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Wie beeinflussen sozioökonomische Faktoren das Sterberisiko von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland?

Erstmals mit großem Datensatz belegt: Einkommen, Arbeitsstatus und Bildung haben einen deutlichen Einfluss auf die Sterblichkeit in Deutschland

Wie beeinflussen sozioökonomische Faktoren das Sterberisiko von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland? Um diese Frage zu beantworten, werteten Forscher des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung einen Datensatz der Deutschen Rentenversicherung mit mehreren Millionen Versicherten aus und legen nun erstmals verlässliche Ergebnisse vor. Ihre Studie zeigt, welche Rolle gute Bildung, der Job und vor allem das Einkommen spielen - und das besonders für Männer.

„Zum ersten Mal stehen wir auf sicherer Datenbasis, wenn wir die einzelnen Faktoren und ihren Einfluss auf die Sterblichkeit in Deutschland bewerten“, sagt Pavel Grigoriev. Ähnliche Untersuchungen für Deutschland nutzten bisher wesentlich kleinere Datensätze, die aus Forschungsumfragen stammten, und daher weniger aussagekräftig waren.

Die neuen Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, einen Job zu haben: Arbeitslosigkeit verdoppelt das Sterberisiko. Noch wichtiger ist das Einkommen, vor allem für die Männer: Die Sterblichkeit des am schlechtesten verdienenden Fünftels lag um 150 Prozent über dem des am besten verdienenden Fünftels. Schlechtere Bildung erhöhte das Sterberisiko für Männer hingegen nur um etwa 30 Prozent.

Das Sterberisiko steht für die Wahrscheinlichkeit zu sterben – und zwar unabhängig vom Alter. Um die Sterberisiken vergleichbar zu machen, rechneten die Forscher den Einfluss des Alters heraus. So spielt es etwa keine Rolle, dass Arbeitslose im Durchschnitt älter sind als Menschen mit Job und schon daher häufiger sterben. Vielmehr wurde die Altersstruktur aller Bevölkerungsgruppen statistisch so angeglichen, dass alle die gleiche Zusammensetzung hatten. Sterblichkeitsunterschiede sind darum nur noch auf die verbleibenden Faktoren wie Arbeitslosigkeit oder Einkommen zurückzuführen.

Ost- oder Westdeutschland? Per se nicht entscheidend

„Einen verschwindend geringen Einfluss auf das Sterberisiko hat die Wohnregion“, sagt Pavel Grigoriev. Zwar sei das Sterberisiko im Osten etwa für die Männer um ein Viertel höher als im Westen. Rechnet man aber die Einflüsse von Arbeitslosigkeit, Bildung, Einkommen und Nationalität heraus, verschwindet der Unterschied.

Dass die Sterblichkeit der Männer im Osten höher ist, liegt also daran, dass es dort einen höheren Anteil an Arbeitslosen, an weniger Gebildeten und an Menschen mit geringerem Einkommen gibt. Denn all diese Faktoren erhöhen die Sterblichkeit. Andere in Ost und West unterschiedliche Faktoren, wie etwa die medizinische Infrastruktur, scheinen hingegen eine verschwindende Rolle zu spielen.

Wie extrem der sozioökonomische Status, vor allem Einkommen, Arbeitsstatus und Bildung, die Überlebenschancen beeinflusst, zeigt die am stärksten benachteiligte Gruppe der Männer im Osten: 14 Prozent zählen hier zur untersten Einkommens- und Bildungsschicht. Diese Gruppe hat im Vergleich zur höchsten Einkommens- und Bildungsschicht ein mehr als achtmal so hohes Sterberisiko. In Westdeutschland ist die am stärksten benachteiligte Gruppe unter den Männern mit rund elf Prozent Bevölkerungsanteil kleiner, und mit einem gut fünfmal so hohen Sterberisiko etwas weniger benachteiligt. Zumindest für die Männer sind die Sterberisiken im Osten also deutlich ungleicher verteilt als im Westen. Trotzdem beeinflussen auch im Westen Einkommen und Arbeitslosigkeit das Sterberisiko erheblich.

Bei den Frauen sind die Unterschiede vor allem beim Einkommen weniger stark ausgeprägt. Arbeitslosigkeit und Bildung wiegen gleich schwer wie bei den Männern.

Deutsche Datenschutzregeln verhindern mehr Wissen über Sterberisiken

Ihre für Deutschland einmaligen Einsichten in die sozialen Zusammenhänge von Sterberisiken gelangen den Rostocker Forschern, indem sie Rentenversicherungsdaten von 27 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auswerteten. Sie fassten anonymisierte Informationen von allen Rentenversicherten in Deutschland zusammen, die im Jahr 2013 zwischen 30 und 59 Jahre alt waren.

Im internationalen Vergleich, vor allem zu skandinavischen Ländern, sei Deutschland beim Thema Datenverfügbarkeit aber sehr schlecht aufgestellt. Vor allem Daten über Zusammenhänge zwischen Sterblichkeit und sozioökonomischen Status der Bevölkerung in Deutschland seien schwer zu bekommen, sagt MPIDR-Forscher Grigoriev. „Das liegt vor allem an der strengen Auslegung des Datenschutzes für staatliche Datensätze über die Bevölkerung in Deutschland.“

Verschiedene personenbezogene Daten zu verknüpfen ist in Deutschland nicht erlaubt. Für Forscherinnen und Forscher wären solche Datensätze aber eine wichtige Grundlage ihrer Arbeit, die mit anderen Faktoren zum Wohlergehen der Bevölkerung beiträgt.

„In Deutschland werden an verschiedenen Stellen mit viel Aufwand und Einsatz von Steuergeldern große Mengen an Daten erhoben. Nicht nur die demografische Forschung in Deutschland würde stark davon profitieren, wenn sie leichter zugänglich wären“, sagt Grigoriev.

Für ihn steht außer Frage, dass die wissenschaftliche Arbeit mit solchen Daten nur bei vollständiger Anonymisierung erlaubt sein darf, die eine Identifizierung von Einzelpersonen komplett unmöglich macht. Dies sei durch informationstechnische Vorkehrungen erreichbar, und stehe auch nicht im Widerspruch zur Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Letztlich interessiert sich die demografische Forschung nicht für die Einzeldaten bestimmter Personen. Sie nutzt sie nur als Zwischenschritt, um Ergebnisse für große Gruppen zu berechnen – wie etwa die Sterblichkeit für verschiedene Einkommensschichten.

Bis zu acht Millionen der über 70-Jährigen in Deutschland waren noch nie im Internet. Damit sie nicht „digital abgehängt“ werden, sollen ihnen nötige Kompetenzen vor allem durch Tablet- und Smartphone-Kurse vermittelt werden.

Bis zu acht Millionen der über 70-Jährigen in Deutschland waren noch nie im Internet.

Das Foto zeigt verschiedene Apps, die man auf dme Smartphone oder Tablet nutzen kann

Damit sie nicht „digital abgehängt“ werden, sollen ihnen nötige Kompetenzen vor allem durch Tablet- und Smartphone-Kurse vermittelt werden. Das reicht nicht, sagt Informatikprofessor Herbert Kubicek vom Institut für Informationsmanagement (ifib) an der Universität Bremen. Er zieht in einer Studie das Fazit, dass es mehr als Kurse braucht, um die digitale Teilhabe von Seniorinnen und Senioren zu erreichen.

Es ist sicherlich lobenswert, dass Prof. Kubicek dazu auffordert, älteren Menschen mehr als nur Smartphone- und Tabletkurse anzubieten. Allerdings muss man dabei beachten, dass es kein ausreichendes Angebot an qualifizierten - vor allem seriösen - Wissensvermittler*innen gibt, die in der Lage sind, Hausbesuche zu machen. Die wenigen, die es gibt, sind der sprichwörtliche "Tropfen auf den heißen Stein".

Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung droht den „digitalen Offlinern“ im Seniorenalter eine Reduzierung ihrer sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Teilhabe. „Das bringt das Risiko einer digitalen Spaltung der Bevölkerung mit sich – auf Kosten der Seniorinnen und Senioren“, so Informatikprofessor Herbert Kubicek. „Unsere aktuelle Studie hat ergeben, dass die momentan favorisierten Tablet- und Smartphoneschulungen nicht ausreichen werden, um die digitale Teilhabe der Älteren tatsächlich zu erreichen.“

Kubicek hatte bereits vor zwei Jahren mit Barbara Lippa in einem Projekt der Stiftung Digitale Chancen und Telefonica Deutschland rund 300 ältere Menschen interviewt. Sie hatten über über Seniorentreffs und ähnliche Einrichtungen acht Wochen einen Tablet-PC ausgeliehen und über ein wöchentliches Betreuungsangebot probiert, was es Nützliches für sie im Internet gibt. Die meisten fanden etwas: Sie intensivierten per E-Mail oder WhatsApp den Kontakt mit Kindern und Enkeln, frischten mit Suchmaschinen ihr Wissen auf oder suchten Orte aus ihrer Kindheit auf, schauten sich Filme an oder spielten auf dem Tablet.

Digitalassistenz kommt nach Hause

Doch ein Teil der älteren Offliner ist nicht in der Lage, solche Begegnungsstätten aufzusuchen. In einem Bremer Projekt im Rahmen der Initiative „Herbsthelfer – Bremer Verbund für Seniorendienste“ des Senators für Finanzen wurde daher ergänzend eine aufsuchende Digitalassistenz angeboten. Ältere Menschen, die bereits Hilfe in der Haushaltsführung über eines der Bremer Dienstleistungszentren in Anspruch nehmen, konnten für drei Monate ein Tablet ausleihen und mit Unterstützung durch Digitalassistenten zu Hause probieren, was sie damit Nützliches machen können.

Anschließend wurden 13 Teilnehmende interviewt. Bis auf eine Ausnahme wollten alle das Tablet weiter nutzen. „Aber alle zwölf Männer und Frauen zwischen 71 und 87 Jahren, die überwiegend alleine leben, haben gesagt, dass sie weiter Unterstützung benötigen. Denn sie geraten immer wieder in Situationen, in denen sie sich alleine nicht helfen können“, so Herbert Kubicek. Er schätzt, dass dies auf rund zwei Millionen älterer Offliner zutrifft, und fordert für sie eine dauerhafte aufsuchende Digitalassistenz im Rahmen der Altenhilfe.

Sozialhilfe und Pflegekassen in der Pflicht

Private Dienstleister bieten solche Hausbesuche für 30 Euro pro Stunde an. Im Rahmen der organisierten Nachbarschaftshilfe in Bremen werden nur 8,50 Euro die Stunde berechnet. Neun von zwölf Älteren können und wollen das bezahlen. Die anderen drei könnten sich dies von ihrem Einkommen aus Grundsicherung nicht leisten und über das Pflegegeld auch nicht abrechnen. Kubicek sieht unter anderem Sozialhilfe und Pflegekassen in der Pflicht: „Es kann doch nicht sein, dass man als Empfänger von Pflegeleistungen Kosten erstattet bekommt, wenn man zu einem Amt oder einem Arzt begleitet wird – aber nicht, wenn jemand nach Hause kommt und Formulare mit den Betroffenen online ausfüllt oder sie in eine Videosprechstunde einwählt, obwohl dies weniger Zeit erfordert und daher wirtschaftlicher ist.“

Der Bremer Informatikprofessor hat die Ergebnisse seiner Studie und die Schlussfolgerungen Anfang September 2019 vor der Kommission für den Achten Altersbericht der Bundesregierung präsentiert und ist dort auf großes Interesse gestoßen.

In Freiburg gibt es sogar kostenlose Angebote.

Die ARD-Themenwoche 2019 widmet sich der „Zukunft Bildung“

WESTDEUTSCHER RUNDFUNK KÖLN: "Wer gebildet ist, lebt länger" - Die ARD Themenwoche widmet sich der "Zukunft Bildung Im Kreis von wissbegierigen Kindern stellen Eckart von Hirschhausen, Volker Herres, Mai-Thi Kim Ngyuem und WDR-Intendant Tom Buhrow das Programm der ARD-Themenwoche "Zukunft Bildung" vor. © WDR/Annika Fußwinkel,
WESTDEUTSCHER RUNDFUNK KÖLN: "Wer gebildet ist, lebt länger" - Die ARD Themenwoche widmet sich der "Zukunft Bildung Im Kreis von wissbegierigen Kindern stellen Eckart von Hirschhausen, Volker Herres, Mai-Thi Kim Ngyuem und WDR-Intendant Tom Buhrow das Programm der ARD-Themenwoche "Zukunft Bildung" vor. © WDR/Annika Fußwinkel,

Wer gebildet ist, lebt länger. Von welchen Faktoren hängt das ab, und wie kann man unabhängig von Herkunft und Alter mit Bildung sein Leben verändern? Das sind Fragen, die in der ARD-Themenwoche „Zukunft Bildung“ vom 9. bis 16. November 2019 beantwortet werden. Das Erste, die Fernseh- und Radioprogramme der ARD und die Online-Angebote der Senderfamilie stellen in zahlreichen Sendungen und Beiträgen vor, wie Bildung gelingen kann und welche Chancen sie bietet. Die ARD selbst leistet dazu einen wichtigen Beitrag. In Köln wurden am Mittwoch (25.9.) ausgewählte lineare und digitale Programmhöhepunkte und Projekte der Themenwoche vorgestellt. Federführer der 14. ARD-Themenwoche ist der Westdeutsche Rundfunk (WDR).

WESTDEUTSCHER RUNDFUNK KÖLN ARD-Themenwoche "ZUKUNFT BILDUNG" ARD Themenwoche 2019 "Zukunft Bildung", vom 10.11.-16.11.2019 auf allen Fernseh- und Radioprogrammen der ARD sowie Online-Angeboten der gesamten Senderfamilie. "Zukunft Bildung" ist die Überschrift der ARD-Themenwoche 2019 unter Federführung des Westdeutschen Rundfunk. Web-Logo zur ARD-Themenwoche "Zukunft Bildung". © ARD
WESTDEUTSCHER RUNDFUNK KÖLN ARD-Themenwoche "ZUKUNFT BILDUNG" ARD Themenwoche 2019 "Zukunft Bildung", vom 10.11.-16.11.2019 auf allen Fernseh- und Radioprogrammen der ARD sowie Online-Angeboten der gesamten Senderfamilie. "Zukunft Bildung" ist die Überschrift der ARD-Themenwoche 2019 unter Federführung des Westdeutschen Rundfunk. Web-Logo zur ARD-Themenwoche "Zukunft Bildung". © ARD,

Neue Lösungen, Quereinstieg und ein Weltrekordversuch
Wer von Beruf, Einkommen, Wohnsituation und Zugang zum Gesundheitswesen benachteiligt ist, lebt bis zu zehn Jahre kürzer. Dr. Eckart von Hirschhausen, der zum Auftakt der Themenwoche durch die Samstagabendshow „Frag doch mal die Maus“ (Das Erste, 9.11., 20.15 Uhr) führt, möchte etwas dagegen tun, dass Gesundheit so eng von Bildung abhängt. Für die Dokumentation „Hirschhausen macht Schule – warum Bildung gesund macht“ (Das Erste, 11.11., 20.15 Uhr) sucht er nach neuen Lösungen. Die Journalistin Petra Boberg startet in „Ungenügend – Wie der Lehrermangel unsere Grundschüler abhängt“ (Das Erste, 11.11., 22.45 Uhr) einen Selbstversuch und unterrichtet als Quereinsteigerin an einer Grundschule. „Das schaffst Du nie! – die XXXXL Challenge“ (ARD-alpha und „Das schaffst du nie!“-Kanal bei YouTube, 12.-15.11.) will mit einem 72-Stunden-Moderationsexperiment den Rekord für die längste Live-Fernsehsendung der Welt brechen. Zwei funk-Moderatoren wollen drei volle Tage durchsenden und dabei jede Stunde ein Stückchen schlauer werden.

„Bildung gehört zur DNA der ARD“

WDR-Intendant Tom Buhrow: „Bildung gehört zur DNA der ARD. Sie spielt nicht nur im Rahmen der Themenwoche eine zentrale Rolle in unseren Programmen und Kanälen. Denn auch wir sind gefragt, mit spannenden Projekten zur Wissensvermittlung unseren Bildungsauftrag ins Digitale zu übersetzen.“

Programmier-App und Publikumsaktion #dankdir

Pünktlich zur Themenwoche startet die ARD im Netz ein neues, innovatives Bildungsangebot: Mit dem „App-Maker“ machen Erwachsene mühelos erste Schritte im Programmieren. Für Kinder gibt es bereits das Angebot „Programmieren mit der Maus“. Die neue Plattform „Schule digital“ bündelt erstmals die zahlreichen Bildungsangebote der ARD. In der Themenwoche ist auch das Publikum gefragt: Bei der Aktion #dankdir können alle „Einfach mal Danke sagen“ und ihren Wegbegleiter*innen und Förderern Wertschätzung entgegenbringen.

Austausch in Social Media

Alle Informationen zur ARD-Themenwoche „Zukunft Bildung“ werden online unter themenwoche.ARD.de gebündelt. Ab November bieten dort viele aktuelle Beiträge einen breiten Zugang zu den digitalen Angeboten der Themenwoche rund um Bildungsalltag, Diversität oder Digitalisierung. Alle Landesrundfunkanstalten der ARD rufen ihre Nutzer*innen dazu auf, sich über die sozialen Netzwerke an der Diskussion rund um das Thema Bildung zu beteiligen. Unter den Hashtags #ZukunftBildung und #ARDThemenwoche können sie sich austauschen. Zudem bietet der Twitterkanal @ARDThemenwoche Informationen rund um die ARD-Themenwoche 2019. Das Teletext-Angebot des Ersten unterstützt die Themenwoche mit einem Informationspaket ab Videotextseite 800.

GRENZLAND ist das Nachfolgeprojekt von DIE KRONE AN MEINER WAND, für das in der Spielzeit 2017/2018 bereits 25 Frauen mit und ohne Krebserfahrung am Theater Freiburg zusammen gekommen waren.

Tanz- und Theaterprojekt Männer mit und ohne Krebs

Das Projekt

"Krankheit ist die Schattenseite des Lebens, eine beschwerlichere Staatsangehörigkeit. Jeder, der geboren wurde, erhält diese doppelte Staatsbürgerschaft - die für das Königreich der Gesunden und die für das Königreich der Kranken. Obwohl wir alle lieber den guten Pass verwenden, muss jeder sich früher oder später [...] damit auseinandersetzen, Bürger der anderen Seite zu sein", schrieb die amerikanische Vordenkerin und Essayistin Susan Sonntag. Da stellt sich die Frage nach den Grenzen. Wann hört Gesundsein auf und wo beginnt das Kranksein?

GRENZLAND ist das Nachfolgeprojekt von DIE KRONE AN MEINER WAND, für das in der Spielzeit 2017/2018 bereits 25 Frauen mit und ohne Krebserfahrung am Theater Freiburg zusammen gekommen waren.

GRENZLAND ist - wie sein Vorgängerprojekt - ein Prozess. Das außergewöhnliche an GRENZLAND ist, dass sich Männer diesem Prozess geöffnet haben. Es zeigt aber auch, dass unsere Gesellschaft noch immer nicht mit Krankheit und Tod umgehen kann. Um so erstaunlicher ist es, dass die 17 Männer unterschiedlichen Alters von Anfang an bei der Sache geblieben sind. Keine Selbstverständlichkeit, denn es wurde oft und intensiv geprobt. Die Aufführung dauert eine Stunde und anschließend stellen sich die Akteure ein Teil des Leitungsteams den Fragen des Publikums. Die Vorstellungen sind seit der Premiere am 01. Juni regelmäßig ausverkauft. Im Juli 2019 gibt es noch 2 Aufführungen. Am 13.07.19 um 19 Uhr und am 14.07.19 um 16 Uhr. Nach der Sommerpause ist der 06. Oktober 19 für eine vorerst letzte Aufführung eingeplant. Karten gibt es online und an der Theaterkasse.

https://theater.freiburg.de/de_DE/spielplan/grenzland.16058691

Die alternde Gesellschaft könnte auch für Facbook zum Problem werden

Infografik: Vom Facebook zum Deadbook? | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Are the dead taking over Facebook? Dieser Frage sind Carl J. Öhman und David Watson von der Universität Oxford in einer Big Data-Analyse nachgegangen. Demnach werden bis zum Jahr 2100 mindestens 1,4 Milliarden Facebook-Nutzer versterben - sollte es beim aktuellen Wachstum bleiben könnten es sogar 4,9 Milliarden werden. Unabhängig davon, wie genau die Schätzungen sind wird die Frage des Umgangs mit den Profilen von Verstorbenen für Facebook eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Und auch die Nutzer sollten sich darüber Gedanken machen, wie sie ihr digitales Erbe regeln. Die Deutschen haben in dieser Hinsicht noch Nachholbedarf. Einer Umfrage der E-Mail-Anbieter WEB.DE und GMX zufolge haben erst acht Prozent der deutschen Internetnutzer Zugangsdaten für alle Online-Konten bei einem Vertrauten hinterlegt.

Von den Über-60-Jährigen glaubten nur 20 Prozent, dass ihnen Fake News schon einmal begegnet wären. Das zeigt die Wichtigkeit dieses Themas. Es gibt viel zu tun. Wir bleiben dran.

Wahrnehmung von Fake News hängt vom Alter ab

Gerade erst hat Facebook eine Rekordzahl an Fake Accounts gelöscht.

Infografik: Wahrnehmung von Fake News hängt vom Alter ab | Statista

Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Gezielte Manipulation und Meinungsmache durch Falschmeldungen ist ein Problem, das nicht nur in den sozialen Medien regelmäßig für Wirbel sorgt. Eine aktuelle Umfrage von PricewaterhouseCoopers (PwC) zeigt, dass jüngere Mediennutzer dabei misstrauischer sind als Ältere.

So gaben 55 Prozent der Befragten in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen an, dass sie glauben, schon einmal mit Fake News konfrontiert gewesen zu sein. Von den Über-60-Jährigen glaubte das nur jeder Fünfte (20 Prozent), wie die Statista-Grafik zeigt. Je älter die Befragten waren, desto weniger vermuteten sie, schon einmal Fake News wahrgenommen zu haben. Ein großer Teil der Befragten aus allen Altersgruppen war sich nicht sicher, ob sie schon einmal Fake News gelesen haben.

Das Ergebnis zeigt, dass bei diesem Thema noch ein großer Aufklärungsbedarf besteht.

Arbeitgeber haften vielfach gegenüber Mitarbeitern bei betrieblicher Altersversorgung * - Welche Hinweis-, Aufklärungs- und Beratungspflichten den Arbeitgebern auferlegt sind ? – Der Mitarbeiter bemerkte erst nach Auszahlung der bAV, daß auf diese noch Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung(GKV) zu bezahlen waren.

Welche Hinweis-, Aufklärungs- und Beratungspflichten den Arbeitgebern auferlegt sind ? –

Der Inhalt dieses Artikels ist keine steuerliche, rechtliche oder sachverständige Beratung.

Im konkreten Einzelfall wenden Sie sich bitte an irgendeinen Berater Ihres Vertrauens.

Das Landesarbeitsgericht (LAG Hamm, Urteil vom 06.122017, Az. 4 Sa 852/17) entschied, daß der Arbeitgeber (AG) auf Schadensersatz haftet, sofern die Beratung bei Entgeltumwandlung in der betrieblichen Altersversorgungen (bAV) fehlerhaft war. Und zwar auch dann wenn die Beratung durch ein Kreditinstitut erfolgt war. Dies gilt analog für Versicherungsvermittler aller Art, denn diese sind ebenfalls im Pflichtenkreis des Arbeitgebers tätig, mithin dessen Erfüllungsgehilfen.

Der Mitarbeiter bemerkte erst nach Auszahlung der bAV, daß auf diese noch Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung(GKV) zu bezahlen waren.

Paukenschlag auf einer bAV-Fachtagung des Handelsblattes
Der damalige Vorsitzende des Ruhegeldsenates beim Bundesarbeitsgericht (BAG) hatte bereits 2005 durch einen Fachvortrag und einen Fachaufsatz zum Thema „Hinweis-, Aufklärungs- und Beratungspflichten im Betriebsrentenrecht“ für Wirbel gesorgt. Das LAG Hamm, aber noch nicht jedes Arbeitsgericht, folgt inzwischen dieser Linie der Arbeitgeberhaftung.
Das LAG München (Urteil vom 15.03.2007, Az. 4 Sa 1152/07) verurteilte einen Arbeitgeber zur Lohnnachzahlung, weil die Entgeltumwandlung mit gezillmerten Tarifen (also solchen, welche die Abschlußkosten in den ersten bis zu weniger als 10 Jahren verteilt erheben) nicht zur gesetzlich verlangten Wertgleichheit mit dem umgewandelten Entgelt führt.

Potentiell bis zu mehr als 20 Millionen bAV-Verträge betroffen
Selbstverständlich ist nicht nur über die GKV-Beitragspflicht zu informieren (sowie die Beiträge zur Pflegeversicherung) sondern auch darüber, daß der Arbeitnehmer (AN) diese dann als Rentner ganz allein bezahlt, also nicht nur wie bis 2003 geregelt den „halben“ Beitrag. Fachanwälte und Interessenvereine haben massenhaft gegen den „vollen GKV-Beitrag auf Betriebsrenten seit 2004“ u.a. geklagt – bis zum Verfassungsgericht: Stets erfolglos weil der Falsche verklagt wurde !

Die Arbeitgeberhaftung erscheint erfolgversprechender. Noch krasser ist das wirtschaftliche Ergebnis, wenn wegen Erreichen der Beitragsbemessungsgrenze ohnehin (fast oder) gar kein Beitrag zur GKV angefallen wäre, wenn man auf die Entgeltumwandlung richtig informiert ganz verzichtet hätte.

Wie die „Betreuung“ der bAV für Agenten und Makler zum Verhängnis wird?
Gesichert ist, daß kein Arbeitgeber seine (neuen) Mitarbeiter über die bAV ungefragt aufzuklären hat, § 1a BetrAVG. Erst wenn die Entscheidung des Mitarbeiters für insbesondere eine Entgeltumwandlung gefallen ist, beginnen begrenzte Aufklärungs- und Beratungspflichten. Wer als Arbeitgeber dies einem Versicherungsvermittler oder Bankberater überläßt ist besser beraten, wenn er den Beratungsinhalt prüfen läßt und auch zur Personalakte nimmt.

Die Betreuung durch Vermittler und Berater, aber auch Rückfragen von Arbeitnehmern bei solchen Betreuern, bedeuten eine weiterlaufende Haftung, also ein Verhindern des Ablaufes der Verjährung: Denn es kann sicher auch bei vorher abgeschlossenen Verträgen die korrekte Beratung nachgeholt werden, damit die bAV-Verträge ggf. noch beitragsfrei gestellt werden könnten.

Vermittlerhaftung und Beraterhaftung verjähren 10 Jahre nach dem jeweiligen Pflichtverstoß
Der Bundesgerichtshof geht davon aus, daß jede Beratungspflicht-verletzung separat zu betrachten ist, auch bei der Verjährung. Beim Unterlassen zählt der letztmögliche Zeitpunkt korrekter Information bzw. Beratung. Hier würde dann auch ein Vermittler dem AG haften, für Falschberatung, entweder bei Erstberatung, oder bei versprochener Betreuung auch später – etwa bei einer auch bereits geplanten Gesetzesänderung (im Fall des LAG Hamm: Volle GKV-Beitragspflicht seit 01.01.2004).

Indes: Er könnte den AG ja korrekt beraten haben, aber dann nur in den Gesprächen mit den Arbeitnehmern (AN) dann falsch informiert haben, oder später im Rahmen der Betreuung, ohne dass es Gespräche mit den AN dann noch gab Unter Umständen hat der Vermittler bzw. Berater dem AG sogar eine Dokumentation gegeben, die korrekt war - dem AN gegenüber aber nichts dokumentiert, weil dieser ja kein Versicherungsnehmer (VN) wird. Dies wäre nicht gesetzwidrig, so dass die Frage ist, wie es dann mit der Beweislast aussieht. Er ist ggf. gegenüber dem AN ja nur Gehilfe des AG bei der Erfüllung arbeitsvertraglicher Pflichten. Wie man sich als AG schützen kann, erfährt der Arbeitgeber vielleicht erst nach einem verlorenen Prozeß vor dem Arbeitsgericht ?

Weitergehende Informations-, Aufklärungs- und Beratungspflichten des Arbeitgebers
Die Vermittlerhaftung verjährt 10 Jahre nach der Falschberatung (entsprechend bei Betreuung). Diese Frist wird oft abgelaufen sein, wenn der Betriebsrentner seine bAV-Auszahlung erhält. Daher könnte Feststellungsklage durch den Arbeitgeber geboten sein.

Nicht zu vergessen wären die Verminderungen der Ansprüche auf gesetzliche Renten, sowie Kranken- und Arbeitslosengeld, wohl auch Unfallrenten – durch Entgeltumwandlung. Bei der Wirtschaftlichkeit stellt sich immer wieder auch die Frage, ob gesetzliche Rente nicht rentabler ist?

Verteidigungsoptionen für Arbeitgeber, Berater und Vermittler ?
Vermittler wie auch der AG könnten sich gegenüber dem AN wehren, indem sie nachweisen, dass gar kein Schaden entstanden ist, und daher kein Feststellungsinteresse besteht.
Dass mehr als 10 Jahre nach der Gesetzesänderung und breiter Information in den Medien darüber immer noch die meisten AN nichts davon wissen, ist eine Tatsache Sie könnten bei nachträglicher Information die Verträge beitragsfrei stellen und sollten darauf hingewiesen werden. Wenn sie dann dennoch weiter zahlen, haftet dafür nicht mehr der AG. Zudem könnte dies als Nachweis dienen, dass die Mitarbeiter bei korrekter früherer Information ebenfalls die Entgeltumwandlung vorgenommen bzw. weiter gezahlt hätten, so dass ein eventueller Schaden nicht kausal auf die Falschberatung zurückzuführen ist. Frei nach dem Motto: Er wollte zur Risikostreuung auch Geld verbrennen.
Dies wäre dann ein Ansatz, strategisch die eigene Haftung zu reduzieren.

Der Verjährung vorbeugend bietet sich die Feststellungsklage an, von Arbeitnehmern gegenüber (oft ehemaligen) Arbeitgebern, sowie von Arbeitgebern gegenüber Vermittlern, Beratern, Banken, sowie Versicherern (VR).

Erster Schritt: Vermittler, Berater, Banken und Versicherer zum Anerkenntnis auffordern
Vorher aber sollten Arbeitgeber ihre bAV-Bank bzw. ihren bAV-VR bzw. Vermittler auffordern, die eigene Haftung bei Klagen von AN anzuerkennen, vielleicht unter der Voraussetzung, dass sie bei deren Abwehr mitwirken. So hatten sich mit potentieller Haftung für insgesamt mehrere Milliarden Euro branchenweit auch die VR wegen der Haftung des AG bei fehlender Wertgleichheit infolge Zillmerung gegenüber AG verpflichtet, weil AG dann für die Auffüllung auf einen wertgleichen Betrag der Leistungsansprüche zum umgewandelten Entgelt haften.

Fristgebundener Handlungsbedarf für alle Seiten
Ein vielfältiger gegenläufiger dringender "fristgebundener" Handlungsbedarf liegt nahe, für AN gegenüber AG, Vermittler gegen AG und AG gegen alle, und zwar möglichst vor dem anderen und vor "Fristablauf". Auf die ursprünglichen Berater darf man nicht zählen, weil diese häufig mit Verjährung ihrer Haftung rechnen, durch schlichtes Nichtstun, bis dereinst der AN bei Rentenbeginn oder Fälligkeit der Direktversicherung sich wegen Geringleistung beim AG meldet.

Widerruf von bAV-Verträgen
Wenn Arbeitgeber oder Arbeitnehmer einmal vergleichen, welche Gelder einbezahlt wurden, und was davon aktuell nach Abzug von Abschlußkosten sowie laufenden Verwaltungskosten noch übrig ist (z.B. als Rückkaufswert oder Ablaufleistung), dann stellen Sie oft größere Abweichung von den bei Vermittlung vorgelegten „Musterberechnungen zur Illustration“ fest – regelmäßig also Vermögensverluste. Davon gehen noch Steuerabzüge und Kranken-/Pflegeversicherungsbeiträge ab, was das unerwartet geringe Ergebnis nochmal um die Hälfte vermindern kann.

Auch viele bAV-Verträge in der Lebensversicherung lassen sich indes oft wegen fehlerhafter Widerrufsbelehrung widerrufen und rückabwickeln, eine Ewigkeit lang. Zahlreiche Arbeitnehmer sind selbst zum Widerruf berechtigt, wenn sie selbst Versicherungsnehmer geworden sind.

Auch für Arbeitgeber - vom Einzelunternehmen bis hin zur GmbH&Co.KG - bietet sich für Versicherungsverträge ab 1995 der Widerruf an – mit der Aussicht nach sachverständiger versicherungsmathematischer Begutachtung bis zu mehr als das Doppelte des Rückkaufswertes zu bekommen. Eine Option für einen wirtschaftlichen Exit als Arbeitgeber aus der bAV-Haftung.
So wird aus einer Niederlage die Chance auf einen noch höheren Gewinn für Arbeitgeber, der auch für den AN noch rechtzeitig ein größeres Risiko beseitigt.

Denn sollte der Arbeitgeber insolvent werden, wird der Insolvenzverwalter Direktversicherungen und Entgeltumwandlungen gegenüber dem VR möglichst widerrufen, was den Lebensversicherungsvertrag vernichtet und deren Wert der Insolvenzmasse zuführt. Damit gehen dann auch alle Begünstigungen und Verpfändungen an AN ins Leere - AN verlieren dadurch ihre betriebliche Altersversorgung – weil ganz ohne Ansprüche an den Pensionssicherungsverein - komplett oder können eventuelle Forderungen aus der bAV-Zusage zur Insolvenzquote mit meist einstelligen Prozentsätzen anmelden.

*von Dr. Johannes Fiala, PhD, RA, RB, MBA Finanzdienstleistungen (Univ.), MM (Univ.), Geprüfter Finanz- und Anlageberater (A.F.A.), Bankkaufmann (www.fiala.de)
und
Dipl.-Math. Peter A. Schramm, Sachverständiger für Versicherungsmathematik (Diethardt), Aktuar DAV, öffentlich bestellt und vereidigt von der IHK Frankfurt am Main für Versicherungsmathematik in der privaten Krankenversicherung (www.pkv-gutachter.de).

Wer überprüft barrierefreies Bauen bei den städtischen Wohnungsbaugesellschaften?

Wer überprüft  barrierefreies Bauen in Pflegeheimen?

Diese Pressemitteilung erreichte uns heute am 27. März 2019. Verantwortlich für den Inhalt ist: Lebensraum für Alle e.V., Längenloh 11, 79108 Freiburg www.lebensraum-fuer-alle.org

Gernot Wolfgang, Vorsitzender des Vereins „Lebensraum für Alle“, berät seit vielen Jahren ehrenamtlich Menschen, die aus Alters- oder Krankheitsgründen umbauen müssen. Da viele ältere Menschen in Altbauten leben, müssen Umbauten zunächst mit dem Vermieter bzw. mit der Eigentümergemeinschaft  abgeklärt werden. Aber selbst wenn alle zustimmen, gibt es oft Situationen, in denen er nur noch zu einem Umzug in ein Pflegeheim raten kann.

So traurig sollten barrierefreie Wohnungen nicht aussehen.

Leider musste er nicht nur in alten sondern in neuerbauten Pflegeheimen die Erfahrung machen, dass die Wohnbereiche für Rollstuhl- oder Rollatornutzer/innen und auch für viele andere Alterskrankheiten nicht geeignet sind. Sie erfüllen in diesem Bereich nicht die gesetzlichen Vorgaben der DIN. Zwar wird in den Werbebroschüren der Pflegeheime immer von Hilfe zum selbstbestimmten Leben der Bewohner/innen geschrieben, aber tatsächlich sind die räumlichen Verhältnisse so, dass für jeden Toilettengang Hilfe notwendig ist. Pflegebedürftige im Rollstuhl, die sich zuhause bislang selbst auf die Toilette umsetzen konnten, können das wegen der beengten Verhältnisse in den Bädern mancher Heime nun nicht mehr. Das ist nicht nur ein Stück verlorener Würde und Selbstbestimmung sondern auch die Pflegekräfte werden durch die räumliche Enge in ihrer schweren Arbeit behindert.

Gernot Wolfgang fragte bei der Heimaufsicht und beim Baurechtsamt, warum solche Heime genehmigt werden. In beiden Ämtern sah man keine Möglichkeit so etwas zu verhindern. Man argumentierte mit Vorgaben, die weder das Wirtschaftsministerium noch die Verbraucherzentrale für Pflegeheime akzeptieren wollen.

Das ist schon deshalb nicht nur verwunderlich und empörend, weil es neben der Landesbauordnung reichlich Broschüren auf dem Markt gibt, die das barrierefreie Bauen in allen Einzelheiten und selbst für Laien verständlich in Checklisten beschreiben.

Wer überprüft barrierefreies Bauen bei den städtischen Wohnungsbaugesellschaften?

Nun ist es bekanntlich der Wunsch der meisten Menschen, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben. Dazu müssten allerdings die Wohnungen barrierefrei sein. Aber immer wieder wird Gernot Wolfgang bei Beratungsgesprächen Zeuge, dass sogar in jüngster Zeit gebaute Wohnhäuser nicht die gesetzlichen Vorgaben erfüllen. Selbst private Bauherren unterliegen den Vorschriften der LBO (§ 35 Wohnungen), dass in Wohngebäuden mit mehr als  zwei Wohnungen, die Wohnungen eines Geschosses barrierefrei erreichbar und die Wohn- und Schlafräume, eine Toilette, ein Bad und die Küche barrierefrei nutzbar und mit dem Rollstuhl zugänglich sein müssen.

Warum bauen dann städtische Wohnungsbaugesellschaften nicht grundsätzlich barrierefrei oder zumindest nach gesetzlichen Vorgaben? Nur so können Menschen bis ins hohe Alter zuhause wohnen bleiben, entlasten den Staat vom Bau teurer Pflegeheime und mindern den Bedarf an Pflegekräften. Die stationäre Pflege hat einen Anteil von 27 Prozent aller zu Pflegenden. Sie ist seit Jahren die teuerste Variante und gilt auf Dauer nicht finanzierbar. Durch den Demografischen Wandel – also bei einem zunehmenden Anteil von Pflegebedürftigen – müssen die Kommunen einen immer größer werdenden Anteil der Kosten tragen.

Intention der Investoren und Bauträger ist es, den Pflegeheim-Markt wegen der hohen Renditen abzuschöpfen. Bundesgesundheitsminister Spahn monierte bereits die zweistelligen Renditen in diesem Bereich. Beteiligt am Bau von Pflegeheimen sind Investoren, Bauträger, Architekten und Träger von Heimen. Kontrolliert werden sollten sie von Baurechtsamt und der Heimaufsicht. Alle genannten Institutionen werden ihrer Aufgabe aus Sicht von „Lebensraum für Alle e.V:“ nicht gerecht. Auch beim städtischen Wohnbau gibt es keinerlei Prüfinstanzen, die die Baupläne – spätestens jedoch die Ergebnisse kontrollieren.

„Lebensraum für Alle e.V“ macht sich zusammen mit seinen Partnern dafür stark, ein selbstbestimmtes Leben für ALLE einzufordern. Das ist auch das Ziel der Wohnraumberaterschulungen des Vereins. Als Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung (BAG) e.V. steht der Verein zu deren Forderungen, grundsätzlich barrierefrei zu bauen bzw. eine vernünftige Lösung bieten zu können, wenn die Pflege zuhause nicht mehr geleistet werden kann. Was aber sollen Wohnraumberater/innen Betroffenen aufgrund der beschriebenen Situation raten?

Deutscher Sozialstaat braucht mehr als höhere Geburten- und Zuwanderungszahlen

Geburten und Zuwanderung gelten als wesentliche Stellschrauben, um der demografischen Alterung entgegenzuwirken. Die Studie zeigt jedoch, dass selbst deutlich höhere Zuwanderungs- und Geburtenzahlen die bevorstehenden Herausforderungen für die sozialen Sicherungssysteme allein kaum beeinflussen können. Nur mit einem Maßnahmen-Mix lassen sich negative Effekte abfedern.

Anmerkung: Wir können leider die in der Studie angegebenen Berechnungen nicht überprüfen. Hoffen aber, dass sie korrekt sind. Leider muss man heutzutage derartige Zweifel haben. Das hat nicht zuletzt die Berechnung eines Lungenarztes im Dieselskandal gezeigt. Der Arzt hatte sich um den Faktor 1000 verrechnet. 

Klicken Sie auf den rechten Button in der Grafik, dann können Sie die Entwicklung in den folgenden Jahren anschauen.

"Wenn wir aus so stark steigenden Sozialbeiträgen keine Konsequenzen ziehen, droht ein massiver Verteilungskonflikt zwischen Jung und Alt."

Martina Lizarazo López, Demografie-Expertin der Bertelsmann Stiftung

In den nächsten 20 Jahren wird die Bevölkerung in Deutschland stark altern. Unabhängig davon, ob die demografischen Trends der letzten 40 Jahre anhalten oder sich Geburten- und Zuwanderungszahlen deutlich erhöhen, steigen die Ausgaben der sozialen Sicherung dadurch bis 2045 von derzeit 890 Milliarden Euro auf etwa 1,6 Billionen Euro (in Preisen von 2017). Auch danach ist keine Entspannung in Sicht. Um das zu finanzieren, würden nach derzeitigem Rechtsstand die jüngeren Generationen immer stärker belastet: Für die im Jahr 2010 Geborenen steigen die durchschnittlichen Beitragssätze auf über 50 Prozent der beitragspflichtigen Einkommen. Das sind die Ergebnisse einer Studie, die Martin Werding und Benjamin Läpple von der Universität Bochum in unserem Auftrag erstellt haben. Ziel der Studie ist es, anhand zahlreicher Langfrist-Simulationen zu untersuchen, ob mehr Geburten und Zuwanderung den seit langem absehbaren demografischen Alterungsprozess in Deutschland überhaupt noch deutlich abmildern oder sogar aufhalten können, und welche Effekte ein Maßnahmen-Mix wann entfalten könnte.

Zuwanderung und Geburten halten die Alterung kaum auf

Während aktuell auf 100 Personen zwischen 15 und 64 Jahren etwa 33 Personen  über 65 Jahre kommen, werden es 2035 etwa 50 Ältere sein. Selbst wenn die durchschnittliche Kinderzahl je Frau ab dem nächsten Jahr auf 2,0 steigen und sich bis 2040 weiter auf 2,2 erhöhen würde, hätte das auf den starken Alterungsprozess bis 2035 keinen Einfluss. Denn mehr Geburten wirken erst dann positiv auf die demografische Alterslast, wenn die zusätzlich geborenen Kinder ihr 15. Lebensjahr vollenden und erwerbsfähig sind. 

Durch steigende Zuwanderungszahlen wiederum lässt sich der Alterungsprozess zwar zunächst abdämpfen. Langfristig altern jedoch auch die Zuwanderer oder wandern wieder ab. Bleiben die Wanderungssalden nicht dauerhaft hoch, verschärft sich der Alterungsprozess langfristig sogar noch.

Jüngere Generationen werden immer stärker belastet

Besorgniserregend ist den Autoren zufolge, dass selbst unter der weniger realistischen Variante mit hoher Geburtenrate und hoher Immigration die Ausgaben in der sozialen Sicherung substanziell steigen werden. Sie klettern bis 2045 von insgesamt gut 27 Prozent des BIP im Jahr 2017 (rund 890 Milliarden Euro) auf rund 33 Prozent (rund 1,6 Billionen Euro), mit anschließend weiter steigender Tendenz. Auch daran ändern mehr Geburten kaum etwas. Grund hierfür ist, dass sie unmittelbar die Ausgaben für Bildung und Familie erhöhen, während sie die Belastung durch Ausgaben für ältere Personen erst längerfristig dämpfen.

Unter diesen Bedingungen müsste ein im Jahr 2010 geborener Durchschnittsverdiener im Vergleich zu einem 1970 Geborenen mit identischem Brutto-Lebenseinkommen im Verlauf seines Erwerbslebens insgesamt etwa 171.000 Euro mehr Sozialbeiträge zahlen, um die gleichen Leistungen zu beziehen. Die gesamten Sozialbeiträge eines Erwerbslebens würden damit von durchschnittlich rund 570.000 Euro (Jahrgang 1970) auf 741.000 Euro (Jahrgang 2010) steigen.

Nicht Einzelmaßnahmen, sondern zeitlich abgestimmter Maßnahmen-Mix nötig

Die projizierten Folgen sind jedoch nicht vollkommen unausweichlich. Unsere Szenarien zeigen: Wenn ein moderater Anstieg von Geburten und Zuwanderung mit einem höheren Beschäftigungsniveau kombiniert wird, lassen sich sowohl kurz- als auch langfristig positive Effekte für die Sozialfinanzen erzielen. "Mögliche Instrumente sind eine schnellere Erwerbsintegration von Zuwanderern, ein Anstieg der Erwerbstätigkeit und des Arbeitsvolumens bei Frauen und Migranten sowie eine Erhöhung der Regelaltersgrenze, die sich an der steigenden Lebenserwartung orientiert", so Martina Lizarazo López. Gefordert seien deshalb unterschiedliche Politikfelder wie etwa Bildungs-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Auch wenn Änderungen des Erwerbsverhaltens teilweise den Charakter einer reinen Lastverschiebung haben, weil höhere Ansprüche erworben werden und dadurch künftig die Rentenausgaben steigen, überwiegen den Autoren zufolge aber bei weitem die günstigen Effekte: Der Anstieg der Sozialausgaben kann dadurch bis 2045 um drei Prozentpunkte, bis 2060 sogar um fast 5 Prozentpunkte gesenkt werden. Die Effekte für die Beitragssätze sind sogar noch etwas stärker.

Ein Vergleich der durchschnittlichen Sozialbeiträge während des Erwerbslebens der Jahrgänge 1970 und 2010.

Anmerkung: Eine mögliche Finanzierung könnte durch Steuereinnahmen erfolgen. Hierzu müsste die Bundesregierung schon heute sowohl die Erbschaftssteuer als auch die Besteuerung von Internetkonzernen ändern. Auch eine Änderung der Null-Zins-Politik von EZB-Chef Draghi würde wieder Milliarden Euros in die Rentenkasse spülen. Bedauerlich, dass bisher eine Diskussion über derartige Maßnahmen keinen Eingang in die Debatte gefunden hat. Es wird meist nur von der Nichtfinanzierbarkeit mit einem Anheben des Renteneintrittsalters gesprochen. Das gilt übrigens auch für das Gesundheitswesen. Ein Umdenken ist dringend geboten!

Die Ärztezeitung schreibt dazu: http://bit.ly/2UCQ8gV

Hier können Sie die Studie downloaden: http://bit.ly/2Cma5S1

In Kooperation mit dem Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen untersuchen Öko-Institut und ISOE, ob und wie der vorhandene Wohnraum bedarfsgerecht genutzt werden kann. Eine Möglichkeit: Eigentümerinnen und Eigentümer ziehen in eine kleinere, altersgerechte Wohnung und verkaufen ihr Haus.

Tausche sanierungsbedürftiges Haus gegen altersgerechte Wohnung

Die Wohnbedürfnisse eines Menschen verändern sich im Laufe seines Lebens. Vom WG-Zimmer über die Single-Wohnung hin zur familientauglichen Wohnung oder zum Einfamilienhaus. Im Alter verändert sich der Bedarf noch einmal, etwa für Familien: Sind die Kinder ausgezogen, empfinden viele Menschen ihr Haus als zu groß und nicht altersgerecht; zudem ist es oft sanierungsbedürftig. Gleichzeitig suchen viele Menschen nach passendem Wohnraum. Ein Dilemma, für das Öko-Institut und ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt „LebensRäume“ Lösungen entwickeln.

Zu verkaufen! Aufgenommen in Holland © Ria Hinken

Eine Herausforderung für viele ländliche Kommmunen: Weil die Nachfrage nach Wohnraum steigt, werden oft neue Bauflächen ausgewiesen. Dabei wäre noch viel Platz im Bestand. Doch die vorhandenen Häuser sind oft aus den 1960er/1970er Jahren, nicht energieeffizient, sanierungsbedürftig und zudem schon bewohnt – häufig von älteren Eigentümerinnen und Eigentümern, die sich Gedanken darüber machen, wie sie ihr Haus als Paar oder Single nach dem Auszug der Kinder nutzen wollen.

In Kooperation mit dem Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen untersuchen Öko-Institut und ISOE, ob und wie der vorhandene Wohnraum bedarfsgerecht genutzt werden kann. Eine Möglichkeit: Eigentümerinnen und Eigentümer ziehen in eine kleinere, altersgerechte Wohnung und verkaufen ihr Haus. Oder aber: Sie vermieten nicht genutzte Teile des Hauses. Das ISOE hat in sechs Modellkommunen ältere Hausbesitzerinnen und -besitzer zu ihrer Wohnsituation und ihren Einstellungen gegenüber diesen Möglichkeiten befragt.

Hoher Leerstand in Modellkommunen: Potenzial an ungenutzem Wohnraum

In Emsdetten, Ibbenbüren, Lengerich, Mettingen, Saerbeck und Wettringen gibt es einen erheblichen Anteil an kleinen Haushalten, die großzügig mit Wohnfläche versorgt sind. „Legt man als Grenze eine Wohnfläche von 80 Quadratmeter für einen Ein-Personen-Haushalt bzw. 120 Quadratmeter für einen Zwei-Personen-Haushalt fest, so fallen 20 bis 25 Prozent der Haushalte in diese Gruppe“, sagt Immanuel Stieß vom ISOE. „Für uns ist aber vor allem der hohe Anteil unvermieteten Leerstands interessant.“ Knapp über die Hälfte der Befragten im Kreis Steinfurt im Alter ab 55 Jahren gab an, über ungenutzte Räume in ihrem Haus zu verfügen. Nicht selten sind das zwei oder mehr vom eigenen Wohnraum abgetrennte Räume oder eine ganze Einliegerwohnung.

Die Zahl solcher nicht vermieteter Wohnungen beläuft sich auf schätzungsweise 5.000 im gesamten Kreisgebiet. „Viele Eigentümerinnen und Eigentümer schließen eine Vermietung allerdings aus“, berichtet Stieß. Als Gründe werden die Belastung durch Planung und Finanzierung des Umbaus genannt, aber auch die Sorge, die gewohnte Eigenständigkeit zu verlieren oder möglicher Ärger mit Mieterinnen oder Mietern.

Großer Beratungsbedarf in Kommunen

Die Umfrage zeigte auch, dass Dreiviertel der Hauseigentümerinnen und -eigentümer sich grundsätzlich einen Umzug in eine altersgerechte Wohnung oder in ein kleineres Haus vorstellen können. „Aber nur 14 Prozent der Befragten haben vor, in den nächsten fünf Jahren etwas an ihrer Wohnsituation zu verändern“, sagt Projektleiterin Corinna Fischer vom Öko-Institut. „Der Weg von einer grundsätzlichen Bereitschaft zu einem konkreten Plan ist weit.“ Das Expertenteam erpropt deshalb mit dem Kreis Steinfurt und ausgewählten Kommunen in bis zu 300 Haushalten eine persönliche Beratung sowie Workshops zum Thema „Wohnen im Alter“.

„Wir wollen Hauseigentümerinnen und -eigentümer über verschiedene Möglichkeiten informieren und bei der Meinungsbildung unterstützen“, so Fischer. In einem nächsten Schritt werden Kreise und Kommunen praktische Unterstützungsangebote aufbauen. Von Beratung zur Finanzierung eines Umbaus oder zu Vermieterrechten bis hin zu innovativen Wohnkonzepten für ältere Menschen ist vieles denkbar. Die Diskussion in den Kommunen hat jedenfalls begonnen.

Das Projekt “LebensRäume“

Das Forschungsprojekt „LebensRäume – Instrumente zur bedürfnisorientierten Wohnraumnutzung in Kommunen“ wird innerhalb der Fördermaßnahme „Kommunen innovativ“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. An dem Projekt unter der Leitung des Öko-Institut sind das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, der Kreis Steinfurt mit dem Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit und dem energieland 2050 e.V. beteiligt sowie das ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg.
Weitere Informationen unter: https://kommunen-innovativ.de/lebensraeume

Öko-Institut e.V.
Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main
Das ISOE gehört zu den führenden unabhängigen Instituten der Nachhaltigkeitsforschung. Seit 30 Jahren entwickelt das Institut wissenschaftliche Grundlagen und zukunftsfähige Konzepte für Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft – regional, national und international. Zu den Forschungsthemen gehören Wasser, Energie, Klimaschutz, Mobilität, Urbane Räume, Biodiversität und sozial-ökologische Systeme.