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Senken Tai Chi und Eurythmie-Therapie das Sturzrisiko bei älteren Menschen? Universitätsklinikum Freiburg leitet bundesweite Studie / Insgesamt 550 Teilnehmer gesucht / BMBF fördert das Projekt mit zwei Millionen Euro

Universitätsklinikum Freiburg leitet bundesweite Studie / Insgesamt 550 Teilnehmer gesucht / BMBF fördert das Projekt mit zwei Millionen Euro

Jeder dritte ältere Mensch stürzt einmal im Jahr. Das Sturzrisiko erhöht sich, wenn die Menschen an chronischen Erkrankungen leiden. Umgekehrt beugen Bewegung und körperliche Fitness vielen Erkrankungen vor und erleichtern den Umgang mit ihnen. Jetzt wird in einer bundesweiten Studie unter Leitung des Universitätsklinikums Freiburg erforscht, ob Bewegungstherapien wie Tai Chi oder Eurythmie-Therapie das Sturzrisiko senken können. Für diese Studie (genannt: ENTAiER-Studie), werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer ab 65 Jahren mit mindestens einer chronischen Krankheit gesucht, die in ihren Bewegungen unsicher geworden sind. Sie erhalten ein halbes Jahr lang regelmäßig Tai Chi, Eurythmie-Therapie oder  die übliche Regelversorgung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die ENTAiER-Studie für vier Jahre mit rund zwei Millionen Euro.

„Eine wirksame Sturzprävention hebt die Lebensqualität und senkt die Kosten aufgrund gesundheitlicher Folgen enorm“, sagt Studienleiterin Dr. Gunver Kienle, Ärztin am Zentrum für Naturheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg. „Wenn die Betroffenen wieder Sicherheit in der Bewegung verspüren, dürften sie auch weniger Angst vor Stürzen haben und sich selbständiger im Alltag bewegen. Das wäre eine deutliche Entlastung.“

In der ENTAiER-Studie (Multizentrische, randomisierte, kontrollierte klinische Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Tai Chi und Eurythmie-Therapie bei älteren Menschen mit chronischen Erkrankungen und einem erhöhten Sturzrisiko) wird untersucht, ob diese Übungen einen Einfluss auf die Balance, die Mobilität und das Risiko zu stürzen haben. Weiterhin wird analysiert, wie sich die Übungen auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität, die Stimmung und die Kognition auswirkt.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen bereit sein, während der Studienzeit regelmäßig zu den Therapiestunden zu kommen und zu Hause zu üben. Sie werden monatlich telefonisch befragt und bei einer Eingangsuntersuchung und drei weiteren Vor-Ort-Terminen im Studienzentrum untersucht. Die Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer sollten selbstständig zum Studienzentrum und gegebenenfalls zu den Therapiestunden kommen können. Die Teilnahme ist jederzeit freiwillig und kostenlos.

Interessierte können sich informieren unter https://www.uniklinik-freiburg.de/entaier-studie.html oder unter der Telefonnummer 0761 270-83260 (Frau Dr. S. Schulz).

Die Neuen Alten (DNA) laden zum Netzwerkgespräch

Am Dienstag, 29. Januar laden Die Neuen Alten (DNA) um 19 Uhr in den Gemeinschaftsraum der Arne-Torgersen-Straße 7 (Gutleutmatten, östlich der Eschholzstraße) zu einem Netzwerkgespräch mit dem Thema: Digitale Transformation.

Neben thematischen Inputs in einer offen moderierten Gesprächsrunde kann es bei ausreichender Teilnehmeranzahl (20+) einen Fishbowl geben. DNA lädt daher nicht alleine die ältere Generation ein, sondern auch Expert*innen mit Interesse an folgenden Punkten:

  • Was bringen digitale Plattformen für ältere Menschen? 
    (Stichworte: Bereicherung? Verzicht?) 
  • Welches Bewusstsein und Wissen sollte man haben, wenn man ins WWW geht? 
    (Stichworte: Vertrauen? Sicherheit?) 
  • Welche Konsequenzen hat das WWW für meine Beziehungen? bzw. braucht es digitale Ergänzungen zur analogen Welt? 
    (Stichworte: Kontaktaufnahme? Netzwerke à la nebenan.de, imachs und SoNaTe) 
  • Was erwarten ältere Menschen von einer Plattform wie www.dieneuenalten.org
    (Stichworte: digitale Strategie, digitale Transformation) 

Die Neuen Alten (DNA)…

 ist eine Plattform mit digitalen und analogen Angeboten für die Generationen 55+ im gesamten Stadtgebiet Freiburg.

Kernelement ist ein monatlicher Rundbrief, der am Monatsanfang an die Abonnenten verschickt wird, sowie ein jederzeit aktueller Veranstaltungskalender. Mit analogen Veranstaltungs-formaten (Gesprächscafés, Netzwerkgespräche) bietet DNA die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme in der nicht-virtuellen Realität. DNA informiert über Projekte, Aktivitäten und Erfahrungen der Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen die an der Verbesserung der Lebensqualität alternder Menschen in Freiburg und an der verantwortlichen Mitgestaltung ihres sozialen Umfelds arbeiten. DNA vernetzt die Akteure, ermöglicht ihnen Erfahrungsaustausch und unterstützt sie beim Transfer in die Praxis. DNA kooperiert eng mit den Engagierten, sei es in der Auswahl und Erstellung der Themenschwerpunkte (Dossiers), in der Öffentlichkeitsarbeit oder in der Entwicklung und Durchführung von Fortbildungen und Veranstaltungen.

Weitere Infos: www.dieneuenalten.org

So können ältere Co- Forscher gegen soziale Ausgrenzung helfen

Foto: Ria Hinken

Einsamkeit und soziale Isolation von Senioren sind vor allem in den  Städten ein großes Problem – und stehen in Wechselwirkung mit der Gesundheit dieser Menschen. Um die komplexen medizinischen und sozialen Zusammenhänge besser zu verstehen und Lösungen daraus zu entwickeln, wurden in den vergangenen Jahren neue wissenschaftliche Methoden entwickelt.
Dr. Tine Buffel vom Manchester Institute for Collaborative Research on Ageing der University of Manchester in Großbritannien ist hier eine Vorreiterin: Im Rahmen einer Feldstudie in Manchester hat sie ältere Menschen als „Co-Forscher“ ausgebildet, die wiederum Interviews mit älteren Menschen über ihreLebenssituation geführt haben. Die Arbeitsergebnisse stellt Tine Buffel nun auf demJahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) vor, der vom 6. bis 8. September 2018 in Köln stattfindet. Titel ihrer Keynote-Lecture: „Older Coresearchers Exploring Age-Friendly Communities. An ‘Insider’ Perspective on the Benefits and Challenges of Peer-Research”.

„Eine wachsende Zahl von Arbeiten legt nahe, dass Co-oder Peer-Research dazu beitragen könnte, die komplexen gesundheitlichen und sozialen Probleme zu verstehen, die im späteren Leben auftreten. Dennoch gibt es bisher nur wenige Studien, bei denen ältere Menschen als Partner in den Forschungsprozess einbezogen wurden“, erklärt Tine Buffel. Sie gehört zu den wenigen Wissenschaftlern, die diesen Ansatz verfolgt haben. Achtzehn ältere Menschen wurden rekrutiert und als „Co-Forscher" ausgebildet, um eine führende Rolle in Buffels Studie zur Entwicklung „altersfreundlicher" Gemeinschaften in Manchester zu übernehmen. Diese Forscher haben insgesamt 68 Interviews durchgeführt mit Einwohnern im Alter von 60 Jahren und mehr, die in ihrer Nachbarschaft isoliert waren.

Herausforderung: Zusammenarbeit zwischen Forschern und Co-Forschern

„Die Studie zeigt den Beitrag von Co-Forschern zur Erweiterung der methodischen Vielfalt, den Zugang zu selten gehörten Bevölkerungsgruppen und die Nutzung der Fähigkeiten und Ressourcen älterer Menschen. Die Forschung hebt auch die Möglichkeiten für Partnerschaften zwischen älteren Menschen und lokalen Interessengruppen hervor, um den sozialen Wandel und soziale Maßnahmen zu erleichtern“, erklärt Buffel. Aber auch große Herausforderungen haben sich bei der Forschungsmethode gezeigt, etwa bei der Art und Weise, wie die Zusammenarbeit zwischen Forschern und Co-Forschern genau gestaltet wird.

Soziale Isolation durch integrative Forschung bekämpfen

Mit ihrer Forschung möchte Tine Buffel vor allem dazu beitragen, soziale Ausgrenzung
älterer Menschen in der Gesellschaft zu bekämpfen. Sie ist überzeugt: “Indem wir die Fähigkeiten älterer Menschen als Co-Forscher nutzen, können wir ein besseres Wissen
über die Gemeinschaften, in denen Menschen leben, und darüber, wie Alterungsprozesse erlebt werden, gewinnen.“ Im Gegensatz zu vielen anderen „TopDown-Initiativen“, bei denen Experten auf Dinge herabsehen, geht es ihr darum, Forschung integrativ zu gestalten – eben mit den Betroffenen. Einige Erfolge hat Tine Buffel bereits erreicht: So wurde der Busverkehr in Manchester, der aufgrund des Finanzierungsdrucks gekürzt wurde, aufgrund der Projek-tempfehlungen wieder ausgebaut – ältere Menschen können nun wieder besser in die Stadt gelangen. Die Revitalisierung lokaler Parkanlagen, das Entfernen von Stolperfallen oder bessere Beleuchtungsanlagen in der Stadt sind weitere Beispiele dafür, wie Buffels Arbeit
Früchte trägt.

Zukunftsziele: Soziale Verhältnisse und Gesundheit gehen Hand in Hand

Ihre Forschungsergebnisse sind bedeutend für Geriater und Gerontologen, weil sie
eindrucksvoll die Wechselbeziehungen zwischen den sozialen Verhältnissen älterer
Menschen und den gesundheitlichen Bedingungen veranschaulichen. Dies wiederum
führt zu einem besseren Verständnis der Bedürfnisse von Senioren. Um deren soziale
Isolation in Zukunft weiter bekämpfen zu können, sind laut Tine Buffel verschiedene
Schritte notwendig: „Ein Ausgangspunkt muss darin bestehen, das Wissen über die
Wohnviertel zu verbessern, in denen gelebt wird, und daran zu arbeiten, das Spektrum
der Organisationen und Gruppen, die für ältere Menschen arbeiten, zu stärken. Zu den
wichtigsten Maßnahmen gehören die Verbesserung der sozialen Teilhabe, die Stärkung
sozialer Netzwerke und sozialer Beziehungen sowie die Unterstützung von Personen,
die sich um schutzbedürftige Gruppen älterer Menschen kümmern, insbesondere
diejenigen, die von langfristigen gesundheitlichen Problemen betroffen sind.“ Damit
involvierte Organisationen hier effektiv und langfristig zum Wohle des älteren Menschen
zusammenarbeiten können, bedürfe es guter, partnerschaftlicher Vereinbarungen.

Termin:

Dr. Tine Buffel, Manchester
Keynote-Lecture: „Older Coresearchers Exploring Age-Friendly Communities. An
‘Insider’ Perspective on the Benefits and Challenges of Peer-Research”
DGGG/DGG-Jahreskongress

Hörsaalgebäude, Hörsaal C, Universität zu Köln
Freitag, 7. September 2018

Zur Person:

Bildquelle: The University of Manchester
Tine Buffel Bildquelle: The University of Manchester

Dr. Tine Buffel kam im November 2012 zum Manchester Institute for Collaborative Research on Ageing der University of Manchester, Großbritannien. Sie nahm im Oktober 2013 ein zweijähriges EU-finanziertes Marie-Curie-Stipendium auf, bei dem sie die Erfahrungen älterer Menschen in ihren Wohnorten auf Basis partizipativer Forschungsmethoden untersuchte. Im November 2015 wurde sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Rahmen des Programms „Ambition for Ageing“, das sich speziell auf
ältere Menschen konzentriert, die von Problemen im Zusammenhang mit der sozialen Isolation im Großraum Manchester bedroht sind. Im März 2016 begann Doktor Buffel mit dem Forschungsprojekt „Urban Ageing and Social Exclusion", das durch das ESRC Future Research Leaders-Programm finanziert wurde. Dieses Projekt beinhaltet eine vergleichende Studie zur sozialen Ausgrenzung älterer Menschen in städtischen Gebieten in drei EU-Staaten.

7,8 Millionen schwerbehinderte Menschen leben in Deutschland

WIESBADEN – Zum Jahresende 2017 lebten rund 7,8 Millionen schwerbehinderte Menschen in Deutschland. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, waren das rund 151 000 oder 2,0 % mehr als am Jahresende 2015. 2017 waren somit 9,4 % der gesamten Bevölkerung in Deutschland schwerbehindert. Etwas mehr als die Hälfte (51 %) waren Männer, 49 % waren Frauen. Als schwerbehindert gelten Personen, denen die Versorgungsämter einen Grad der Behinderung von mindestens 50 zuerkannt sowie einen gültigen Ausweis ausgehändigt haben.

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Behinderungen treten vor allem bei älteren Menschen auf: So war circa ein Drittel (34 %) der schwerbehinderten Menschen 75 Jahre und älter. 44 % gehörten der Altersgruppe von 55 bis 74 Jahren an. 2 % waren Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Mit 88 % wurde der überwiegende Teil der Behinderungen durch eine Krankheit ver­ursacht. 3 % der Behinderungen waren angeboren beziehungsweise traten im ersten Lebensjahr auf. Nur 1 % der Behinderungen war auf einen Unfall oder eine Berufskrankheit zurückzuführen. Die übrigen Ursachen summieren sich auf 7 %.

Körperliche Behinderungen hatten 59 % der schwerbehinderten Menschen. Bei 25 % waren die inneren Organe beziehungsweise Organsysteme betroffen. Bei 12 % waren Arme und/oder Beine in ihrer Funktion eingeschränkt, bei weiteren 11 % Wirbelsäule und Rumpf. In 5 % der Fälle lag Blindheit beziehungsweise eine Sehbehinderung vor. 4 % litten unter Schwerhörigkeit, Gleichgewichts- oder Sprachstörungen. Der Verlust einer oder beider Brüste war bei 2 % Grund für die Schwerbehinderung.

Geistige oder seelische Behinderungen hatten insgesamt 13 % der Fälle, zerebrale Störungen 9 % der Fälle. Bei den übrigen Personen (19 %) war die Art der schwersten Behinderung nicht ausgewiesen.

Bei knapp einem Viertel der schwerbehinderten Menschen (23 %) war vom Versorgungs­amt der höchste Grad der Behinderung von 100 festgestellt worden. 33 % wiesen einen Behinderungsgrad von 50 auf.

 

  • Generali Altersstudie 2017 untersucht Lebenssituation älterer Menschen in Deutschland
  • Befragung von mehr als 4.100 Bundesbürgern im Alter zwischen 65 und 85 Jahren durch Institut für Demoskopie Allensbach
  • Initiator Generali Deutschland will aktiv dazu beitragen, auf Basis von Fakten die älter werdende Gesellschaft für alle Generationen lebenswert und gerecht zu gestalten

Berlin – Die große Mehrheit der 65- bis 85-Jährigen in Deutschland blickt zufrieden auf das eigene Leben. Die materielle Situation dieser Generation hat sich in den vergangenen vier Jahren nochmals verbessert und der Gesundheitszustand ist stabil positiv. Zu diesem Ergebnis kommt die Generali Altersstudie 2017, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Generali Deutschland AG nach 2013 zum zweiten Mal durchgeführt hat. Allerdings fallen Unterschiede zwischen sozialen Schichten und Regionen auf.

Was bietet das Alter? Chancen oder Beschwerden?

Die Generali Altersstudie 2013 zeigte deutlich ein neues Bild vom Alter: Statt passiv und zurückgezogen sind ältere Menschen hierzulande mehrheitlich optimistisch, aktiv und motiviert. Dies bestätigt auch die repräsentative Neuauflage, bei der 4.133 Personen befragt wurden.

Giovanni Liverani, Vorstandsvorsitzender der Generali Deutschland AG: „Als Generali wollen wir das Leben aller Menschen nicht nur versichern, sondern es verbessern. Wenn wir eine älter werdende Gesellschaft lebenswert gestalten wollen, müssen wir die Lebenssituation unserer älteren Mitbürger kennen und verstehen. Nur so können wir ihnen bis ins hohe Alter ein eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Leben ermöglichen.“

Michael Sommer, Projektleiter der Generali Altersstudie vom Institut für Demoskopie Allensbach: „Die Lebenszufriedenheit älterer Menschen ist heute mit einer Vielzahl an Faktoren verknüpft, die voneinander abhängig sind. Dieses sind die wirtschaftliche Lage, der Gesundheitszustand oder auch die Herausforderung, die Technisierung meistern zu können. So sehen 65- bis 85-Jährige aus unteren sozialen Schichten ihre gesundheitliche Situation oftmals kritisch, fühlen sich gleichzeitig von neuen Techniken überfordert und sind alles in allem häufig deutlich unzufriedener mit dem eigenen Leben als Personen aus höheren sozialen Milieus.“

Hohe Lebenszufriedenheit bei den Älteren

Hohe Lebenszufriedenheit, Abwechslung und Mobilität

Viele Menschen der Generation der 65- bis 85-Jährigen geben ihr gefühltes Alter deutlich geringer an als ihr tatsächliches – und zwar um rund 7,5 Jahre. Auffällig ist, dass diese Wahrnehmung übergreifend auch bei den 80- bis 85-Jährigen zu beobachten ist. Jeder zweite Befragte (49 Prozent) dieser Altersgruppe fühlt sich – allen Altersbeschwerden zum Trotz – jünger als es seinem kalendarischen Alter entspricht. Insgesamt zeichnet die Generation ein positives Lebensgefühl aus. Auf einer Skala von Null („überhaupt nicht zufrieden“) bis zehn („völlig zufrieden“) wählen die 65- bis 85-Jährigen im Durchschnitt die Skalenstufe 7,2. Auffällig in diesem Zusammenhang ist, dass es regional gesehen in Deutschland keine wesentlichen Unterschiede gibt. Während Schleswig-Holstein das Ranking mit einem Wert von 7,5 anführt, liegt der Nachbar Mecklenburg-Vorpommern als Schlusslicht mit 6,8 nur unwesentlich zurück.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Mehrheit der älteren Generation führt ein abwechslungsreiches und aktives Leben. So ist mehr als die Hälfte (58 Prozent) der 65- bis 85-Jährigen heute noch mit dem eigenen Auto unterwegs. Bei den 65- bis 69-Jährigen (69 Prozent) sind dies mehr als doppelt so viele wie 1985 (30 Prozent). Bei den 80- bis 85-Jährigen ist der Anteil der Autofahrer sogar um mehr als das Zehnfache angestiegen. 38 Prozent dieser Altersklasse nutzen heute noch den eigenen PKW.

Im Durchschnitt steigende Alterseinkommen, aber deutliche Unterschiede

Fast zwei Drittel (62 Prozent) der 65- bis 85-Jährigen ziehen eine positive Bilanz ihrer wirtschaftlichen Lage. Zehn Prozent bezeichnen ihre finanzielle Situation als sehr gut, 52 Prozent als gut. 31 Prozent der älteren Menschen in Deutschland bezeichnen ihre eigene wirtschaftliche Lage als durchschnittlich, sechs Prozent stufen sie als eher schlecht oder schlecht ein.

Deutlich gewachsener finanzieller Spielraum

Interessanterweise führt die positive Bilanz der eigenen Situation nicht dazu, dass die Befragten die finanzielle Lage der eigenen Altersgruppe insgesamt als positiv einschätzen. Vielmehr wird die wirtschaftliche Lage der älteren Menschen in Deutschland deutlich negativer eingestuft als die eigene Situation. 48 Prozent der 65- bis 85-Jährigen gehen davon aus, dass die materielle Situation der meisten älteren Menschen in Deutschland mäßig ist; weitere 31 Prozent vermuten sogar, dass es den meisten ihrer Altersgenossen schlecht geht.

Insgesamt verfügen die 65- bis 85-Jährigen über ein Haushalts-Nettoeinkommen von durchschnittlich 2.410 Euro im Monat. Im Vergleich mit den Ergebnissen der Studie 2013 sind dies gut 200 Euro oder zehn Prozent mehr. Die persönlichen, frei verfügbaren Mittel der 65- bis 85-Jährigen sind in vier Jahren um 20 Prozent von monatlich 522 Euro auf 628 Euro gestiegen. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede: Das frei verfügbare Einkommen differiert zwischen 351 Euro bei Personen der Gruppe mit niedrigerem Einkommen und durchschnittlich 1.027 Euro bei Personen der Gruppe mit höherem Einkommen.

Überwiegend positive Gesundheitsbilanz

Die Unterschiede zwischen den sozialen Schichten zeigen sich nicht nur im Einkommen, sondern auch in der persönlichen Gesundheitsbilanz. 40 Prozent der 65- der 85-Jährigen bewerten ihren Gesundheitszustand als uneingeschränkt positiv. Doch während 52 Prozent der 65- bis 85-Jährigen aus den höheren sozialen Schichten eine positive Bilanz ihres Gesundheitszustandes ziehen, ist dies nur bei 28 Prozent der Gleichaltrigen aus den unteren sozialen Schichten der Fall. Gleichzeitig kennen elf Prozent der 65- bis 85-Jährigen die Situation, auf Hilfe und Pflege durch andere angewiesen zu sein, bereits aus eigener Erfahrung. Diese Erfahrungen nehmen jenseits der 80 Jahre auf 21 Prozent zu. Insgesamt 20 Prozent der 65- bis 85-Jährigen sind mit der Situation konfrontiert, dass ihr Partner Pflege benötigt.

Jüngere und ältere Internetnutzer

Deutliche Unterschiede auch bei technischen Entwicklungen und digitalen Medien

Auch beim Umgang mit technischen Entwicklungen zeigen sich große Unterschiede. So nutzt immerhin jeder Zweite der 65- bis 85-Jährigen das Internet. Auffällig dabei ist, dass von den 65-bis 74-Jährigen zwei Drittel im digitalen Netz unterwegs sind, bei den 75- bis 85-Jährigen hingegen nur ein Drittel. Besonders stark unterscheidet sich die Internetnutzung in den verschiedenen Einkommensgruppen. Während gerade einmal 23 Prozent der 65- bis 85-Jährigen aus den unteren sozialen Schichten online aktiv sind, sind es bei den Gleichaltrigen aus der Oberschicht 81 Prozent.

Grafik zeigt das technische Interesse

Generell zeigt sich beim Thema Technik eine Spaltung: Insgesamt gaben 34 Prozent der 65- bis 85-Jährigen an, Interesse an neuer Technik zu haben und gerne etwas Neues auszuprobieren. Bei Personen aus der Oberschicht waren es sogar mehr als die Hälfte (52 Prozent). Dagegen fühlen sich 39 Prozent aller Befragten von neuer Technik genervt und überfordert. Bei Personen mit niedrigerem sozioökonomischen Status sind es gar 51 Prozent.

Dr. Andrea Timmesfeld, Head of Public Affairs & Community Engagement, verantwortlich für das politische und gesellschaftliche Engagement der Generali in Deutschland: „Digitale Innovationen können Lebensqualität und Selbstständigkeit im Alter enorm unterstützen. Hier können wir als Versicherer einen umfassenden Beitrag leisten. Die Studie zeigt, dass ein Teil der älteren Menschen dieser Entwicklung aufgeschlossen gegenübersteht, eine andere Gruppe allerdings Gefahr läuft, digital abgehängt zu werden. Wir müssen uns also überlegen, wie wir diese Gruppe mit digitalen Innovationen besser erreichen können.“

Soziale Kontakte essenziell

Soziale Beziehungen, das ergab die Studie ebenso, sind gerade für ältere Menschen von immenser Bedeutung – und zwar innerhalb und außerhalb der eigenen Familie. So schätzen drei Viertel der 65- bis 85-Jährigen das Zusammensein mit anderen und sind gerne unter Menschen. Insgesamt haben 73 Prozent der 65- bis 85-Jährigen Kinder und Enkelkinder. 25 Prozent der 65- bis 85-jährigen Eltern sehen ihre Kinder täglich oder fast täglich, weitere 29 Prozent mindestens einmal pro Woche.

Zwei Drittel der 65- bis 85-Jährigen leben mit einem Partner zusammen. 69 Prozent können zudem auf einen festen Freundes- und Bekanntenkreis zurückgreifen, mit dem sie sich regelmäßig treffen. 41 Prozent der Älteren bezeichnen ihren Bekanntenkreis zudem als groß. Drei Viertel aller 65- bis 85-Jährigen wissen, dass sie sich in einer schwierigen Lage auf ihre Kinder verlassen können; zwei Drittel, dass sie sich auch auf ihren Partner verlassen können. 53 Prozent sind sich um die Unterstützung guter Freunde bewusst, 39 Prozent bauen auf die Nachbarschaftshilfe. Dass es niemanden gibt, an den man sich in einer schwierigen Lage wenden kann, sagt gerade einmal einer von Hundert der heute 65- bis 85-Jährigen.

Grafik zeigt das technische Interesse

 

Immense Bedeutung des Gefühls, gebraucht zu werden

Darüber hinaus belegt die Studie, dass die Möglichkeit, trotz altersbedingter Einschränkungen am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können, für die Generation der 65- bis 85-Jährigen von zentraler Bedeutung ist. Sowohl Teilhabe als auch die Übernahme von Verantwortung für das eigene und das Leben von Mitmenschen innerhalb und außerhalb der Familie (Mitverantwortung) sind besonders ausgeprägt. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sich 42 Prozent der 65- bis 85-Jährigen derzeit ehrenamtlich engagieren. Auffallend sind hier jedoch die regionalen Unterschiede: Während sich in Brandenburg jeder Zweite (51 Prozent) ehrenamtlich betätigt, sind es in Thüringen lediglich 29 Prozent der Befragten.

Deutlich sportlicher als früher

Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg, betont den Aspekt der Verantwortung: „Die Verantwortungsperspektive ist von überragender Bedeutung, wenn man das Altern verstehen möchte.“ Prof. Kruse ist sowohl Mitglied des fünfköpfigen wissenschaftlichen Beirats der Generali Altersstudie als auch Vorsitzender der Altenberichtskommission der Bundesregierung und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrates. „Die Befunde der Generali Altersstudie belegen deutlich, dass ältere Menschen mit dieser Lebensphase sowohl Möglichkeiten als auch Grenzen verbinden. Das Altern wird als Gestaltungsauftrag empfunden“, fasst Prof. Kruse zusammen. Aus seiner Sicht belegen die empirischen Befunde der Generali Altersstudie 2017 die politischen Handlungsempfehlungen der von ihm geleiteten Regierungskommission. „Es darf nicht mehr bloß darum gehen, alte Menschen zu versorgen. Vielmehr brauchen wir Strukturen, in denen Menschen zugleich Sorge empfangen und Sorge tragen können – und zwar unabhängig von ihrem Alter und körperlichen oder kognitiven Einbußen.“

„Die Ergebnisse der Generali Altersstudie weisen auf einen gemeinsamen Auftrag an Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft hin. Es wird künftig noch stärker darum gehen, Eigenverantwortung und Prävention zu stärken und zu unterstützen. Wir richten unsere Produkte und Dienstleistungen konsequent darauf aus“, erläutert Dr. Timmesfeld.

Generali in Deutschland
Die Generali in Deutschland ist mit rund 17,8 Mrd. € Beitragseinnahmen und mehr als 13,5 Millionen Kunden der zweitgrößte Erstversicherungskonzern auf dem deutschen Markt. Zum deutschen Teil der Generali gehören die Generali Versicherungen, AachenMünchener, CosmosDirekt, Central Krankenversicherung, Advocard Rechtsschutzversicherung, Deutsche Bausparkasse Badenia und Dialog.

Generali Altersstudie
Die einzigartige Generali Altersstudie liefert eine fundierte Basis, um die gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Diskussion zum Thema Altersbild und Alterspotenzial anzustoßen und zu beleben. Für die repräsentative Studie wurden mehr als 4.000 ausgewählte Personen der Altersgruppe 65 bis 85 Jahre persönlich-mündlich (face-to-face) befragt. Prof. Dr. Renate Köcher und Michael Sommer vom Institut für Demoskopie Allensbach sind die Autoren der Generali Altersstudie. Die renommierten Wissenschaftler Prof. Dr. Rolf Heinze, Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Kruse, Prof. Dr. Thomas Klein, Prof. Dr. Gerhard Naegele und Prof. Dr. med. Elisabeth Pott haben als Wissenschaftlicher Beirat bei der Konzeption des Fragebogens mitgewirkt und die Studienergebnisse in weiterführenden Kommentaren in den gesellschaftlichen Kontext eingeordnet.
Die Generali Altersstudie ist im Buchhandel erhältlich: „Generali Altersstudie 2017 – Wie ältere Menschen in Deutschland denken und leben“, Springer Verlag GmbH, ISBN 978-3-662-50394-2, 19,99 Euro.

 Internationaler Tag der älteren Menschen

Ria und Hans Hinken
Ria und Hans Hinken

Wiesbaden (ots) - Ältere Menschen ab 65 Jahren, die in einem privaten Haushalt leben, wohnen in der Regel mit einer Partnerin oder einem Partner unter einem Dach. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Internationalen Tages der älteren Menschen am 1. Oktober mitteilt, lebten im Jahr 2016 rund 62 % der Menschen ab 65 Jahren in einer Paarbeziehung. Weitere 4,5 % der Älteren wohnten mit anderen Personen, jedoch ohne Partner oder Partnerin im gemeinsamen Haushalt. Der Anteil der allein lebenden unter den älteren Menschen lag bei 33,5 %.

Damit ist in den vergangenen 20 Jahren der Anteil der Menschen ab 65 Jahren, die in einer Partnerschaft leben, deutlich gestiegen: Im Jahr 1996 hatten rund 53,6 % der Menschen ab 65 Jahren gemeinsam mit einem Partner oder Partnerin unter einem Dach gelebt. Rund 38,9 % waren alleinlebend gewesen.

Mit steigendem Alter leben ältere Menschen seltener in einer Partnerschaft. Unter den Menschen ab 80 Jahren lebten 2016 nur noch 42,9 % in einer Paarbeziehung, rund 49,8 % wohnten allein. In einer 20-Jahres-Perspektive zeigt sich aber auch im hohen Alter ein Trend zum gemeinsamen Haushalt mit Partner oder Partnerin: Im Jahr 1996 hatten lediglich 26,3 % dieser Altersgruppe in Partnerschaft gelebt und 59,8 % allein.

Lektionen des Lebens – ein Abend in Freiburg mit Henning Scherf

Henning Scherf
Henning Scherf signiert sein Buch © Ria Hinken

Herzenswärme und Menschlichkeit, das sind nicht die einzigen Eigenschaften, die Henning Scherf auszeichnen. Aber sie waren am gestrigen Mittwoch bei seinem Vortragsbesuch in Freiburg sehr präsent.

Der Titel der Veranstaltung lautete: „Mehr Leben- Warum Jung und Alt zusammengehören“. Eingeladen hatte das Mehrgenerationenhaus EBW in Freiburg.

Noch vor dem offiziellen Start, begrüßte HBuchcover enning Scherf die ankommenden Zuschauer ganz individuell und sehr persönlich. Ganz so, als würde er jeden Einzelnen bereits kennen.

Zum Auftakt der Veranstaltung stellte sich die Leitung des Hauses und des Fördervereins vor. Im weiteren Verlauf folgte die Ansprache von Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach.

Sonja Sobotta und Kuno Feierabend stellten ihr neues Angebot für mehr Gemeinsamkeit im Quartier vor.

Generationen: stark
Starke Nachbarschaft - gemeinsam stark im Quartier

heißt die neue Homepage, die an diesem Abend online ging.

www.freiburg-generationenstark.de

Das Publikum hing ihm förmlich an den Lippen ©Ria Hinken

Henning Scherf erzählte – frei von der Leber weg – eine Stunde lang über seine Erfahrungen mit älteren Menschen in den unterschiedlichsten Situationen.
Seine Zuhörer klebten ihm förmlich an den Lippen, als er mit großer Begeisterung von den Erfahrungen mit demenzkranken Menschen berichtete.
Es war wohl für viele Anwesende eine überraschende Information, dass Alzheimerkranke und Demente gerne singen. An die einst in der Kindheit und Jugend erlernten Texte können sich demente Menschen meist noch sehr gut erinnern. Eine Frau war sogar in der Lage 15 Strophen eines Liedes fehlerfrei wiederzugeben, ließ uns Henning Scherf mit sehr großer Begeisterung wissen.

Mit seinem lebendigen Erzählen ließ er sein Publikum an seinen Erlebnissen mit Demenzkranken teilhaben.

Seid offen und geht aufeinander zu, dann ist Altwerden kein Problem

Runter vom Sofa und raus zu den Mitmenschen, das war die konkrete Aufforderung an uns alle.

Podiumsdiskussion
Podiumsdiskussion Foto: ©Ria Hinken

Zum Abschluss der Veranstaltung gab es eine Podiumsdiskussion, die von Anita Rüffer moderiert wurde.
Leider war die Moderatorin zu keiner Zeit in der Lage, angemessen auf Einwände der Podiumsteilnehmer und Wortmeldungen aus dem Publikum zu reagieren.
Auf eine recht unsensible Art wollte sie ihren Ablaufplan unbedingt durchsetzen.
Henning Scherf ergriff kurzerhand das Mikro und reichte es an eine Besucherin weiter, die sich zu Wort gemeldet hatte. Der erneute Versuch, der Besucherin das Wort abzuschneiden, gelang ihr auf Druck des Publikums nicht. Anita Rüffer war somit das genaue Gegenteil von Henning Scherf.

Auch wenn viele Fragen nicht gestellt werden konnten, weil die Moderatorin die Veranstaltung kurzerhand für beendet erklärte, wird dieser Abend in sehr positiver Erinnerung bleiben.
Henning Scherf machte Mut, es ihm, den Besuchern und den Mitarbeitern der Mehrgenerationenhäuser gleich zu tun.

Weitere Vorträge und Gespräche mit Henning Scherf finden Sie hier:
https://www.herder.de/autoren/s/henning-scherf/

Henning Scherf, Dr. jur., geb. 1938, war lange Jahre Sozial-, Bildungs- und Justizsenator und von 1995 bis 2005 Bürgermeister und damit Ministerpräsident des Bundeslandes Bremen. Er ist verheiratet, hat drei Kinder, ist neunfacher Großvater und lebt in Deutschlands berühmtester Haus- und Wohngemeinschaft.

Freiburg 10. Mai 2017

Brain Bugs

Brain BugsDas Buch "Brain Bugs" von Dean Buonomano beschreibt die Denkfehler unseres Gehirns in beeindruckender Weise. Es geht der Frage nach, weshalb uns unser Gehirn derart oft betrügt. Warum wir Menschen misstrauen, die uns nicht gleichen. Und warum wir oft Entscheidungen treffen, die völlig irrational sind.

Das Gehirn ist das komplexeste und faszinierendste Organ unseres Körpers, das über eine gigantische Speicherkapazität verfügt. Oft können wir jedoch auf diesen Speicher nicht mehr zugreifen. Dann stellen wir bedauernd fest, dass wir vergesslich sind.

Doch Vergessen ist mindestens so wichtig, wie erinnern - auch wenn man das nicht gerne glauben möchte. Wir vergessen jedoch nicht nur, sondern wir erinnern uns häufig falsch. Ein Phänomen, das vor allem die Justiz kennt. Aber damit nicht genug, wir lassen uns auch durch Fragen oder Erzählungen in unseren eigenen Erinnerungen beeinflussen, ohne dies zu bemerken.

Wir können uns sehr viel schlechter Namen von Personen merken als deren Berufe. Ein Bauer (Landwirt) bleibt uns deshalb eher im Gedächtnis als ein Herr Bauer.

Auch der Umgang mit Zahlen ist unserem Gehirn eher fremd, deshalb treffen wir öfter falsche Entscheidungen, wenn es darum geht, Geldbeträge und Zeitspannen einzuschätzen. Die Abzinsung der Zeit ist unserem Gehirn gänzlich fremd.

Wenn Ihnen jemand 100 € sofort oder 120 € in einem Monat anbietet, wie entscheiden Sie sich? Immerhin sind 20 € in vier Wochen eine gigantische Verzinsung. Und dennoch entscheiden sich die meisten Menschen für die 100 €, weil sie diese sofort bekommen. Getreu dem Motto: „Was man hat, das hat man“. Logisch ist das allerdings nicht.

Fehleinschätzungen finden sich auch gehäuft im Umgang mit Wahrscheinlichkeiten. Der Neurowissenschaftler Buonomano beschreibt dies anhand eines Experiments, das mit 160 Gynäkologen in den USA durchgeführt wurde. Sie sollten die Wahrscheinlichkeit von Brustkrebserkrankungen einschätzen. Die Mehrheit, das waren immerhin 80 % der Ärzte, lag mit ihrer Einschätzung daneben. Ein ähnliches Experiment machte man mit deutschen Ärzten. Es ging um das Verständnis von Nebenwirkungen im Beipackzettel von Medikamenten. Das Chart zeigt, dass auch hier die meisten Ärzte mit ihrer Einschätzung total daneben lagen. Ärzte-Auskunft Risiken

Religionen und Werbebranche machen sich die „Brain Bugs“ zu nutze. Sie manipulieren uns geschickt mit Versprechungen, die wir nur allzu gerne glauben wollen.

Dem Glauben widmet Buonomano unter der Überschrift „Die Übernatürlichkeitsmacke“ ein ganzes Kapitel.

Warum manche Meinungen sich durch Tatsachen kaum beeinflussen lassen, wissen wir nicht, schreibt der Autor im letzten Teil. Und weiter:

„Unser hartnäckiges Festhalten an falschen oder irrationalen Überzeugungen ist nur einer von vielen Bereichen, in denen Bugs unseres Gehirns zusammenwirken und so schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.“

An aktuellen Beispielen mangelt es hier leider nicht.

„Eine spannende Tour durch die systematischen Schwächen und Fehler des menschlichen Denkens“, schrieb die New York Times. Dem kann ich mich voll und ganz anschließen.

"Brain Bugs" von Dean Buonomano

Die Denkfehler unseres Gehirns

erschienen im Huber Verlag

Übersetzt von Sebastian Vogel

317 Seiten, 10 Abbildungen, gebunden,  24,95 €,  35.50 CHF

 

„Das Alter bringt die Fähigkeit mit sich, sicher Auto
zu fahren“

DSC_3848_webAutofahren gehört für fast alle Menschen zum Alltag. Anders im Alter: Aufgrund abnehmender Sehschärfe und Reaktionszeit gelten betagte Autofahrer als Risikofaktor im Straßenverkehr. Staat und Gesellschaft ermuntern sie aktiv, das Auto stehen zu lassen und stattdessen auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall, sagte Prof. Desmond O’Neill MD, Trinity College Dublin, beim Jahreskongress (2014) der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) in Halle (Saale). In seiner englischsprachigen Keynote-Lecture „Driving and older people: a major theme for gerontologists and geriatricians“, hinterfragte er gängige Ansichten und Testverfahren, mit denen die Fahrtüchtigkeit älterer Menschen untersucht wird. Sein Plädoyer: Ältere Menschen nicht per se abzustempeln. Denn ja, Sie können Auto fahren!


Unterstützen statt entmutigen

„Personenbeförderung ist der unsichtbare Klebstoff, der unsere Leben zusammenhält – ein unterschätzter Faktor für wirtschaftliches, soziales und persönliches Wohlbefinden“,  ist Professor O’Neill überzeugt. Gerade für ältere Menschen bedeute ein eigenes Auto Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Doch statt sicherzustellen, dass sie bis in ein hohes Alter mobil bleiben können, würden Staat und Medizin alles unternehmen, um sie zur Abgabe des Führerscheins zu ermuntern. Nach Ansicht des 56 Jahre alten Iren grenze dies an „institutionalisierte Altersdiskriminierung“. „Ältere Autofahrer sind keine Risikogruppe!“, sagte der Geriater und Schlaganfall-Spezialist mit Verweis auf Unfallstatistiken in seinem vielbeachteten Vortrag im Rahmen des Altersmedizinkongresses in Halle an der Saale. „Alte Menschen gehören entgegen aller überzeugungen zu den sichersten Verkehrsteilnehmern.“


Ältere bewerten Risikosituationen besser

O’Neill nennt einen einfachen Grund hierfür: Erfahrung! Während Jüngere sich oft auf ihr Fahrgeschick verlassen würden, hätten Ältere im Laufe der Jahre gelernt, Risikosituationen richtig einzuschätzen – und sie, wenn möglich, schon im Voraus zu vermeiden. „Wenn es draußen dunkel und eisig ist, verlegen Ältere die Fahrt halt auf den Folgetag, wenn die Bedingungen besser sind“, nennt er ein Beispiel. Oder auch: „Wenn ich hinter einem Laster fahre, muss ich dann unbedingt in einer Kurve überholen?“ Seine Erkenntnis lautet daher: „Das Alter bringt die Fähigkeit mit sich, sicher Auto zu fahren.“
O’Neill wirbt aber nicht nur dafür, ältere Menschen dabei zu unterstützen, möglichst lange mobil und aktiv zu bleiben. Er fordert auch, dass die Autoindustrie mehr Rücksicht nehmen soll auf ihre speziellen Bedürfnisse. So seien herkömmliche Airbags eine nicht unerhebliche Gefahrenquelle; die Geschwindigkeit und die Kraft, mit der sie sich entfalten, seien standardmäßig ausgelegt für jüngere, 70 Kilogramm schwere Männer. „Ältere Menschen sind aber viel zerbrechlicher“, mahnt O’Neill. „Es ist ein Paradox: Es gibt weniger Unfälle, aber mehr Tote. Hier ist gerade mit Blick auf den demographischen Wandel in Punkto Fahrsicherheit noch einiges zu tun! “

Ab welchem Alter ist man fahruntüchtig? Wann sollte man den Führerschein freiwillig abgeben?

Schulterblick, Foto: DVR
Schulterblick, Foto: DVR

Auf beide Fragen gibt es keine verbindliche Antwort. Feststeht, dass gerade ältere Menschen meist sehr viel umsichtiger fahren. Sie bringen damit sich und andere weniger in Gefahr als Fahranfänger. Ein weiterer Vorteil ist, dass ältere Menschen die Möglichkeit haben, ihre Fahrten so einzuteilen, dass sie sich selbst sicher und fit genug fühlen, um verantwortungs- bewusst und aufmerksam am Straßen- verkehr teilzunehmen. Feststeht leider auch, dass ältere Fahrer aufgrund abnehmender Sehschärfe, geringerer Reaktionszeit und körperlichen Einschränkungen häufiger an Unfällen beteiligt sind als jüngere Fahrer. Es kommt vermehrt zu Unfällen innerorts im Kreuzungsbereich.
Die Folge: Unfälle mit Personenschäden.

Von den Medien werden diese Unfälle gerne zum Anlass genommen, um ein Fahrverbot für Autofahrer 70plus zu fordern. Dabei spielt es keine Rolle, dass gerade in ländlichen Gegenden viele Ältere auf das eigene Auto angewiesen sind, wenn sie nicht ganz vom sozialen Leben ausgeschlossen sein wollen.

Dr. Sebastian Poschadel ging am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund der Frage nach "Macht Übung den Meister?"

Die Studie hatte zum Ziel, die Verbesserung der Fahrkompetenz älterer Autofahrerinnen und Autofahrer durch Fahrtraining im Straßenverkehr zu erreichen.

Das Ergebnis ist überraschend:

  • Ein Fahrtraining ist eine Alternative für ältere Fahrer, bevor das Fahren ganz eingestellt wird.
  • Schon Feedback verbessert die Fahrkompetenz älterer Fahrer signifikant auf das Niveau mittelalter Fahrer.
  • Nur bei schwächeren Fahrern reicht das nicht aus. Bei ihnen verbessert erst das intensive Training die Fahrleistung auf dieses Niveau.
Wer es sich leisten kann, sollte auf ein neues Fahrzeug mit "helfender" Technik umsteigen. Doch Vorsicht! Zu viele Spielerein sind eher verwirrend, denn helfend. Es gibt sinnvolle Technik, die nicht nur älteren Fahrern Hilfestellung gibt. So können autonome Systeme mit Abstandswarnung und Bremseingriff Auffahrunfälle wirklich verhindern. Besonders für ältere Fahrer geeignet wäre ein autonomes Notbremssystem im Stadtbereich mit Fußgängererkennung bis 72 km/h und Stadtbremsfunktion zur Kollisionsvermeidung für Fußgänger und Fahrzeuge bis 50 km/h. Lichtverhältnisse spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Adaptive Lichtsysteme und Nachtsicht-Assistenten könnten hier Abhilfe schaffen.
Ältere Menschen nicht per se abstempeln. Denn ja, Sie können Auto fahren!

Zu einem ebenfalls positiven Ergebnis für ältere Autofahrer kam auch Prof. Desmond O’Neill MD, Trinity College Dublin, beim Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) in Halle (Saale). In seiner englischsprachigen Keynote-Lecture „Driving and older people: a major theme for gerontologists and geriatricians“, hinterfragte er gängige Ansichten und Testverfahren, mit denen die Fahrtüchtigkeit älterer Menschen untersucht wird.


Unterstützen statt entmutigen

„Personenbeförderung ist der unsichtbare Klebstoff, der unsere Leben zusammenhält – ein unterschätzter Faktor für wirtschaftliches, soziales und persönliches Wohlbefinden“,  ist Professor O’Neill überzeugt. Gerade für ältere Menschen bedeute ein eigenes Auto Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Doch statt sicherzustellen, dass sie bis in ein hohes Alter mobil bleiben können, würden Staat und Medizin alles unternehmen, um sie zur Abgabe des Führerscheins zu ermuntern. Nach Ansicht des 56 Jahre alten Iren grenze dies an „institutionalisierte Altersdiskriminierung“. „Ältere Autofahrer sind keine Risikogruppe!“, sagte der Geriater und Schlaganfall-Spezialist mit Verweis auf Unfallstatistiken in seinem vielbeachteten Vortrag im Rahmen des Altersmedizinkongresses in Halle an der Saale. „Alte Menschen gehören entgegen aller überzeugungen zu den sichersten Verkehrsteilnehmern.“


Ältere bewerten Risikosituationen besser

O’Neill nennt einen einfachen Grund hierfür: Erfahrung! Während Jüngere sich oft auf ihr Fahrgeschick verlassen würden, hätten Ältere im Laufe der Jahre gelernt, Risikosituationen richtig einzuschätzen – und sie, wenn möglich, schon im Voraus zu vermeiden. „Wenn es draußen dunkel und eisig ist, verlegen Ältere die Fahrt halt auf den Folgetag, wenn die Bedingungen besser sind“, nennt er ein Beispiel. Oder auch: „Wenn ich hinter einem Laster fahre, muss ich dann unbedingt in einer Kurve überholen?“ Seine Erkenntnis lautet daher: „Das Alter bringt die Fähigkeit mit sich, sicher Auto zu fahren.“
O’Neill wirbt aber nicht nur dafür, ältere Menschen dabei zu unterstützen, möglichst lange mobil und aktiv zu bleiben. Er fordert auch, dass die Autoindustrie mehr Rücksicht nehmen soll auf ihre speziellen Bedürfnisse. So seien herkömmliche Airbags eine nicht unerhebliche Gefahrenquelle; die Geschwindigkeit und die Kraft, mit der sie sich entfalten, seien standardmäßig ausgelegt für jüngere, 70 Kilogramm schwere Männer. „Ältere Menschen sind aber viel zerbrechlicher“, mahnt O’Neill. „Es ist ein Paradox: Es gibt weniger Unfälle, aber mehr Tote. Hier ist gerade mit Blick auf den demographischen Wandel in Punkto Fahrsicherheit noch einiges zu tun! “