig Tai Chi, Eurythmie-Therapie oder  die übliche Regelversorgung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die ENTAiER-Studie für vier Jahre mit rund zwei Millionen Euro.

„Eine wirksame Sturzprävention hebt die Lebensqualität und senkt die Kosten aufgrund gesundheitlicher Folgen enorm“, sagt Studienleiterin Dr. Gunver Kienle, Ärztin am Zentrum für Naturheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg. „Wenn die Betroffenen wieder Sicherheit in der Bewegung verspüren, dürften sie auch weniger Angst vor Stürzen haben und sich selbständiger im Alltag bewegen. Das wäre eine deutliche Entlastung.“

In der ENTAiER-Studie (Multizentrische, randomisierte, kontrollierte klinische Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Tai Chi und Eurythmie-Therapie bei älteren Menschen mit chronischen Erkrankungen und einem erhöhten Sturzrisiko) wird untersucht, ob diese Übungen einen Einfluss auf die Balance, die Mobilität und das Risiko zu stürzen haben. Weiterhin wird analysiert, wie sich die Übungen auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität, die Stimmung und die Kognition auswirkt.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen bereit sein, während der Studienzeit regelmäßig zu den Therapiestunden zu kommen und zu Hause zu üben. Sie werden monatlich telefonisch befragt und bei einer Eingangsuntersuchung und drei weiteren Vor-Ort-Terminen im Studienzentrum untersucht. Die Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer sollten selbstständig zum Studienzentrum und gegebenenfalls zu den Therapiestunden kommen können. Die Teilnahme ist jederzeit freiwillig und kostenlos.

Interessierte können sich informieren unter https://www.uniklinik-freiburg.de/entaier-studie.html oder unter der Telefonnummer 0761 270-83260 (Frau Dr. S. Schulz).

Selbstständige Erwerbstätigkeit und Erwerbskarrieren in späteren Lebensphasen -Potentiale, Risiken und Wechselverhältnisse Jahrestagung des Instituts für Gerontologie der Universität Vechta und Frühjahrstagung des Arbeitskreises „Die Arbeit der Selbstständigen“

Formen der Arbeit ändern sich zunehmend

Digitalisierung, Globalisierung, Flexibilisierung und Hybridisierung sind nur einige der Phänomene, die die Erwerbstätigen heute vor Veränderungen stellen. Speziell für ältere Beschäftigte, aber auch für Selbstständige bedeutet dies eine Neustrukturierung ihres Arbeitens und ihrer Beschäftigungsformen.

Mit diesen Entwicklungen, ihren Potenzialen und Risiken befasst sich die Tagung „Selbstständige Erwerbstätigkeit und Erwerbskarrieren in späteren Lebensphasen“ am 4. und 5. April 2019 an der Universität Vechta. Veranstalter sind das Institut für Gerontologie der Universität Vechta und der Arbeitskreis „Die Arbeit der Selbstständigen“ der Sektion Arbeits- und Industriesoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie.

„Wir sehen uns am Arbeitsmarkt vielfältigen Änderungen gegenüber“, erläutert Prof. Dr. Frerich Frerichs, Professor für Altern und Arbeit an der Universität Vechta und Direktor des Instituts für Gerontologie. „Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit und der demographische Wandel, die zusammen das Durchschnittsalter der Erwerbstätigen ansteigen lassen, führen zu einer neuen Lebensplanung dieser Zielgruppe. Immer öfter sind beispielsweise Menschen gleichzeitig als Angestellte und selbstständig tätig.“

Was das für Arbeitsmarkt, Unternehmen und die Arbeitnehmer_innen bedeutet, will die Tagung beleuchten. Die Frage, wie sich die Beschäftigungsformen und die Erwerbsperspektiven der älteren Erwerbsbevölkerung entwickeln und welche Rolle abhängige und selbstständige Erwerbstätigkeiten für den Erhalt der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit spielen werden, steht dabei im Fokus. Welche Potenziale und Herausforderungen bestehen für die berufliche und/oder betriebliche Laufbahngestaltung im Sinne einer späteren Erwerbskarriere? Wie stellt sich die selbstständige Tätigkeit in der mittleren und späteren Erwerbsphase dar? Neben diesen Fragen soll im Rahmen der Tagung ebenfalls diskutiert werden, wie die Erwerbsperspektiven von selbstständiger und abhängiger Erwerbstätigkeit untereinander abgeglichen und in ihren möglichen Wechselverhältnissen zueinander bestimmt werden können.

Hinweise zur Teilnahme:
Die Tagung steht allen Interessierten offen. http://bit.ly/2Yi13yz

Donnerstag, 04. April 2019, und Freitag, 05. April 2019,
Seminarräume Kirche am Campus, Feldmannskamp 1, 49377 Vechta

Die Teilnahme ist kostenlos.

Wir bitten um Anmeldung bis zum 27. März 2019 unter folgender E-Mail-Adresse:
kirsten.tuschick[at]uni-vechta[dot]d

Programm - PDF http://bit.ly/2Ohypcg

„Wir haben festgestellt, dass die Kopplung der beiden Nervenzellrhythmen mit dem Alter tendenziell abnimmt und die Vergesslichkeit gleichzeitig zunimmt. Dies bedeutet zugleich: Diejenigen unter den älteren Probanden, die bei den Gedächtnistests gut abschnitten, zeigten auch ein Kopplungsmuster, das dem der jüngeren Probanden ähnelt“, sagt Markus Werkle-Bergner, Seniorautor und Projektleiter am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Altern verändert die Feinabstimmung neuronaler Rhythmen im Schlaf

Unser Gehirn arbeitet unentwegt. Während wir schlafen, sorgt es dafür, dass tagsüber Erlebtes im Gedächtnis dauerhaft verfügbar bleibt. Dieser Vorgang wird als Konsolidierung bezeichnet. Konsolidierung erfordert, dass langsame rhythmische Muster neuronaler Aktivität möglichst präzise mit schnellen Mustern gekoppelt werden, insbesondere im Tiefschlaf. Ein Forscher*innenteam am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung konnte nun mit Kolleg*innen von der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Fribourg nachweisen, dass bei älteren Menschen, die mehr vergessen, diese Koppelung aus dem Takt geraten ist. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

Ein älterer Mensch, der sich GEdanken macht.
CCO Lizenz

Das Gehirn ist nicht nur im Wachzustand aktiv, sondern auch im Schlaf. Im Wachzustand sorgt das Zusammenspiel der verschiedenen Bereiche des Gehirns dafür, dass wir uns in der Welt orientieren, Handlungen durchführen und Umwelteindrücke aufnehmen können. Im Schlaf wird das Erlebte gesichtet, geordnet und gefestigt (oder auch vergessen). Deswegen ist der Schlaf für die langfristige Speicherung und Vernetzung neuerworbenen Wissens und somit für das Lernen unerlässlich.

Zentral für den Informationsaustausch im Schlaf ist die zeitlich abgestimmte Kommunikation des Hippokampus mit der Großhirnrinde. Der Hippokampus ist eine tief im Gehirn liegende Struktur, die wesentlich an der schnellen aber kurzfristigen Speicherung neuerworbenen Wissens und alltäglicher Erlebnisse beteiligt ist. Der Schlaf ermöglicht es nun, dass der Hippokampus die langsamer lernende Großhirnrinde „trainiert“, indem das Neuerlernte immer wieder reaktiviert und allmählich fest eingeschrieben wird. Um erfolgreich zu sein, erfordert dieses „Training“ der Großhirnrinde die zeitlich präzise Koordination der Nervenzellaktivität in den beteiligten Gehirnarealen.

„Durch die Beobachtung der Gehirnaktivität von Probanden im Schlaf konnten wir nun zeigen, dass sich Personen, die mehr vergessen, in einem wesentlichen Punkt von anderen Personen unterscheiden: Die Aktivität der Nervenzellen im Hippokampus und in der Großhirnrinde ist bei den vergesslicheren Personen weniger präzise gekoppelt“, sagt Beate Muehlroth, Erstautorin der Studie und Doktorandin im Forschungsbereich Entwicklungspsychologie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (MPIB).

Die Aktivität des Gehirns während des Schlafs können Wissenschaftler*innen mithilfe der Elektroenzephalografie (EEG) sichtbar machen. Das EEG misst die elektrische Aktivität, welche durch die Nervenzellen während ihrer Tätigkeit erzeugt wird. Wach- und Schlafphasen sind dabei durch spezifische Muster rhythmischer Nervenzellaktivität gekennzeichnet. So sind das markanteste Merkmal von Tiefschlafphasen langsame Rhythmen in einer Frequenz von circa 0,5 bis 4 Schwingungen pro Sekunde, die sich nahezu über die gesamte Großhirnrinde ausbreiten. Diese sogenannten „langsamen Wellen“ ermöglichen die Koordination neuronaler Informationsverarbeitung in weiten Teilen des Gehirns. Auf diese Weise entstehen Zeitfenster, in denen Erinnerungen durch den Hippokampus reaktiviert und durch die Großhirnrinde optimal gelernt werden können.

Die Aktivierung des Informationsaustauschs zwischen dem Hippokampus und der Großhirnrinde ist im menschlichen EEG durch schnelle rhythmische Nervenzellaktivität mit einer Frequenz von circa 12 bis 16 Schwingungen pro Sekunde gekennzeichnet. Wegen ihrer äußeren Ähnlichkeit mit Spindeln, wie sie beim Spinnen von Wolle verwendet werden, werden diese Schwingungsmuster auch als „Schlafspindeln“ bezeichnet. Ein optimales „Training“ der Großhirnrinde durch den Hippokampus ist dann möglich, wenn Schlafspindeln genau zu jenen Zeitpunkten auftreten, in denen die langsamen Wellen die Nervenzellen der Großhirnrinde für eine effiziente Informationsverarbeitung vorbereitet haben.

Das Forscherteam hat nun die Lern- und Merkfähigkeit von 34 jüngeren Proband*innen im Alter zwischen 19 und 28 Jahren und 41 älteren Proband*innen im Alter zwischen 63 und 74 Jahren in einem speziell zu diesem Zweck entwickelten Gedächtnistest verglichen. Die Nacht zwischen dem Lernen und dem Gedächtnistest am nächsten Tag haben die Teilnehmer*innen zu Hause verbracht. Dort wurde die Nervenzellaktivität im Schlaf mit einem tragbaren Schlaf-EEG System erfasst. Zusätzlich wurde die Größe und Struktur gedächtnis- und schlafrelevanter Gehirnareale mittels Magnetresonanztomografie (MRT) im Labor vermessen.

In den Ergebnissen zeigte sich wie erwartet, dass ältere Probanden*innen im Durchschnitt mehr vergaßen als jüngere Teilnehmer*innen. Zusätzlich zeigte sich, dass Probanden*innen mit geringerer Merkfähigkeit nachts während der Tiefschlafphasen eine weniger präzise Kopplung zwischen Schlafspindeln und langsamen Wellen aufwiesen. Ähnlich wie bei einer Person, die immer knapp am Takt vorbei klatscht, verpassten die Schlafspindeln den optimalen Zeitpunkt zum „Training“ der Großhirnrinde, so dass die Konsolidierung der neu erlernten Inhalte weniger erfolgreich war.

„Wir haben festgestellt, dass die Kopplung der beiden Nervenzellrhythmen mit dem Alter tendenziell abnimmt und die Vergesslichkeit gleichzeitig zunimmt. Dies bedeutet zugleich: Diejenigen unter den älteren Probanden, die bei den Gedächtnistests gut abschnitten, zeigten auch ein Kopplungsmuster, das dem der jüngeren Probanden ähnelt“, sagt Markus Werkle-Bergner, Seniorautor und Projektleiter am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

In weiteren Analysen konnte das Forscherteam zusätzlich zeigen, dass das Ausmaß der Kopplung von Schlafspindeln und langsamen Wellen mit der Struktur derjenigen Gehirnareale zusammenhängt, die an ihrer Erzeugung beteiligt sind. Dies gilt vor allem für den Hippokampus, für eine Region im Stirnhirn, die als medialer präfrontale Kortex bezeichnet wird, sowie für den Thalamus. Diese drei Regionen sind besonders stark von Alterungsprozessen betroffen. Es drängt sich daher die Vermutung auf, dass die Alterung schlaf- und gedächtnisrelevanter Gehirnareale Prozesse der langfristigen Speicherung neuerworbener Gedächtnisinhalte beeinträchtigt. In wie weit altersabhängige Veränderungen von Schlafverhalten und Schlafphysiologie langfristig die strukturelle Alterung des Gehirns beeinflussen, oder ob letztere kausal für beobachtbare Schlafbeeinträchtigungen mit höherem Lebensalter verantwortlich sind, soll in zukünftigen Verlaufsstudien näher betrachtet werden.

http://bit.ly/2EvBXDp

Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung wurde 1963 in Berlin gegründet und ist als interdisziplinäre Forschungseinrichtung dem Studium der menschlichen Entwicklung und Bildung gewidmet. Das Institut gehört zur Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., einer der führenden Organisationen für Grundlagenforschung in Europa.


Originalpublikation:

Muehlroth, B. E., Sander, M. C., Fandakova, Y., Grandy, T. H., Rasch, B., Shing, Y. L., & Werkle-Bergner, M. (2019). Precise slow oscillation-spindle coupling promotes memory consolidation in younger and older adults. Scientific Reports, 9: 1940. https://doi.org/10.1038/s41598-018-36557-z


Die Universitäten Freiburg, Heidelberg, Hohenheim, Konstanz, Mannheim, Ulm und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben den Zuschlag bekommen, um Juniorprofessuren im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) einzurichten.

Baden-Württemberg hat zehn neue Professuren für Künstliche Intelligenz an Landesuniversitäten eingerichtet. Die Landesregierung finanziert die Professuren mit sechs Millionen Euro.

Jetzt fehlen nur noch geeignete Bewerber*innen.

Die Universitäten Freiburg, Heidelberg, Hohenheim, Konstanz, Mannheim, Ulm und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben den Zuschlag bekommen, um Juniorprofessuren im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) einzurichten. Mit sechs Millionen Euro finanziert das Wissenschaftsministerium insgesamt zehn Professuren mit Ausstattung im Bereich Methoden und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz. Die attraktiv ausgestatteten Juniorprofessuren sollen 2019 besetzt werden und sind auf bis zu sechs Jahre angelegt.

„Ob Datenauswertung in der Medizin, Autonomes Fahren oder Smart Home, Industrie 4.0 oder Wissenschaft – Künstliche Intelligenz findet vielfältige Anwendungsfelder. Es gilt, die Potenziale der KI im Land zu erschließen, damit hier neue, innovative Produkte, Prozesse und Dienstleistungen „Made in BW“ entstehen. Methoden der KI zu entwickeln und ihre Anwendungsmöglichkeiten zu erforschen, ist von größter Bedeutung für unsere Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer bei der Bekanntgabe der Ergebnisse des neuen Förderprogramms „Künstliche Intelligenz Baden-Württemberg“ (KI-BW).

Baden-Württemberg zum KI-Forschungsstandort machen

„Wir bündeln die Kräfte, um Baden-Württemberg zu einem noch stärkeren KI-Forschungsstandort zu machen. Mit den neuen Professuren bauen wir über die bisherigen Zentren hinaus Kompetenz im ganzen Land auf“, so Bauer weiter. Auf diesem Gebiet herausragende Forschung und Entwicklung voranzutreiben, müsse Ziel aller Universitäten des Landes sein.

Die neuen KI-Professuren werden in einer großen disziplinären Bandbreite eingerichtet und verstärken so die jeweiligen Schwerpunktsetzungen und leistungs¬starken Forschungsfelder der Universitäten. Das Fächerspektrum erstreckt sich von der Medizin und Medizintechnik über die Materialwissenschaften und IT-Sicherheit bis zu den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. „Künstliche Intelligenz kann uns in vielen Lebensbereichen voranbringen“, so Bauer.

„Wir wollen mutig und ambitioniert die digitalen Technologien fördern, denn das Zukunftsfeld KI dürfen wir nicht anderen überlassen. Dabei wird es nötig sein, eigene Standards und Schwerpunkte in Europa zu setzen“, unterstrich die Ministerin. „Ob autonomes Fahren oder Automatisierung der Arbeit: Europa muss im globalen Wettbewerb um Zukunftstechnologien den Menschen und unsere Grundwerte im Fokus behalten“, betonte die Ministerin abschließend.

Die Professuren im Überblick

Universität Freiburg:

  • „Robot Learning“, Technische Fakultät
  • „Representation Learning“, Technische Fakultät

Universität Heidelberg:

  • „Artificial Intelligence in Cardiovascular Medicine“ (Medizin)
  • „Machine Learning im Wissenschaftlichen Rechnen“ (Naturwissenschaften/Mathematik/Informatik)

Universität Hohenheim:

  • „Künstliche Intelligenz in der Agrartechnik“ (Agrarwissenschaften)

Karlsruher Institut für Technologie (KIT):

  • „KI-Methoden in den Materialwissenschaften“ (Informatik)
  • „KI-Methoden in der IT-Sicherheit/IT-Sicherheit KI-basierter Systeme“ (Informatik)

Universität Konstanz:

  • „Künstliche Intelligenz“ (Linguistik & Philosophie)

Universität Mannheim:

  • „Methoden in der Künstlichen Intelligenz“ (Informatik & Wirtschaftsinformatik/Data Science)

Universität Ulm:

  • „Erklärbare KI“ (KI/Neuroinformatik)

Digitalisierungsstrategie digtial@bw

Die neuen Professuren sind eine wichtige Ergänzung des erfolgreichen Innovationscampus Cyber Valley, an dem die Universitäten Stuttgart und Tübingen und das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme beteiligt sind. Mit Cyber Valley hat das Wissenschaftsministerium im Rahmen der Digitalisierungsstrategie des Landes bereits eine der größten Forschungskooperationen Europas im Bereich der künstlichen Intelligenz ins Leben gerufen. Diese vorbildliche Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft findet international Beachtung. Die Region Stuttgart-Tübingen ist nachweislich bereits heute der Hotspot bundesweit in Sachen Künstliche Intelligenz.

Die Digitalisierung ist ein zentraler Arbeitsschwerpunkt der Landesregierung. Dazu hat sie eine Investitionsoffensive gestartet: Rund eine Milliarde Euro werden in dieser Legislatur in die Digitalisierung investiert, rund die Hälfte davon fließt in den Ausbau der digitalen Infrastruktur. Mit „digital@bw“ wurde im Sommer 2017 die erste, landesweite und ressortübergreifende Digitalisierungsstrategie vorgestellt, die in Teamarbeit von allen Ministerien erstellt wurde. In den kommenden zwei Jahren werden dazu über 70 ganz konkrete Projekte mit einem Volumen von über 300 Millionen Euro umgesetzt, um Baden-Württemberg als Leitregion des Digitalen Wandels in Europa zu verankern. Die Vorhaben werden unter dem Dach des Digitalisierungsministeriums koordiniert und gebündelt.

Innenministerium: Digitalisierungsstrategie

Digital-BW.de

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat den Antrag der Universität Freiburg im Programm „Integra – Integration von Flüchtlingen ins Fachstudium“ bewilligt. Der DAAD unterstützt damit die Weiterführung einer Koordinationsstelle beim Studierendenwerk Freiburg-Schwarzwald (SWFR) sowie die Veranstaltung von Workshops an der Universität im Zeitraum von Anfang Januar 2019 bis Ende März 2020 mit insgesamt knapp 53.000 Euro.

Deutscher Akademischer Austauschdienst unterstützt Workshops und Koordinierungsstelle in Freiburg

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat den Antrag der Universität Freiburg im Programm „Integra – Integration von Flüchtlingen ins Fachstudium“ bewilligt. Der DAAD unterstützt damit die Weiterführung einer Koordinationsstelle beim Studierendenwerk Freiburg-Schwarzwald (SWFR) sowie die Veranstaltung von Workshops an der Universität im Zeitraum von Anfang Januar 2019 bis Ende März 2020 mit insgesamt knapp 53.000 Euro. „Die DAAD-Förderung eröffnet uns Möglichkeiten, um speziell auf diese Zielgruppe zugeschnittene Angebote einzurichten und damit die universitäre wie auch die gesellschaftliche Integration geflüchteter Studierender maßgeblich zu fördern“, sagt Prof. Dr. Juliane Besters-Dilger, Prorektorin für Studium und Lehre der Universität Freiburg.

Seit 2016 ist beim SWFR eine Koordinationsstelle zum Thema „Geflüchtete und Studium“ angesiedelt. Ihre Aufgabe ist es, alle relevanten Akteurinnen und Akteure in der Region zu vernetzen, Geflüchtete zu allen Aspekten des Studiums zu beraten sowie Informationen bereitzustellen, insbesondere auf der Website und in einem speziellen Newsletter des SWFR. Hinzu kommen Abstimmungsprozesse und Informationsaustausch – etwa mit Jobcentern, Migrationsberatungsstellen, Sozialämtern und anderen Behörden oder mit ehrenamtlichen und studentischen Initiativen zur Flüchtlingshilfe. Seit 1. Juli 2018 ist Laura Schmid für diese Aufgaben als Koordinatorin beim SWFR angestellt.

Der Bedarf an Informationen, Aufklärung und Anleitung ist für studentische und studieninteressierte Geflüchtete besonders hoch: „Sie sind in der Regel – anders als internationale Studierende – nicht gezielt und mit einem festen Studienplan nach Deutschland gekommen, sondern stehen aufgrund der Flucht aus ihrem Heimatland vor der Herausforderung, sich völlig neu orientieren zu müssen“, sagt Besters-Dilger. Die Universität Freiburg wird daher im Sommersemester 2019 und im Wintersemester 2019/20 gemeinsam mit dem SWFR je fünf thematisch unterschiedliche Workshops für Studierende mit Fluchtgeschichte sowie studieninteressierte Geflüchtete anbieten. Hinzu kommt ein Workshop am Institut für Ethnologie, der in die akademische Kultur der Universität einführt. Ziel ist, die Teilnehmenden unter anderem mit wissenschaftlichem Arbeiten, Lehr- und Lerntechniken, dem Alltag an der Hochschule, den Beratungsstellen für Studierende, der Studienfinanzierung und der Vorbereitung auf den Berufseinstieg vertraut zu machen.

Weitere Informationen

Die Universität Freiburg hat Rudolf-Werner Dreier die Universitätsmedaille verliehen. Damit würdigt sie seine besonderen Verdienste um den Aufbau eines weltweiten Alumni-Netzwerks. „Als Rudolf-Werner Dreier Alumni Freiburg im Jahr 1996 begründete, war die Universität Freiburg die erste Hochschule Deutschlands, die auf diese Weise den Kontakt zu ihren ehemaligen Studierenden ausbaute“, sagt Rektor Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer. „Mit seiner Initiative und seinem Engagement hat er bundesweit Pionierarbeit geleistet und unserer Universität eine großartige Erfolgsgeschichte mit internationaler Resonanz ermöglicht, die wir auch in Zukunft weiterschreiben werden.“

Hohe Auszeichnung für besondere Verdienste um den Aufbau eines weltweiten Alumni-Netzwerks

Die Universität Freiburg hat Rudolf-Werner Dreier die Universitätsmedaille verliehen. Damit würdigt sie seine besonderen Verdienste um den Aufbau eines weltweiten Alumni-Netzwerks. „Als Rudolf-Werner Dreier Alumni Freiburg im Jahr 1996 begründete, war die Universität Freiburg die erste Hochschule Deutschlands, die auf diese Weise den Kontakt zu ihren ehemaligen Studierenden ausbaute“, sagt Rektor Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer. „Mit seiner Initiative und seinem Engagement hat er bundesweit Pionierarbeit geleistet und unserer Universität eine großartige Erfolgsgeschichte mit internationaler Resonanz ermöglicht, die wir auch in Zukunft weiterschreiben werden.“

Schon zwei Jahre nach der Gründung verzeichnete die Alumni-Organisation 1.200 Mitglieder. Heute, gute 20 Jahre später, steht die Universität Freiburg dank dieser Einrichtung mit etwa 150.000 ihrer Alumnae und Alumni weltweit in Kontakt. Acht nationale und 13 internationale Clubs laden die Freiburger Alumni regelmäßig zu wissenschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen ein, und alle zwei Jahre findet an der Universität Freiburg ein internationales Alumni-Meeting statt. Alleine zum diesjährigen Treffen statteten mehr als 1.000 Ehemalige ihrer Alma Mater einen Besuch ab, um bei den Veranstaltungen rund um die Universität und die Stadt Freiburg ihren ehemaligen Studienort wiederzuentdecken und Erinnerungen aufleben zu lassen.

Der ebenfalls auf Dreiers Initiative 1998 gegründete Förderverein Alumni Freiburg e.V. hat zum Ziel, die Studienbedingungen durch die Förderung von Forschung und Lehre der Universität Freiburg zu verbessern. Er unterstützt unter anderem studentische Projekte und Initiativen, verleiht den Alumni-Preis für soziales Engagement, ist an der Universität Freiburg der größte Stipendiengeber des Deutschlandstipendiums und fördert unter anderem Exkursionen für Studierende, Konferenzen junger Forscherinnen und Forscher oder die Vergabe von Alumni-Preisen in den Fakultäten. Die mehr als 1.500 Mitglieder sind hauptsächlich ehemalige Studentinnen und Studenten sowie ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – aber auch einige noch aktive Universitätsangehörige, also die zukünftigen Alumni, finden sich in seinen Reihen.

Zum 1. März 2019 wird Rudolf-Werner Dreier in den Ruhestand eintreten. Seiner Universität jedoch bleibt er als ehrenamtlicher Geschäftsführer des Fördervereins Alumni Freiburg e.V. mit seinen nationalen und internationalen Alumni-Clubs weiterhin eng verbunden.

Alumni Freiburg

Förderverein Alumni Freiburg e.V.

Erfolgreiches Altern: Wie Ärzte und Pfleger zu einem
erfüllten Leben beitragen

Keine Altersgruppe wächst so stark wie die der Hochbetagten. Laut Statistischem
Bundesamt lebten Ende 2016 2,25 Millionen Menschen in Deutschland, die 85
Jahre oder älter waren. Ein Jahrzehnt zuvor waren es noch 1,64 Millionen. Was
für diese Menschen ein erfülltes Leben ausmacht und wie Ärzte und Pflegekräfte
dazu beitragen können, davon berichtet Professorin Dr. Daniela Jopp in ihrem
Keynote-Vortrag mit dem Titel „Erfolgreiches Altern bei Hundertjährigen“ auf dem
Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der
Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG). „Wir brauchen
für Hochbetagte neue Kriterien, um deren erfolgreiches Altern zu erfassen“, sagt
die Professorin für Psychologie an der Universität Lausanne (Schweiz). „Während
wir bei Älteren unter 80 Jahren vor allem auf körperliche Faktoren wie ein
geringes Risiko für Krankheiten achten, müssen wir bei sehr alten Menschen viel
stärker psychologische Faktoren berücksichtigen.“ Der Kongress findet vom 6.
bis 8. September in Köln statt.

9 Zutaten für gutes Altern. Aufgenommen in der Ausstellung "Dialog mit der Zeit"
Aufgenommen in der Ausstellung "Dialog mit der Zeit"

In einer Studie mit Hundertjährigen aus Heidelberg haben Jopp und ihre Kollegen
keinen einzigen Teilnehmer gefunden, der nicht mindestens eine chronische
Erkrankung aufwies. Im Durchschnitt litten die Hundertjährigen unter fünf Krankheiten.
„Die Lebenszufriedenheit dieser Menschen hängt jedoch nicht von der Zahl ihrer
Krankheiten ab, sondern vor allem von einem positiven Blick auf die Zukunft, vom
Zusammenleben mit anderen Menschen und davon, ob sie glauben, noch selbstständig
handeln zu können“, so Jopp. „Die allermeisten Hundertjährigen sind mit ihrem Leben
zufrieden oder sogar sehr zufrieden.“

Hochbetagte entwickeln Strategien, die sie zufriedener machen

Während es vielen Älteren zunächst schwer fällt, ihre gewohnten Alltagstätigkeiten
aufzugeben, wenn ihre Kräfte nachlassen, entwickeln Hochbetagte mit der Zeit jedoch
positive Strategien, um damit umzugehen. „Sie lernen zu akzeptieren, dass sie
manches nicht mehr schaffen, was ihnen früher leicht gelang. Das ist eine Stärke sehr
alter Menschen, die zu ihrer Zufriedenheit beiträgt.“

Die reduzierten Erwartungen, die sehr alte Menschen an ihr Leben stellen, könnten
aber auch dazu führen, dass sie nicht optimal medizinisch versorgt werden. „In unserer
Studie berichteten fast 30 Prozent der Hundertjährigen, dass sie oft oder ständig
Schmerzen haben. Das finde ich nicht akzeptabel“, betont Jopp. Ob dieser hohe Wert
daran liege, dass Hochbetagte glauben, ihre Schmerzen aushalten zu müssen, oder ob
sie bei ihren Ärzten nicht ausreichend Gehör fänden, müsse geklärt werden. Auf jeden Fall sollten Ärzte für die hohe Prävalenz von Schmerzen bei sehr alten Menschen sensibilisiert sein.

Hundertjährige haben ihre eigene Vorstellung vom guten Altern

In einer aktuellen Untersuchung hat Daniela Jopp gezeigt, dass gleichzeitige Hör- und
Sehbeeinträchtigungen Hochbetagte stark belasten und das Risiko für Depressionen
deutlich erhöhen. „Aber wie oft wird im Altenheim überprüft, ob die Sehstärke noch
stimmt oder ob ein Bewohner ein neues Hörgerät braucht? Hier können Pflegende und
Angehörige die Lebensqualität sehr alter Menschen wirksam verbessern, indem sie
solche Beeinträchtigungen aufmerksam verfolgen und bei Bedarf die Hilfsmittel
anpassen lassen.“

Weltweit erforschen nur wenige Wissenschaftler die Lebenswelt sehr alter Menschen, in
die Daniela Jopp in ihrer Keynote einen Einblick geben wird. „Wir müssen vor allem die
Modelle verbessern, die die Lebensqualität dieser Menschen beschreiben“, berichtet
sie. „Bislang arbeiten wir häufig mit drei oder vier Faktoren. Fragt man aber die
Hundertjährigen selbst, haben sie häufig sehr viel mehr Ideen, was zu einem guten
Altern beiträgt.“ Um wirksame Interventionen zu entwickeln, sei es daher notwendig,
sich dabei auch an den Vorstellungen der Hochbetagten zu orientieren, fordert Jopp.

Zur Person:

Prof. Dr. Daniela Jopp ist seit 2014 Professorin für Psychologie an der Universität
Lausanne (Schweiz) und Mitglied des Nationalen Forschungsschwerpunkts „LIVES –
Überwindung der Verletzlichkeit im Verlauf des Lebens“. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit
bildet seit vielen Jahren die Erforschung der Lebensqualität von Hundertjährigen,
zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Heidelberg und ab 2008
an der Fordham University in New York (USA). Ihr Studium der Psychologie und ihre
Promotion absolvierte sie an der Freien Universität Berlin.

Termin:Prof. Dr. Daniela Jopp
Keynote-Lecture: „Erfolgreiches Altern bei Hundertjährigen“
DGGG/DGG-Kongress
Hörsaalgebäude 105, Hörsaal C, Universität zu Köln
Donnerstag, 6. September 2018
10:45 bis 11:30 Uhr