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foodwatch und FragDenStaat starten Plattform gegen Geheimniskrämerei bei Lebensmittelbehörden - auf "Topf Secret" können Verbraucher Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, Bäckereien & Co. abfragen

- Auf der Online-Plattform "Topf Secret" können deutschlandweit Kontrollergebnisse von Lebensmittelbetrieben abgefragt werden
- Bislang halten die Behörden die allermeisten Ergebnisse geheim
- foodwatch und FragDenStaat fordern die konsequente Veröffentlichung aller Kontrollergebnisse wie in Dänemark oder Wales

Ekelerregendes Spülbecken
Dieses Foto wurde in einem Büro nicht in einem REstaurant aufgenommen.

Berlin, 14. Januar 2019. Die Verbraucherorganisation foodwatch und die Transparenz-Initiative FragDenStaat gehen gegen Geheimniskrämerei in Lebensmittelbehörden vor: Die beiden Organisationen haben heute die Online-Plattform "Topf Secret" gestartet, auf der Verbraucherinnen und Verbraucher die Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben mit wenigen Klicks abfragen und veröffentlichen können. Bisher machen die Kontrollbehörden in Deutschland nur in Ausnahmefällen öffentlich, wie es um die Sauberkeit in den Betrieben bestellt ist. Seit Jahren wird jeder vierte kontrollierte Betrieb beanstandet, größtenteils wegen Hygienemängeln. foodwatch und FragDenStaat wollen mit der Mitmach-Plattform Druck aufbauen, damit Behörden in Zukunft ausnahmslos alle Kontrollergebnisse veröffentlichen müssen. Erst das schaffe den nötigen Anreiz für Lebensmittelbetriebe, sich jeden Tag an alle lebensmittelrechtlichen Vorgaben zu halten. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner müsse die gesetzliche Grundlage für ein Transparenzsystem wie in Dänemark, Wales oder Norwegen schaffen. Dort werden alle Ergebnisse der amtlichen Lebensmittelüberwachung veröffentlicht, im Internet und direkt an der Ladentür. 

"Die allermeisten Lebensmittelbetriebe in Deutschland arbeiten sauber. Doch etwa jeder vierte Betrieb wird bei den Kontrollen beanstandet", erklärte Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch. "Kakerlaken in der Backstube, Schimmel im Lieblingsrestaurant, ekelerregende Zustände in der Wurstfabrik - die zuständigen Behörden wissen genau, in welchem Unternehmen geschlampt wird. Die Verbraucherinnen und Verbraucher erfahren das in der Regel nicht, nur Ausnahmefälle müssen veröffentlicht werden. Mit dieser Geheimniskrämerei schützt die Bundesregierung die Schmuddelbetriebe auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher und der vielen sauber arbeitenden Unternehmen."

Unter www.topf-secret.foodwatch.de können Verbraucherinnen und Verbraucher bei den zuständigen Behörden einen Antrag auf Veröffentlichung der Ergebnisse amtlicher Hygiene-Kontrollen stellen. Die gesetzliche Grundlage ist das Verbraucherinformationsgesetz (VIG). Nutzerinnen und Nutzer können einen beliebigen Betrieb - von Restaurants über Bäckereien bis hin zu Tankstellen - über eine Suchfunktion oder per Klick auf einer Straßenkarte aussuchen. Nutzerinnen und Nutzer brauchen lediglich Name, E-Mail- und Postadresse eingeben, die gemeinsam mit einem vorbereiteten Text an die zuständige Behörde übermittelt werden. Die Antragstellung ist innerhalb von einer Minute fertig. Verbraucherinnen und Verbraucher erhalten die Ergebnisse allerdings erst nach mehreren Wochen. Es kann auch passieren, dass sich Behörden quer stellen. 

"Bund und Länder haben es jahrelang verschlafen, für Transparenz in der Lebensmittelüberwachung zu sorgen. Das wollen wir mit 'Topf Secret' ändern! Je mehr Menschen mitmachen und Anträge stellen, desto mehr Infos kommen ans Licht - und desto größer ist der Druck auf die Bundesregierung, endlich eine gesetzliche Grundlage zu schaffen, die Transparenz zur Regel macht und nicht zur Ausnahme", sagte Arne Semsrott, Projektleiter von FragDenStaat. "So oder so gilt: 'Topf Secret' kann nur eine Zwischenlösung sein. Wenn die Bundesregierung in Zukunft die Veröffentlichung aller Kontrollergebnisse vorschreibt, schalten wir unsere Plattform gerne wieder ab."

Das Bundesverfassungsgericht hat in einer Entscheidung vom vergangenen Jahr ausdrücklich die Rechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern auf Informationen über lebensmittelrechtliche Verstöße, also zum Beispiel Missstände bei der Hygiene, anerkannt. Union und SPD haben sich zwar in ihrem neuen Koalitionsvertrag auch darauf verständigt, "eine übersichtliche und eindeutige Verbraucherinformation zu Hygiene und Lebensmittelsicherheit" zu gewährleisten. Allerdings sollen Betriebe ihre Kontrollergebnisse nur "auf freiwilliger Basis" veröffentlichen. foodwatch und FragDenStaat kritisierten, dass ein freiwilliges System erfahrungsgemäß nicht funktioniere - wie das Beispiel Niedersachsen zeige: In zwei Teststädten, Hannover und Braunschweig, konnten Lebensmittelbetriebe freiwillig ihre Kontrollergebnisse in Form eines "Hygiene-Barometers" an der Ladentür aushängen. Doch nur vier Prozent der Betriebe haben sich laut dem niedersächsischen Agrarministerium an dem Projekt beteiligt.

Anders zum Beispiel in Dänemark: Dort erfahren Verbraucherinnen und Verbraucher direkt an der Ladentür und im Internet anhand von Smiley-Symbolen, wie es um die Sauberkeit in den Lebensmittelbetrieben bestellt ist. Wenige Jahre nach Einführung des Smiley-Systems im Jahr 2002 hat sich die Quote der beanstandeten Betriebe halbiert, von 30 auf rund 15 Prozent. "Das Smiley-System in Dänemark funktioniert. Umfragen zeigen, dass praktisch alle Verbraucher das Smiley-System kennen und es bei der Wahl eines Restaurants oder eines Ladens berücksichtigen. Es zeigt auch, dass Lebensmittelunternehmen Maßnahmen ergreifen, um die Standards zu verbessern, mit dem Ziel, einen lächelnden Smiley zu bekommen. Das Smiley-System erhöht die Lebensmittelsicherheit zum Wohle aller", erklärte das dänische Umwelt- und Ernährungsministerium. 

In Wales, wo Restaurants, Bäckereien, Schulkantinen und Supermärkte auf einer Skala von 0 bis 5 bewertet werden, sank die Quote der Betriebe mit schlechter Bewertung von rund 13 (2013) auf knapp 5 Prozent (2017). Auch Norwegen hat 2016 ein Smiley-System eingeführt. Dort ist die Zahl der beanstandeten Betriebe innerhalb eines Jahres ebenfalls gefallen - von 32 auf 21 Prozent.

In Deutschland veröffentlicht das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nur anonymisierte Statistiken und Daten über die Lebensmittelüberwachung. Die Quote der beanstandeten Betriebe liegt seit Jahren nahezu unverändert bei rund 25 Prozent. 2017 lag die Quote wegen einer neuen Erfassungsmethode nur bei 13,6 Prozent. Diese Zahl umfasst nicht - wie in den Jahren zuvor - sogenannte informelle Beanstandungen. 

Link:
- Online-Plattform von foodwatch und FragDenStaat: www.topf-secret.foodwatch.de

Bayerische Leitlinien Seniorenverpflegung

Es ist angerichtet! Genussvoll essen in Senioreneinrichtungen

Gesunde Ernährung in der Seniorenpflege

Die Verpflegung in bayerischen Senioreneinrichtungen trägt wesentlich zum Wohlbefinden der Bewohner bei. Daher hat das Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) im Auftrag des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) Leitlinien für die Seniorenverpflegung erarbeitet. Ein unabhängiges Fachgremium aus Vertretern der Praxis, der Wirtschaft und der Wissenschaft hat die Arbeit beratend unterstützt. Die Leitlinien dienen den Verantwortlichen in den Einrichtungen als Orientierungshilfe für ein rundum gelungenes Essensangebot.

Die Leitlinien für die Seniorenverpflegung bilden als vierte Bayerische Leitlinien den Abschluss der Reihe. Mit ihnen bestehen neben Betriebsgastronomie, Schule und Kindertageseinrichtungen für die wesentlichen Settings der Gemeinschaftsverpflegung definierte Qualitätsempfehlungen.

Eine gesundheitsförderliche und nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung ist ein zentrales Handlungsfeld des Staatsministeriums. Die Leitlinien Seniorenverpflegung sind eine maßgebende Orientierungshilfe für hochwertiges, bedarfsgerechtes und regionaltypisches Essen in Senioreneinrichtungen.

Unsere Philosophie

Wenn Genuss, Gesundheit und Qualität Hand in Hand gehen, gewinnen alle Seiten: Bewohner, Mitarbeiter und die Einrichtung genauso wie Produzenten und Umwelt. Für jede Einrichtung stellt daher die Gestaltung der Verpflegung eine verantwortungsvolle Aufgabe dar. Wenn die individuelle Essbiografie jedes einzelnen Bewohners und die im Alter hinzukommenden gesundheitlichen und körperlichen Einschränkungen berücksichtigt werden, ist dies eine gute Basis, dass sich Senioren auch in einer stationären Einrichtung zuhause fühlen können.

Vier Leitgedanken beschreiben zunächst, was eine gute Seniorenverpflegung ausmacht.

Wertschätzung

Zu einem seniorengerechten Essen gehört noch mehr als ein den persönlichen Anforderungen angepasstes und schmackhaftes Menü. Individuelle Essenszeiten, harmonische Atmosphäre, ansprechende Tisch- und Raumgestaltung, eine ruhige Umgebung sowie geeignete Unterstützung bei der Essenseinnahme verstärken die Wertschätzung gegenüber den Bewohnern. Ein Verpflegungsleitbild, das von der gesamten Einrichtung mitgetragen wird, zeigt, dass die Küche und die Verpflegung der Einrichtung den Stellenwert haben, den sie verdienen. Diese Wertschätzung kann nur gelingen, wenn die Kommunikation stimmt: nach innen wie nach außen.

Gesundheit

Wenn im Alter gesundheitliche Einschränkungen zunehmen, der Appetit nachlässt und die Portionen kleiner werden, ist eine hochwertige Lebensmittelauswahl umso wichtiger. Grundlage für die Gestaltung eines gesundheitsförderlichen Speisen- und Getränkeangebots ist der DGE-Qualitätsstandard für die stationäre Seniorenverpflegung. Darüber hinaus müssen der individuelle Geschmack und die persönlichen Ernährungs- und Essgewohnheiten der Bewohner Beachtung finden.

Regionalität

Es gibt viele Gründe, zu regionalen – und auch saisonalen – Lebensmitteln zu greifen. Sie reichen vom Genussfaktor erntefrischer und voll ausgereifter Lebensmittel über die Bekanntheit sowie der besonderen Wertschätzung bei den Senioren bis zur Stärkung der heimischen Wirtschaft.

Gerade für ältere Menschen spielen Heimat und kulturelle Identität eine wichtige Rolle. Neben der Verwendung regionaler und saisonaler Zutaten genießen die Bewohner besonders auch das regelmäßige Angebot regionaltypischer Gerichte. Bekannte Gerichte der bayerischen Esskultur stärken das Gefühl von Heimat und wecken schöne Erinnerungen.

 

Ökologie

Von einer ökologischen Landwirtschaft profitieren alle: Klima, Böden, Gewässer, Pflanzen, Tiere und Menschen. Nachhaltige Verpflegung stärkt die heimische Ernährungs- und Landwirtschaft. Sie schließt die Aspekte regional, saisonal, ökologisch, Fairtrade und Tierwohl ein. Ökologisch zu denken, schließt kurze Transportwege ein. Deshalb spielt die Herkunft auch hier eine Rolle: Ökologische Lebensmittel aus Bayern erfüllen diesen Anspruch. Eine gute Verpflegung schließt ökologische Lebensmittel, möglichst aus der Region, deshalb selbstverständlich ein.

 

Praktische Orientierungshilfen

Wer Ja zu den Leitgedanken sagt, will diese auch im Alltag umsetzen. Dazu haben wir vier Bereiche definiert, in denen alle Verantwortlichen maßgebliche Entscheidungen fällen, die die Qualität der Verpflegung sichern: Rahmen gestalten, verantwortungsvoll einkaufen, ausgewogen verpflegen, erfolgreich kommunizieren.

In einem neuen Labor untersuchen Mediziner, Sport- und Ernährungswissenschaftler den Einfluss von Ernährung und Training auf die Gesundheit von Älteren

Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein kleines, modern eingerichtetes Fitnessstudio. Wären da nicht die Bildschirme und Messgeräte, die darauf hinweisen, worum es sich tatsächlich handelt: Der Arbeitsbereich Ernährung am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Freiburg hat ein neues Labor eröffnet – das „Nutrition + Training Lab“ (NuTraLab). „Schneller, höher, weiter“ ist jedoch nicht das alleinige Ziel, betont der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Daniel König, der das Labor leitet: „Uns geht es um den Nutzen für die Gesundheit.“ Gemeinsam mit seinem Team untersucht er den Einfluss der Ernährung in ihrer Kombination mit verschiedenen Trainingsformen.

Muskelkraft erhalten: Die meisten Probanden im neuen Labor des Instituts für Sport und Sportwissenschaft sind älter als 50 Jahre. Foto: Thomas Kunz
Muskelkraft erhalten: Die meisten Probanden im neuen Labor des Instituts für Sport und Sportwissenschaft sind älter als 50 Jahre. Foto: Thomas Kunz

Zusammenspiel individuell steuern

Hintergrund des Ansatzes ist der demographische Wandel, erklärt König. „Die Menschen werden immer älter, aber nicht in Gesundheit. Viele leben jahrelang in einem Zustand der Abhängigkeit und Pflegebedürftigkeit.“ Die Erkenntnis, dass ein gesunder Lebensstil das Risiko für Krankheiten wie Diabetes, Schlaganfall oder Krebs senken und zum Erhalt der Muskelfunktion im Alter beitragen kann, ist nicht neu. Doch wie lässt sich das Zusammenspiel von Ernährung und Sport individuell so steuern, dass der oder die Einzelne das optimale Ergebnis erzielt – mit dem Ziel, Leistungsfähigkeit und Selbstständigkeit möglichst lange zu bewahren?

Tipps beim Training: Daniel König (rechts) untersucht, wie Sport und Ernährung optimal zusammenwirken. Foto: Thomas Kunz
Tipps beim Training: Daniel König (rechts) untersucht, wie Sport und Ernährung optimal zusammenwirken. Foto: Thomas Kunz

 

Wissen, worauf es ankommt

Studien im NuTraLab sollen helfen, diese Frage zu beantworten. Die meisten Probandinnen und Probanden sind älter als 50 Jahre, viele haben Übergewicht und damit ein erhöhtes Risiko für Gefäßerkrankungen  bei gleichzeitig reduzierter Muskelmasse. Am Anfang einer Studie steht eine Untersuchung der Teilnehmenden. Anschließend erhalten sie einen Trainings- und Ernährungsplan, den sie in der Regel für drei Monate befolgen. Dabei werden sie in Gruppen eingeteilt: Beispielsweise ernähren sich manche fett-, andere kohlenhydratreich, oder einige führen ein Kraft- und andere ein Ausdauertraining durch. Eine Abschlussuntersuchung zeigt, ob und wie sich der Gesundheitszustand verändert hat. „Alle Probanden bekommen ihr individuelles Ergebnis und die Gesamtauswertung“, sagt König. „Sie fühlen sich im Alltag fitter und wissen danach, worauf es ankommt. Unsere Aufgabe ist es dann, die Ergebnisse der Studien in konkrete Empfehlungen für die Bevölkerung umzusetzen.“

Sportwissenschaftler überprüfen anhand von Messungen, wie sich Trainingsprogramm und Ernährungsplan auf den Gesundheitszustand der Probanden auswirken. Foto: Thomas Kunz
Sportwissenschaftler überprüfen anhand von Messungen, wie sich Trainingsprogramm und Ernährungsplan auf den Gesundheitszustand der Probanden auswirken. Foto: Thomas Kunz

Training mit Manschette

Außerdem testen die Medizinerinnen, Mediziner, Sport- und Ernährungswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler Trainingsmethoden, die sich vor allem im Alter eignen. Aktuell läuft etwa eine Studie, bei der die Teilnehmenden eine aufgepumpte Manschette um den Muskel, der trainiert werden soll, tragen – ähnlich wie bei der Blutdruckmessung. „Das verringert den Blutfluss und verändert den Stoffwechsel, sodass jemand, der nur mit 30 Prozent seiner Maximalkraft trainiert, den gleichen Effekt erzielt wie mit den sonst üblichen 70 bis 80 Prozent“, berichtet König. „Für ältere Menschen ist das genial, weil sie mithilfe der Manschette auch mit niedriger Intensität viel erreichen können.“ Ebenso stehen einzelne Nährstoffe im Fokus: Ein Thema, mit dem sich das Team derzeit befasst, ist der Einfluss der Ernährung auf so genannte Freie Radikale – reaktionsfreudige Verbindungen, die im menschlichen Körper großen Schaden anrichten können. „Unsere Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Vitamine und so genannte sekundäre Pflanzenstoffe den Stress, den Freie Radikale erzeugen, deutlich reduzieren. Darüber hinaus kann auch der Stoffwechsel bei Übergewicht und metabolischem Syndrom positiv beeinflusst werden.“ Das metabolische Syndrom ist eine Kombination verschiedener Risikofaktoren – dazu zählen unter anderem zu viel Bauchfett, Bluthochdruck, erhöhte Blutzucker- und Blutfettwerte.

Passt alles? Mitglieder aus Daniel Königs Team beaufsichtigen die Probanden beim Training. Foto: Thomas Kunz
Passt alles? Mitglieder aus Daniel Königs Team beaufsichtigen die Probanden beim Training. Foto: Thomas Kunz

Schere öffnet sich

Studierende profitieren ebenfalls vom NuTraLab. „Wir haben viele Geräte zur Diagnostik, Therapie und Rehabilitation, die sie in unserem Labor kennenlernen und ausprobieren können“, sagt König. Mit seinen Angeboten richtet er sich besonders an diejenigen, die später im Gesundheitssektor arbeiten möchten. Wichtig ist ihm, dafür zu sensibilisieren, wie viel die Menschen für die eigene Gesundheit tun können: „Der Einfluss von Ernährung und Sport ist riesig – aber leider beobachten wir, dass sich die Schere zwischen denen, die ihren Lebensstil danach ausrichten, und denen, die weniger auf sich achten, ab dem 50. Lebensjahr immer weiter öffnet.“

Nicolas Scherger

Männer machen weniger im Haushalt und als Belohnung sind sie gesünder, sagt eine Studie

Eine Forschungsgruppe des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS in Bremen hat den Zusammenhang von Hausarbeit, Schlafdauer und Gesundheit bei älteren Menschen in Europa und den USA untersucht. Das Ergebnis: Ältere Frauen verbringen im Schnitt fast fünf Stunden pro Tag mit Hausarbeit, während ältere Männer mit nur drei Stunden zurückhaltender sind. Das bleibt offenbar nicht ohne Folgen für die Gesundheit: Die Senioren fühlen sich deutlich gesünder als die Seniorinnen.

Fast 21.000 Frauen und mehr als 15.000 Männer älter als 65 Jahre gaben im Rahmen von internationalen Zeitverwendungsstudien Auskunft über ihre täglichen Aktivitäten. Die Studienteilnehmerinnen und –teilnehmer aus Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und den USA sollten dabei einschätzen, wieviel Zeit sie am Tag mit unterschiedlichsten Tätigkeiten verbringen – darunter Hausarbeiten wie Putzen, Kochen, Gartenarbeiten und handwerklichen Tätigkeiten.

Deutliche Unterschiede bei der Art der Hausarbeit

„Bei der Auswertung zeigte sich ein deutliches Bild. Während die Frauen im Schnitt etwa fünf Stunden mit Hausarbeit verbrachten, hielten sich die Männer zurück. Sie arbeiteten im Schnitt nur drei Stunden im Haushalt“, sagt Nicholas Adjei, Doktorand in der Abteilung Prävention und Evaluation am BIPS und Erstautor der Studie. „Bei der Art der Hausarbeit gibt es deutliche Unterschiede. Frauen beschäftigen sich im Schnitt fast 220 Minuten täglich mit Kochen, Einkaufen und Putzen – Männer dagegen nur knapp 90 Minuten. Bei Gartenarbeiten und handwerklichen Tätigkeiten zeigt sich ein umgekehrtes Bild. Hier sind Männer fast 70 Minuten täglich aktiv, Frauen dagegen nur knapp 40 Minuten.“ Darüber hinaus zeigen sich deutliche Länderunterschiede – vor allem bei den älteren Männern. Während etwa Senioren in Italien nur 2,7 Stunden pro Tag Hausarbeit leisten, sind es bei deutschen Männern 4,2 Stunden.

Doch wie wirkt sich Hausarbeit auf die Gesundheit aus? „Hier zeigte sich ein interessantes Bild. Insgesamt scheint Hausarbeit sowohl bei Männern als auch bei Frauen mit einer besseren subjektiven Gesundheit einherzugehen“, sagt Nicholas Adjei. „Betrachten wir dies allerdings in Kombination mit der Schlafdauer, so zeigt sich für Frauen ein Optimum von ein bis drei Stunden Hausarbeit bei sieben bis acht Stunden Schlaf. Bei den Männern berichteten diejenigen die beste Gesundheit, die mit sechs Stunden oder mehr besonders aktiv im Haushalt waren – unabhängig von der Schlafdauer.“

Gleichmäßigere Verteilung aller Hausarbeiten auf Frau und Mann

Gründe für die unterschiedlichen Effekte lassen sich aus der Studie nicht sicher ableiten. „Möglicherweise spielt die Art der Aktivitäten eine große Rolle. Männer arbeiten viel im Garten, sind dabei körperlich sehr aktiv und unter freiem Himmel. Frauen dagegen sind zum Teil mit sehr repetitiven Tätigkeiten im Haus beschäftigt“, sagt Nicholas Adjei. „Eine gleichmäßigere Verteilung aller Hausarbeiten auf Frau und Mann könnte also durchaus sinnvoll und fair sein.“

Die Originalpublikation finden Sie hier:

https://bmcpublichealth.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12889-017-4979-z

Das BIPS – Gesundheitsforschung im Dienste des Menschen

Die Bevölkerung steht im Zentrum unserer Forschung. Als epidemiologisches Forschungsinstitut sehen wir unsere Aufgabe darin, Ursachen für Gesundheitsstörungen zu erkennen und neue Konzepte zur Vorbeugung von Krankheiten zu entwickeln. Unsere Forschung liefert Grundlagen für gesellschaftliche Entscheidungen. Sie klärt die Bevölkerung über Gesundheitsrisiken auf und trägt zu einer gesunden Lebensumwelt bei.

Das BIPS ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, zu der 93 selbstständige Forschungseinrichtungen gehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.700 Personen, darunter 9.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,8 Milliarden Euro.

Gesundes AlternVortrag von Frank Madeo am 27.01.2016 in der Reihe „Freiburger Horizonte“ zur Rolle der Ernährung

Prof. Dr. Frank Madeo von der Universität Graz/Österreich ist bekannt für seine Forschung und Vorträge zum Zusammenhang zwischen Ernährung, Fasten und gesundem Altern. Mit seinem Forschungsteam konnte er nachweisen, dass Fasten die Autophagie anregen kann, eine Art Recyclingmechanismus der Zellen, der sich positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirkt. Zudem konnte er nachweisen, dass der Alterungsprozess der Zellen durch Spermidin aufgehalten werden kann. In seinem Vortrag wird er diese Zusammenhänge erläutern.

Frank Madeo (Helmut Lunghammer / Universitaet Graz)
Frank Madeo (Helmut Lunghammer / Universitaet Graz)

  • Was: Vortrag
  • Wann: 27.01.2016, 19:00 Uhr
  • Wo: Kollegiengebäude I
    Aula
    Platz der Universität 3
    79098 Freiburg
  • Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
  • Veranstalter: Freiburg Institute for Advanced Studies
  • Die Teilnahme ist kostenlos.
  • Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
  • Die Vortragssprache ist Deutsch.