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foodwatch und FragDenStaat starten Plattform gegen Geheimniskrämerei bei Lebensmittelbehörden - auf "Topf Secret" können Verbraucher Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, Bäckereien & Co. abfragen

- Auf der Online-Plattform "Topf Secret" können deutschlandweit Kontrollergebnisse von Lebensmittelbetrieben abgefragt werden
- Bislang halten die Behörden die allermeisten Ergebnisse geheim
- foodwatch und FragDenStaat fordern die konsequente Veröffentlichung aller Kontrollergebnisse wie in Dänemark oder Wales

Ekelerregendes Spülbecken
Dieses Foto wurde in einem Büro nicht in einem REstaurant aufgenommen.

Berlin, 14. Januar 2019. Die Verbraucherorganisation foodwatch und die Transparenz-Initiative FragDenStaat gehen gegen Geheimniskrämerei in Lebensmittelbehörden vor: Die beiden Organisationen haben heute die Online-Plattform "Topf Secret" gestartet, auf der Verbraucherinnen und Verbraucher die Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben mit wenigen Klicks abfragen und veröffentlichen können. Bisher machen die Kontrollbehörden in Deutschland nur in Ausnahmefällen öffentlich, wie es um die Sauberkeit in den Betrieben bestellt ist. Seit Jahren wird jeder vierte kontrollierte Betrieb beanstandet, größtenteils wegen Hygienemängeln. foodwatch und FragDenStaat wollen mit der Mitmach-Plattform Druck aufbauen, damit Behörden in Zukunft ausnahmslos alle Kontrollergebnisse veröffentlichen müssen. Erst das schaffe den nötigen Anreiz für Lebensmittelbetriebe, sich jeden Tag an alle lebensmittelrechtlichen Vorgaben zu halten. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner müsse die gesetzliche Grundlage für ein Transparenzsystem wie in Dänemark, Wales oder Norwegen schaffen. Dort werden alle Ergebnisse der amtlichen Lebensmittelüberwachung veröffentlicht, im Internet und direkt an der Ladentür. 

"Die allermeisten Lebensmittelbetriebe in Deutschland arbeiten sauber. Doch etwa jeder vierte Betrieb wird bei den Kontrollen beanstandet", erklärte Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch. "Kakerlaken in der Backstube, Schimmel im Lieblingsrestaurant, ekelerregende Zustände in der Wurstfabrik - die zuständigen Behörden wissen genau, in welchem Unternehmen geschlampt wird. Die Verbraucherinnen und Verbraucher erfahren das in der Regel nicht, nur Ausnahmefälle müssen veröffentlicht werden. Mit dieser Geheimniskrämerei schützt die Bundesregierung die Schmuddelbetriebe auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher und der vielen sauber arbeitenden Unternehmen."

Unter www.topf-secret.foodwatch.de können Verbraucherinnen und Verbraucher bei den zuständigen Behörden einen Antrag auf Veröffentlichung der Ergebnisse amtlicher Hygiene-Kontrollen stellen. Die gesetzliche Grundlage ist das Verbraucherinformationsgesetz (VIG). Nutzerinnen und Nutzer können einen beliebigen Betrieb - von Restaurants über Bäckereien bis hin zu Tankstellen - über eine Suchfunktion oder per Klick auf einer Straßenkarte aussuchen. Nutzerinnen und Nutzer brauchen lediglich Name, E-Mail- und Postadresse eingeben, die gemeinsam mit einem vorbereiteten Text an die zuständige Behörde übermittelt werden. Die Antragstellung ist innerhalb von einer Minute fertig. Verbraucherinnen und Verbraucher erhalten die Ergebnisse allerdings erst nach mehreren Wochen. Es kann auch passieren, dass sich Behörden quer stellen. 

"Bund und Länder haben es jahrelang verschlafen, für Transparenz in der Lebensmittelüberwachung zu sorgen. Das wollen wir mit 'Topf Secret' ändern! Je mehr Menschen mitmachen und Anträge stellen, desto mehr Infos kommen ans Licht - und desto größer ist der Druck auf die Bundesregierung, endlich eine gesetzliche Grundlage zu schaffen, die Transparenz zur Regel macht und nicht zur Ausnahme", sagte Arne Semsrott, Projektleiter von FragDenStaat. "So oder so gilt: 'Topf Secret' kann nur eine Zwischenlösung sein. Wenn die Bundesregierung in Zukunft die Veröffentlichung aller Kontrollergebnisse vorschreibt, schalten wir unsere Plattform gerne wieder ab."

Das Bundesverfassungsgericht hat in einer Entscheidung vom vergangenen Jahr ausdrücklich die Rechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern auf Informationen über lebensmittelrechtliche Verstöße, also zum Beispiel Missstände bei der Hygiene, anerkannt. Union und SPD haben sich zwar in ihrem neuen Koalitionsvertrag auch darauf verständigt, "eine übersichtliche und eindeutige Verbraucherinformation zu Hygiene und Lebensmittelsicherheit" zu gewährleisten. Allerdings sollen Betriebe ihre Kontrollergebnisse nur "auf freiwilliger Basis" veröffentlichen. foodwatch und FragDenStaat kritisierten, dass ein freiwilliges System erfahrungsgemäß nicht funktioniere - wie das Beispiel Niedersachsen zeige: In zwei Teststädten, Hannover und Braunschweig, konnten Lebensmittelbetriebe freiwillig ihre Kontrollergebnisse in Form eines "Hygiene-Barometers" an der Ladentür aushängen. Doch nur vier Prozent der Betriebe haben sich laut dem niedersächsischen Agrarministerium an dem Projekt beteiligt.

Anders zum Beispiel in Dänemark: Dort erfahren Verbraucherinnen und Verbraucher direkt an der Ladentür und im Internet anhand von Smiley-Symbolen, wie es um die Sauberkeit in den Lebensmittelbetrieben bestellt ist. Wenige Jahre nach Einführung des Smiley-Systems im Jahr 2002 hat sich die Quote der beanstandeten Betriebe halbiert, von 30 auf rund 15 Prozent. "Das Smiley-System in Dänemark funktioniert. Umfragen zeigen, dass praktisch alle Verbraucher das Smiley-System kennen und es bei der Wahl eines Restaurants oder eines Ladens berücksichtigen. Es zeigt auch, dass Lebensmittelunternehmen Maßnahmen ergreifen, um die Standards zu verbessern, mit dem Ziel, einen lächelnden Smiley zu bekommen. Das Smiley-System erhöht die Lebensmittelsicherheit zum Wohle aller", erklärte das dänische Umwelt- und Ernährungsministerium. 

In Wales, wo Restaurants, Bäckereien, Schulkantinen und Supermärkte auf einer Skala von 0 bis 5 bewertet werden, sank die Quote der Betriebe mit schlechter Bewertung von rund 13 (2013) auf knapp 5 Prozent (2017). Auch Norwegen hat 2016 ein Smiley-System eingeführt. Dort ist die Zahl der beanstandeten Betriebe innerhalb eines Jahres ebenfalls gefallen - von 32 auf 21 Prozent.

In Deutschland veröffentlicht das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nur anonymisierte Statistiken und Daten über die Lebensmittelüberwachung. Die Quote der beanstandeten Betriebe liegt seit Jahren nahezu unverändert bei rund 25 Prozent. 2017 lag die Quote wegen einer neuen Erfassungsmethode nur bei 13,6 Prozent. Diese Zahl umfasst nicht - wie in den Jahren zuvor - sogenannte informelle Beanstandungen. 

Link:
- Online-Plattform von foodwatch und FragDenStaat: www.topf-secret.foodwatch.de

Bayerische Leitlinien Seniorenverpflegung

Es ist angerichtet! Genussvoll essen in Senioreneinrichtungen

Gesunde Ernährung in der Seniorenpflege

Die Verpflegung in bayerischen Senioreneinrichtungen trägt wesentlich zum Wohlbefinden der Bewohner bei. Daher hat das Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) im Auftrag des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) Leitlinien für die Seniorenverpflegung erarbeitet. Ein unabhängiges Fachgremium aus Vertretern der Praxis, der Wirtschaft und der Wissenschaft hat die Arbeit beratend unterstützt. Die Leitlinien dienen den Verantwortlichen in den Einrichtungen als Orientierungshilfe für ein rundum gelungenes Essensangebot.

Die Leitlinien für die Seniorenverpflegung bilden als vierte Bayerische Leitlinien den Abschluss der Reihe. Mit ihnen bestehen neben Betriebsgastronomie, Schule und Kindertageseinrichtungen für die wesentlichen Settings der Gemeinschaftsverpflegung definierte Qualitätsempfehlungen.

Eine gesundheitsförderliche und nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung ist ein zentrales Handlungsfeld des Staatsministeriums. Die Leitlinien Seniorenverpflegung sind eine maßgebende Orientierungshilfe für hochwertiges, bedarfsgerechtes und regionaltypisches Essen in Senioreneinrichtungen.

Unsere Philosophie

Wenn Genuss, Gesundheit und Qualität Hand in Hand gehen, gewinnen alle Seiten: Bewohner, Mitarbeiter und die Einrichtung genauso wie Produzenten und Umwelt. Für jede Einrichtung stellt daher die Gestaltung der Verpflegung eine verantwortungsvolle Aufgabe dar. Wenn die individuelle Essbiografie jedes einzelnen Bewohners und die im Alter hinzukommenden gesundheitlichen und körperlichen Einschränkungen berücksichtigt werden, ist dies eine gute Basis, dass sich Senioren auch in einer stationären Einrichtung zuhause fühlen können.

Vier Leitgedanken beschreiben zunächst, was eine gute Seniorenverpflegung ausmacht.

Wertschätzung

Zu einem seniorengerechten Essen gehört noch mehr als ein den persönlichen Anforderungen angepasstes und schmackhaftes Menü. Individuelle Essenszeiten, harmonische Atmosphäre, ansprechende Tisch- und Raumgestaltung, eine ruhige Umgebung sowie geeignete Unterstützung bei der Essenseinnahme verstärken die Wertschätzung gegenüber den Bewohnern. Ein Verpflegungsleitbild, das von der gesamten Einrichtung mitgetragen wird, zeigt, dass die Küche und die Verpflegung der Einrichtung den Stellenwert haben, den sie verdienen. Diese Wertschätzung kann nur gelingen, wenn die Kommunikation stimmt: nach innen wie nach außen.

Gesundheit

Wenn im Alter gesundheitliche Einschränkungen zunehmen, der Appetit nachlässt und die Portionen kleiner werden, ist eine hochwertige Lebensmittelauswahl umso wichtiger. Grundlage für die Gestaltung eines gesundheitsförderlichen Speisen- und Getränkeangebots ist der DGE-Qualitätsstandard für die stationäre Seniorenverpflegung. Darüber hinaus müssen der individuelle Geschmack und die persönlichen Ernährungs- und Essgewohnheiten der Bewohner Beachtung finden.

Regionalität

Es gibt viele Gründe, zu regionalen – und auch saisonalen – Lebensmitteln zu greifen. Sie reichen vom Genussfaktor erntefrischer und voll ausgereifter Lebensmittel über die Bekanntheit sowie der besonderen Wertschätzung bei den Senioren bis zur Stärkung der heimischen Wirtschaft.

Gerade für ältere Menschen spielen Heimat und kulturelle Identität eine wichtige Rolle. Neben der Verwendung regionaler und saisonaler Zutaten genießen die Bewohner besonders auch das regelmäßige Angebot regionaltypischer Gerichte. Bekannte Gerichte der bayerischen Esskultur stärken das Gefühl von Heimat und wecken schöne Erinnerungen.

 

Ökologie

Von einer ökologischen Landwirtschaft profitieren alle: Klima, Böden, Gewässer, Pflanzen, Tiere und Menschen. Nachhaltige Verpflegung stärkt die heimische Ernährungs- und Landwirtschaft. Sie schließt die Aspekte regional, saisonal, ökologisch, Fairtrade und Tierwohl ein. Ökologisch zu denken, schließt kurze Transportwege ein. Deshalb spielt die Herkunft auch hier eine Rolle: Ökologische Lebensmittel aus Bayern erfüllen diesen Anspruch. Eine gute Verpflegung schließt ökologische Lebensmittel, möglichst aus der Region, deshalb selbstverständlich ein.

 

Praktische Orientierungshilfen

Wer Ja zu den Leitgedanken sagt, will diese auch im Alltag umsetzen. Dazu haben wir vier Bereiche definiert, in denen alle Verantwortlichen maßgebliche Entscheidungen fällen, die die Qualität der Verpflegung sichern: Rahmen gestalten, verantwortungsvoll einkaufen, ausgewogen verpflegen, erfolgreich kommunizieren.

In einem neuen Labor untersuchen Mediziner, Sport- und Ernährungswissenschaftler den Einfluss von Ernährung und Training auf die Gesundheit von Älteren

Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein kleines, modern eingerichtetes Fitnessstudio. Wären da nicht die Bildschirme und Messgeräte, die darauf hinweisen, worum es sich tatsächlich handelt: Der Arbeitsbereich Ernährung am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Freiburg hat ein neues Labor eröffnet – das „Nutrition + Training Lab“ (NuTraLab). „Schneller, höher, weiter“ ist jedoch nicht das alleinige Ziel, betont der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Daniel König, der das Labor leitet: „Uns geht es um den Nutzen für die Gesundheit.“ Gemeinsam mit seinem Team untersucht er den Einfluss der Ernährung in ihrer Kombination mit verschiedenen Trainingsformen.

Muskelkraft erhalten: Die meisten Probanden im neuen Labor des Instituts für Sport und Sportwissenschaft sind älter als 50 Jahre. Foto: Thomas Kunz
Muskelkraft erhalten: Die meisten Probanden im neuen Labor des Instituts für Sport und Sportwissenschaft sind älter als 50 Jahre. Foto: Thomas Kunz

Zusammenspiel individuell steuern

Hintergrund des Ansatzes ist der demographische Wandel, erklärt König. „Die Menschen werden immer älter, aber nicht in Gesundheit. Viele leben jahrelang in einem Zustand der Abhängigkeit und Pflegebedürftigkeit.“ Die Erkenntnis, dass ein gesunder Lebensstil das Risiko für Krankheiten wie Diabetes, Schlaganfall oder Krebs senken und zum Erhalt der Muskelfunktion im Alter beitragen kann, ist nicht neu. Doch wie lässt sich das Zusammenspiel von Ernährung und Sport individuell so steuern, dass der oder die Einzelne das optimale Ergebnis erzielt – mit dem Ziel, Leistungsfähigkeit und Selbstständigkeit möglichst lange zu bewahren?

Tipps beim Training: Daniel König (rechts) untersucht, wie Sport und Ernährung optimal zusammenwirken. Foto: Thomas Kunz
Tipps beim Training: Daniel König (rechts) untersucht, wie Sport und Ernährung optimal zusammenwirken. Foto: Thomas Kunz

 

Wissen, worauf es ankommt

Studien im NuTraLab sollen helfen, diese Frage zu beantworten. Die meisten Probandinnen und Probanden sind älter als 50 Jahre, viele haben Übergewicht und damit ein erhöhtes Risiko für Gefäßerkrankungen  bei gleichzeitig reduzierter Muskelmasse. Am Anfang einer Studie steht eine Untersuchung der Teilnehmenden. Anschließend erhalten sie einen Trainings- und Ernährungsplan, den sie in der Regel für drei Monate befolgen. Dabei werden sie in Gruppen eingeteilt: Beispielsweise ernähren sich manche fett-, andere kohlenhydratreich, oder einige führen ein Kraft- und andere ein Ausdauertraining durch. Eine Abschlussuntersuchung zeigt, ob und wie sich der Gesundheitszustand verändert hat. „Alle Probanden bekommen ihr individuelles Ergebnis und die Gesamtauswertung“, sagt König. „Sie fühlen sich im Alltag fitter und wissen danach, worauf es ankommt. Unsere Aufgabe ist es dann, die Ergebnisse der Studien in konkrete Empfehlungen für die Bevölkerung umzusetzen.“

Sportwissenschaftler überprüfen anhand von Messungen, wie sich Trainingsprogramm und Ernährungsplan auf den Gesundheitszustand der Probanden auswirken. Foto: Thomas Kunz
Sportwissenschaftler überprüfen anhand von Messungen, wie sich Trainingsprogramm und Ernährungsplan auf den Gesundheitszustand der Probanden auswirken. Foto: Thomas Kunz

Training mit Manschette

Außerdem testen die Medizinerinnen, Mediziner, Sport- und Ernährungswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler Trainingsmethoden, die sich vor allem im Alter eignen. Aktuell läuft etwa eine Studie, bei der die Teilnehmenden eine aufgepumpte Manschette um den Muskel, der trainiert werden soll, tragen – ähnlich wie bei der Blutdruckmessung. „Das verringert den Blutfluss und verändert den Stoffwechsel, sodass jemand, der nur mit 30 Prozent seiner Maximalkraft trainiert, den gleichen Effekt erzielt wie mit den sonst üblichen 70 bis 80 Prozent“, berichtet König. „Für ältere Menschen ist das genial, weil sie mithilfe der Manschette auch mit niedriger Intensität viel erreichen können.“ Ebenso stehen einzelne Nährstoffe im Fokus: Ein Thema, mit dem sich das Team derzeit befasst, ist der Einfluss der Ernährung auf so genannte Freie Radikale – reaktionsfreudige Verbindungen, die im menschlichen Körper großen Schaden anrichten können. „Unsere Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Vitamine und so genannte sekundäre Pflanzenstoffe den Stress, den Freie Radikale erzeugen, deutlich reduzieren. Darüber hinaus kann auch der Stoffwechsel bei Übergewicht und metabolischem Syndrom positiv beeinflusst werden.“ Das metabolische Syndrom ist eine Kombination verschiedener Risikofaktoren – dazu zählen unter anderem zu viel Bauchfett, Bluthochdruck, erhöhte Blutzucker- und Blutfettwerte.

Passt alles? Mitglieder aus Daniel Königs Team beaufsichtigen die Probanden beim Training. Foto: Thomas Kunz
Passt alles? Mitglieder aus Daniel Königs Team beaufsichtigen die Probanden beim Training. Foto: Thomas Kunz

Schere öffnet sich

Studierende profitieren ebenfalls vom NuTraLab. „Wir haben viele Geräte zur Diagnostik, Therapie und Rehabilitation, die sie in unserem Labor kennenlernen und ausprobieren können“, sagt König. Mit seinen Angeboten richtet er sich besonders an diejenigen, die später im Gesundheitssektor arbeiten möchten. Wichtig ist ihm, dafür zu sensibilisieren, wie viel die Menschen für die eigene Gesundheit tun können: „Der Einfluss von Ernährung und Sport ist riesig – aber leider beobachten wir, dass sich die Schere zwischen denen, die ihren Lebensstil danach ausrichten, und denen, die weniger auf sich achten, ab dem 50. Lebensjahr immer weiter öffnet.“

Nicolas Scherger

Unzulässige Herkunftsangaben für Obst und Gemüse: foodwatch mahnt Amazon Fresh ab - auch Online-Lebensmittelhändler müssen sich an geltendes Recht halten

Berlin, 16. März 2018. foodwatch hat den Online-Lebensmittelhändler Amazon Fresh wegen unzulässiger Herkunftsangaben für Obst und Gemüse abgemahnt. Die Verbraucherorganisation kritisierte, dass Amazon Fresh in seinem Online-Shop für zahlreiche Produkte wie Weintrauben, Kopfsalat oder Tomaten mehrere mögliche Herkunftsländer aufführt - ein klarer Verstoß gegen europäisches Recht. foodwatch forderte Amazon Fresh auf, seiner gesetzlichen Kennzeichnungspflicht nachzukommen. Zudem sei die Politik gefordert, für eine bessere Überwachung von Online-Lebensmittelhändlern zu sorgen.

"Auf einen Blick erkennen, ob ein Apfel aus Deutschland oder Neuseeland stammt - was im Supermarkt um die Ecke selbstverständlich ist, muss auch für den Einkauf im Online-Shop gelten", sagte Luise Molling von foodwatch. "Wenn Amazon Fresh für Weintrauben gleich 13 mögliche Herkunftsländer angibt, führt das die Herkunftsangabe ad absurdum. Für viele Verbraucherinnen und Verbraucher ist es wichtig, wo ein Lebensmittel herkommt - es ist nicht nur ärgerlich, sondern auch rechtswidrig, dass Amazon ihnen die Pflichtangaben zur Herkunft eines Produkts vorenthält."

Online-Supermärkte müssten systematisch auf die Einhaltung von Kennzeichnungspflichten und auf Produktsicherheit geprüft werden, forderte foodwatch. Seit 2011 schreibt die EU-Verordnung 543/2011 die Herkunftskennzeichnung vieler Obst- und Gemüsesorten vor. Werden die Produkte im Internet angeboten, gilt diese Informationspflicht auch für die Shop-Seiten der Händler. Die kommunal und offline organisierten Kontrollbehörden seien jedoch noch nicht im Online-Zeitalter angekommen und mit der Überprüfung großer Online-Shops überfordert. Die Verbraucherorganisation forderte die neue Bundesregierung deshalb auf, die Zuständigkeit für die Überwachung von Online-Lebensmittelhändlern von den Ländern und kommunalen Behörden auf den Bund zu übertragen.

Anfang März hatte foodwatch in einem Vergleichstest die fünf großen Online-Lebensmittelhändler Amazon Fresh, Rewe Online, Allyouneedfresh, Mytime und Bringmeister unter die Lupe genommen und Lücken bei der Produktkennzeichnung sowie bei der Kontrolle der Shops durch die Lebensmittelbehörden aufgezeigt. Die Herkunftsangaben zu Obst und Gemüse waren bei vier der fünf Anbieter unzureichend oder fehlten ganz.

foodwatch mahnte Amazon Fresh wegen sieben Artikeln ab, die der Online-Händler ohne eindeutige Herkunftsangaben anbietet (Kopfsalat, Paprika Tricolor, Äpfel Braeburn 1kg, Trauben hell kernlos 500g, Tomaten Rispe Aromatico 250g, Orangen 2kg und Zitronen 500g).Quellen und weiterführende Informationen:

- Abmahnungsschreiben an Amazon: tinyurl.com/ycf7zaj6
- "Bringt’s das?" foodwatch-Vergleichstest zum Lebensmittel-Onlinehandel: tinyurl.com/Test-Onlinehandel     

Recherche von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung

Glyphosat: Alleingang offenbar von langer Hand vorbereitet

Die umstrittene deutsche Zustimmung zum Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist offenbar monatelang vorbereitet worden. Im Bundeslandwirtschaftsministerium wurde nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung schon im Sommer vorgeschlagen, für Glyphosat zu stimmen - auch gegen den Widerstand des Umweltministeriums.

Im Bundeslandwirtschaftsministerium wurde schon lange darauf gedrungen, der Entscheidung, der Glyphosat-Verlängerung im Alleingang zuzustimmen. Das ergibt sich aus internen Unterlagen, die WDR, NDR und SZ einsehen konnten. Demnach empfahl das zuständige Fachreferat für Pflanzenschutz seinem Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) bereits am 7. Juli zu prüfen, ob man ohne das Einverständnis des Bundesumweltministeriums dem Vorschlag der EU-Kommission „eigenverantwortlich“ zustimmen könne. Eine Zustimmung ohne Einigung in der Bundesregierung widerspricht den Vereinbarungen des Koalitionsvertrages von CDU und SPD. Dieser sieht vor, dass sich die Bundesregierung in solchen Fällen auf europäischer Ebene enthalten muss.

Wenige Wochen später bat die Fachabteilung die Leitungsebene dann sogar darum, bei Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Weisung zu erwirken. Durch den Gebrauch ihrer Richtlinienkompetenz könne das Ministerium dann ohne Rücksicht auf das Umweltministerium in Brüssel der Verlängerung der Glyphosat-Zulassung zustimmen, heißt es. Das Schreiben an die Leitungsebene vom 24. August ist mit einer Fußnote versehen: Merkel habe sich zuletzt auf dem Deutschen Bauerntag ja öffentlich für Glyphosat ausgesprochen.

Die Fachabteilung im Landwirtschaftsministerium hat den zuständigen Staatssekretär schließlich am 2. Oktober noch einmal zu einer Entscheidung gedrängt: Eine deutsche Enthaltung in Brüssel gemäß Koalitionsvertrag würde einer faktischen Ablehnung entsprechen und hätte zur Folge, dass noch weitere Mitgliedsstaaten dem Kommissionsvorschlag nicht zustimmen würden. Die EU-Kommission müsste den Wirkstoff also im Alleingang genehmigen. Allerdings, so hieß es, bliebe ja noch eine weitere Handlungsoption: „Zustimmung ohne ressortabgestimmte Haltung“.

Aus den Akten, die WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung einsehen konnten, geht außerdem hervor, dass die zuständigen Ministerien Landwirtschaft, Umwelt und Wirtschaft sich regelmäßig über die deutsche Position in Brüssel beraten haben. Ob neben dem Bundesumwelt- und dem Bundeswirtschaftsministerium auch das Bundeskanzleramt eingebunden war, lässt sich dagegen nicht ersehen, da die Akteneinsicht vom Bundeslandwirtschaftsministerium an mehreren Stellen zwischen dem 7.7. und dem 27.11 verwehrt wurde mit den Hinweisen „Interne Beratung BReg“ und „Vertrauliche Beratung BReg – nicht abgeschlossenes Verfahren“. Nach Merkels Darstellung hat Minister Christian Schmidt mit der Entscheidung in Brüssel für die Verlängerung des Pflanzenschutzmittels gegen die Weisung der Bundesregierung verstoßen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium erklärt auf Anfrage, die Vermerke seien nur zur Kenntnisnahme erstellt worden und hätten damals noch keinerlei Entscheidung nach sich gezogen.

Stand: 28.11.2017, 16.00 Uhr

Guide MICHELIN 2018: 16 neue Sterne strahlen über der Schweiz

Mit 118 Adressen weiter Land mit der höchsten Sterne-Dichte

Cover Guide MICHELIN Schweiz 2018 Mit zwei neuen 2-Sterne-Restaurants und 14 neuen 1-Stern-Häusern kommt der Guide MICHELIN Schweiz 2018 am 13. Oktober in den Handel. Insgesamt steigt die Zahl der mit einem oder mehreren MICHELIN Sternen ausgezeichneten Restaurants zwischen St. Gallen, Genf, Basel und Lugano auf 118 Adressen. Damit bleibt die Schweiz das Land mit der höchsten Sterne-Dichte pro Einwohner in Europa und bestätigt erneut das exzellente Küchenniveau. Die Zahl belegt ausserdem den steilen Aufwärtstrend der Schweizer Gastronomie im vergangenen Jahrzehnt. 2008 listete der Guide MICHELIN noch 84 Sterne-Restaurants. In nur zehn Jahren erlebte die Zahl somit eine Steigerung um 40 Prozent.

„Feinschmecker kommen in der Schweiz voll und ganz auf ihre Kosten, denn sie haben es nirgendwo weit zu einem vom Guide MICHELIN ausgezeichneten Restaurant“, sagt Michael Ellis, internationaler Direktor des Guide MICHELIN. „Ausserdem können sie aus einer Vielfalt wählen wie nur in wenigen Regionen Europas. Gleich ob klassisch-französisch, regional, mediterran, asiatisch oder modern und innovativ, die Schweizer Gastroszene lebt von ihrem breiten Spektrum. Dieser Reichtum an Küchenstilen findet sich auch in der Auswahl des Guide MICHELIN wieder“, so Ellis weiter.

Alle drei Restaurants, die in der letzten Ausgabe mit 3 MICHELIN Sternen empfohlen waren, haben ihre Klasse erneut bestätigt: das „B. Violier – Restaurant de l’Hôtel de Ville“ in Crissier (VD), das „Schauenstein“ in Fürstenau (GR) und das „Cheval Blanc by Peter Knogl“ in Basel.

Zwei Neuzugänge in der 2-Sterne-Kategorie

Liste der neuen Sterne-Restaurants in der Schweiz 2018Neu in die 2-Sterne-Liga aufgestiegen sind die Restaurants „Einstein Gourmet“ in St. Gallen und „Taverne zum Schäfli“ in Wigoltingen (TG). Die Küchenchefs im „Einstein Gourmet“, Sebastian Zier und Moses Ceylan, stammen aus Deutschland und waren dort bereits sehr erfolgreich in der Spitzengastronomie. Der kreativen Doppelspitze gelang es, das St. Galler Restaurant mit ausdrucksstarken Gerichten in nur zwei Jahren in die 2-Sterne-Klasse zu führen.

Die „Taverne zum Schäfli“ wurde vom jungen Küchenchef Christian Kuchler erst vor zwei Jahren übernommen. Zuvor hatten die Eltern den Betrieb geführt. Kuchlers Küche zeichnet sich durch erstklassige Produktqualität und präzise Technik aus, wobei der Eigengeschmack der Produkte im Mittelpunkt steht. Das Ergebnis sind Gerichte mit einem schönen Mass an Finesse und Ausdruck.

14 neue 1-Stern-Häuser über das ganze Land verteilt

Die Gesamtzahl der vom Guide MICHELIN Schweiz empfohlenen 1-Stern-Adressen liegt jetzt bei 96 Betrieben. Darunter sind 14 Restaurants, die in der letzten Ausgabe noch nicht das begehrte Prädikat trugen. Besonders erfreulich und Beweis für das hohe gastronomische Niveau des Landes: Die neu ausgezeichneten Häuser finden sich nicht nur in den städtischen Zentren wie Zürich und Genf, sondern sind gleichmässig über die ganze Schweiz verteilt. Mit dem „Torkel“ liegt ein Haus auch in Liechtenstein. Das Fürstentum beherbergt damit jetzt zwei 1-Stern-Adressen. Auch ein asiatisches Restaurant zeichneten die Tester neu mit einem Stern aus: „The Japanese Restaurant“ im Hotel „The Chedi“ in Andermatt (UR).

Neu auf der Liste der 1-Stern-Adressen ist ebenfalls das „IGNIV by Andreas Caminada“ in St. Moritz. Im vergangenen Jahr erhielt bereits das gleichnamige Haus in Bad Ragaz (SG) die prestigeträchtige Auszeichnung. Das ungezwungene Konzept beider Restaurants basiert auf dem sogenannten Fine Dining Sharing, bei dem die Gäste die Gerichte miteinander teilen. Entwickelt wurde es von Andreas Caminada. Der Graubündner ist Küchenchef im 3-Sterne-Restaurant „Schauenstein“.

Neu mit einem MICHELIN Stern prämiert wurden ausserdem die Restaurants „Locanda Barbarossa“ in Ascona (TI), „Löwen – Apriori“ in Bubikon (ZH), „Tosca“ in Genf, „La Table du 7“ im „La Chaumière by Serge Labrosse“ in Genf/Troinex, „Stiva Veglia“ in Ilanz/Schnaus (GR), „Weiss Kreuz“ im Malans (GR), „Café Berra“ in Monthey-Choëx (VS), „Regina Montium“ in Rigi Kaltbad (LU), „Die Rose“ in Rüschlikon (ZH), „Table de Mary“ in Yverdon-les-Bains/Cheseaux (VD) und „Rigiblick“ in Zürich.

So viele Bib-Gourmand-Adressen wie noch nie

 

Gruppenbild der Sterneköche und Sterneköchinnen
Sterneköche und Sterneköchinnen

Einen Rekord verzeichnet der Guide MICHELIN Schweiz 2018 bei den Restaurants mit Bib Gourmand: Insgesamt 153 Häuser tragen das beliebte Prädikat, darunter 30 Neuzugänge. Dies entspricht einer Verdoppelung in zehn Jahren (2008: 76 Adressen).

Die Auszeichnung, dargestellt durch das Gesicht des Michelin Männchens „Bibendum“, das sich genussvoll die Lippen leckt, empfiehlt Gasthäuser, die sorgfältig zubereitete Mahlzeiten zu einem besonders guten Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Ein 3-Gänge-Menü (Vorspeise, Hauptgang, Dessert) ist hier für maximal 70 Schweizer Franken erhältlich.

Modernisiertes Layout erleichtert die Orientierung

Der Guide MICHELIN Schweiz 2018 erscheint in einem modernisierten, lesefreundlichen Layout. Die Anordnung der Empfehlungen ist übersichtlicher und praktischer: So stehen die Restaurant-Tipps vor den Hotelempfehlungen. Zusätzlich geben Schlüsselworte wie „traditionelle Küche, gastfreundlich“ oder „moderne Küche, elegant“ auf einen Blick direkt Auskunft über Küchenstil und Ambiente eines Restaurants oder den Charakter eines Hotels.

MICHELIN Teller weist auf „eine Küche von guter Qualität“ hin

Erstmals verwendet der Guide MICHELIN Schweiz 2018 ein neues Symbol, den MICHELIN Teller. Das Piktogramm bedeutet „einfach ein gutes Essen“ und ist all jenen Restaurants vorangestellt, die nicht mit einem oder mehreren MICHELIN Sternen beziehungsweise einem „Bib Gourmand“ ausgezeichnet sind. Das Symbol weist die Leser darauf hin, dass bereits die Aufnahme in die Auswahl des Guide MICHELIN als Zeichen für eine Küchenleistung über dem Durchschnitt zu werten ist.

Ab 13. Oktober im Buchhandel

Der Guide MICHELIN Schweiz 2018 ist ab 13. Oktober zum Preis von 33 Schweizer Franken im Handel erhältlich (für 29,95 Euro in Deutschland und für 30,80 Euro in Österreich). Die Ausgabe empfiehlt insgesamt 931 Restaurants und 514 Hotels in allen Preisklassen. Das Spektrum der ausgewählten Adressen reicht von der einfachen und gut geführten Familienpension bis hin zum traditionsreichen Grandhotel sowie vom Landgasthof bis hin zum Gourmetlokal.

Die Auswahl des Guide MICHELIN Schweiz 2018 umfasst unter anderem:

  • 118 Restaurants mit MICHELIN Sternen
    • 3      3-Sterne-Restaurants
    • 19      2-Sterne-Restaurants, darunter 2 neue
    • 96      1-Stern-Restaurants, darunter 14 neue
  • 153 Bib-Gourmand-Restaurants, darunter 30 neue

Einheitliche Bewertungsmassstäbe rund um die Welt
Der Guide MICHELIN gilt als internationale Referenz unter den Hotel- und Gastronomieführern. Die Basis dieses Vertrauens sind seine strengen Bewertungskriterien, die für alle 28 Länder, in denen der Guide erscheint, einheitlich sind.

Für die Auswahl der Adressen im Guide MICHELIN ist ein erfahrenes Team aus fest angestellten, anonym arbeitenden Michelin Inspektoren verantwortlich. Alle Tester verfügen über eine fundierte Ausbildung und Erfahrung in der internationalen Spitzengastronomie und -hotellerie und absolvierten zusätzlich eine intensive Ausbildung bei Michelin. Bei ihren Reisen auf der Suche nach den besten Restaurant- und Hoteladressen urteilen sie nach einem festen, an objektiven Massstäben ausgerichteten Bewertungssystem, das sich im Laufe vieler Jahre bewährt hat.

Deshalb steht der Guide MICHELIN für internationale Vergleichbarkeit und ein weltweit hohes Qualitätsniveau.

Über Michelin (www.michelin.de)
Der weltweit agierende Reifenhersteller Michelin beschäftigt 111.700 Mitarbeiter und besitzt Vertriebsorganisationen in 171 Ländern. Angespornt von der Vision einer umweltverträglichen Mobilität entwickelt, produziert und verkauft das Unternehmen Reifen für nahezu alle Fahrzeugarten, wie Flugzeuge, Automobile, Fahrräder, Erdbewegungsmaschinen, Ackerschlepper, Lastkraftwagen und Motorräder. Produziert wird in 68 Werken in 17 Ländern auf 5 Kontinenten. Um seine anspruchsvollen Produkte und Technologien permanent weiterzuentwickeln, besitzt Michelin Versuchs- und Entwicklungszentren in Europa, den USA und Japan. Über das Kerngeschäft hinaus ist Michelin als Herausgeber von Reise-, Hotel- und Restaurantführern sowie Land- und Strassenkarten weltweit bekannt und bietet unter www.ViaMichelin.de eine Internetplattform für die persönliche Routen- und Reiseplanung. Michelin Lifestyle Limited (MLL) ergänzt die breite Produktpalette rund um die Mobilität mit innovativem Zubehör. Die hohe Qualität der MICHELIN Produkte belegen auch die zahlreichen Auszeichnungen.

 

Saftschwindel im Supermarkt: Hersteller täuschen mit Verpackungstrick echten Fruchtsaft vor - foodwatch fordert ehrliche Kennzeichnung


Berlin, 31. Juli 2017. Sieht aus wie Saft, ist aber keiner - zahlreiche Hersteller täuschen auf Getränkeverpackungen echten Saft vor, auch wenn dieser mit Zuckerwasser verdünnt ist. Das ist das Ergebnis einer Recherche der Verbraucherorganisation foodwatch. Der völlig legale Trick: Auf der Vorderseite der Etiketten prangen große Früchte und der Hinweis auf die Geschmacksrichtung. Doch ob es sich tatsächlich um echten Saft handelt und wie hoch der Fruchtsaft-Anteil ist, können Verbraucherinnen und Verbraucher bei Produkten der Hersteller Rauch, Albi, Beckers Bester, Lausitzer, Voelkel und Solevita nur auf der Rückseite im Kleingedruckten erfahren. foodwatch forderte die Hersteller auf, ihre Produkte klar zu kennzeichnen und startete eine E-Mail-Aktion unter www.aktion-saftschwindel.foodwatch.de  

Die Nektare und das Granatapfel-Fruchtsaftgetränk von Albi glänzen auf der Vorderseite mit Nicht-Information. Statt Fruchtgehalt und Getränkeart wird lediglich die Geschmacksrichtung prominent beworben.

“Beckers Bester, Rauch, Albi & Co. machen uns Verbraucherinnen und Verbrauchern den Einkauf unnötig kompliziert. Es ist ärgerlich, wenn man selbst am Saftregal den Zutaten-Detektiv spielen soll. Das muss aufhören! Die Hersteller müssen ihre Produkte endlich verständlich kennzeichnen und auf der Vorderseite der Verpackung Fruchtgehalt und Getränkeart angeben“, erklärte Sophie Unger von foodwatch. ...weiterlesen "Saftschwindel im Supermarkt"

Pressemitteilung

foodwatch stellt Antrag auf Entzug der Lebensmittelzulassung für cholesterinsenkende Margarine

Hamburg, 1. September 2015. Nach einem Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichts darf der Nahrungsmittelkonzern Unilever wissenschaftliche Hinweise auf Risiken seines Cholesterinsenkers Becel pro.activ weiterhin leugnen. Die Richter werteten eine Aussage des Herstellers, derzufolge es bei Becel pro.activ "aus wissenschaftlicher Sicht ... keinen Hinweis" auf Nebenwirkungen gebe, als  Meinungsäußerung - damit darf sie unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt verbreitet werden (Az 7 U 7/13). Eine Klage der Verbraucherorganisation foodwatch gegen die weitere Verbreitung dieser Aussage wurde in zweiter Instanz abgewiesen, ohne dass die Richter die Sicherheit der Margarine überprüft und bewertet hatten. foodwatch kündigte an, zunächst die Urteilsbegründung abzuwarten, um dann "sehr wahrscheinlich" Revision beim Bundesgerichtshof einzulegen.

Weil unverändert erhebliche Zweifel an der Sicherheit des Produkts bestehen, beantragte foodwatch zudem bei der Europäischen Kommission, der cholesterinsenkenden Margarine Becel pro.activ die Zulassung als Lebensmittel zu entziehen. Der Antrag wurde an diesem Montag an EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis übermittelt.

Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer von foodwatch, bezeichnete die Konsequenz aus dem Urteil als inakzeptabel: "Die Verbraucher sind weder vor Gesundheitsrisiken noch vor irreführenden Aussagen geschützt. Wir haben jetzt eine absurde Situation: Unilever darf öffentlich die Meinung vertreten, dass es keinen Hinweis auf Nebenwirkungen von Becel pro.activ gibt - gleichzeitig können wir belegen, dass eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf gesundheitliche Risiken hinweist. Das Presserecht reicht, jedenfalls nach Auffassung des Oberlandesgerichts, nicht aus, um Unilever eine Aussage zu verbieten, die nachweislich falsch und zudem gefährlich ist. Weil der Konzern offensichtlich seiner Verantwortung nicht gerecht wird und seinen Kunden weiterhin gesundheitliche Risiken zumutet, muss die Europäische Kommission reagieren. Der vorsorgende Gesundheitsschutz gebietet es, ein Produkt vom Markt zu nehmen, dessen Sicherheit so sehr in Zweifel steht."

Fakt ist: Unilever kann weder den gesundheitlichen Nutzen noch die Sicherheit von Becel pro.activ belegen. Die französische Lebensmittelsicherheitsbehörde ANSES betonte 2014, es fehle jeder Beweis dafür, dass Lebensmittel mit zugesetzten Pflanzensterinen tatsächlich Herzkrankheiten vorbeugen. Eine Reihe von Studien legt vielmehr nahe, dass die in hoher Konzentration der Margarine zugesetzten Pflanzensterine das verursachen könnten, was sie eigentlich verhindern sollen: Ablagerungen in den Gefäßen und damit ein erhöhtes Risiko auf Herzkrankheiten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte bereits 2008 betont, dass der Verzehr von Lebensmitteln mit zugesetzten Pflanzensterinen von gesunden Menschen ohne Cholesterinproblem "ausdrücklich vermieden werden sollte" und dies mit möglichen Gesundheitsrisiken begründet. Dennoch hatte Unilever unter Verwendung von Zitaten eines Wissenschaftlers im Jahr 2011 behauptet, dass es "aus wissenschaftlicher Sicht ... keinen Hinweis" auf Nebenwirkungen gebe.

Weil das Hanseatische Oberlandesgericht - wie im Jahr 2012 bereits das Landgericht Hamburg in erster Instanz - die Aussage als "Meinungsäußerung" einstufte, scheiterte die Klage von foodwatch: Als Meinung darf das Zitat verbreitet werden, egal ob es wahr ist oder nicht. Hätten die Richter das Zitat als "Tatsachenbehauptung" gewertet, wäre Unilever dagegen in der Belegpflicht gewesen.

foodwatch sieht nun die Europäische Kommission am Zug. Diese hatte auf Betreiben Unilevers im Jahr 2000 "gelben Streichfetten mit Phytosterinzusatz" wie Becel pro.activ die Zulassung als sogenanntes "neuartiges Lebensmittel" (novel food) erteilt und dabei auch auf ihre Sicherheit überprüft. In der europäischen Novel-Food-Verordnung heißt es: Neuartige Lebensmittel "dürfen keine Gefahr für die Verbraucher darstellen" (EU VO 258/97, Art. 3 Abs. 1). Zum Zeitpunkt der Zulassung lagen die heute bekannten, kritischen Studien allerdings noch gar nicht vor. Das Ergebnis der Sicherheitsprüfung ist 15 Jahre alt und bildet nicht den heutigen Stand der Wissenschaft ab.  In dem foodwatch-Antrag an die EU-Kommission auf Aberkennung der Zulassung heißt es: "Die daraus resultierende Risikobewertung steht im Widerspruch zur Novel-Food-Verordnung, der zufolge ein Risiko für die Gesundheit der Verbraucher ausgeschlossen werden muss."

An Unilever erneuerte foodwatch die Forderung, das umstrittene Produkt vom Markt zu nehmen. Matthias Wolfschmidt: "Ein solcher Cholesterinsenker sollte allenfalls als Medikament mit arzneimittelrechtlicher Zulassung vermarktet werden, falls Nutzen und Sicherheit irgendwann einmal belegt werden können. Im Supermarktregal hat Becel pro.activ nichts verloren."

In keinem Land sparen die Menschen so sehr am Essen wie in Deutschland.

Billige Lebensmittel

 

Dies bleibt natürlich nicht ohne Folgen für die Gesundheit, die Tierhaltung und die Landwirtschaft insgesamt.

DAK-Umfrage – Neben dem Preis sind regionale Produkte wichtig

Beim Einkaufen fürs Essen sind die Deutschen Sparfüchse. Nach einer repräsentativen Forsa-Umfrage* für die DAK-Gesundheit achten 80 Prozent auf aktuelle Sonderangebote. Ebenfalls entscheidend ist der Faktor Regionalität: Fast jeder Zweite kauft hauptsächlich Produkte aus der Umgebung.

Beim Einkaufen zählt in Deutschland vor allem der Preis. 80 Prozent der Befragten achten auf Sonderangebote. Vor allem Frauen, jungen Erwachsenen und Menschen mit Hauptschulabschluss ist es wichtig, dass Lebensmittel günstig sind. Aber auch die Herkunft der Produkte ist für jeden Zweiten entscheidend. „Regionale und saisonale Lebensmittel sind gesund und nährstoffreich, weil sie reif geerntet werden“, erklärt DAK-Ernährungswissenschaftlerin Silke Willms. „Gleichzeitig schonen sie den Geldbeutel, denn Saisonobst oder -gemüse ist meist besonders preiswert.“ Gesund und günstig müsse sich also nicht ausschließen.

Erste Adresse für die Deutschen ist der Supermarkt. Hier kaufen 58 Prozent der Befragten den Großteil ihrer Lebensmittel ein, ein Drittel geht zum Discounter. Wochenmärkte besuchen nur vier Prozent regelmäßig.

Fertigkost statt Frische

Nur 22 Prozent der Befragten verzichten zugunsten frischer Kost bewusst auf Konserven oder Tiefkühlkost, vor allem Frauen und Menschen über 50 Jahre. „Wer sich gesund ernähren möchte, für den sind frische, unverarbeitete Produkte die erste Wahl“, kommentiert Willms. „Fertigkost mit mehr als fünf Zutaten ist hingegen nicht empfehlenswert.“

Mehr Geld für Qualität

Die Sparmentalität der Deutschen hat auch Grenzen: Acht von zehn Befragten wären bereit, höhere Preise für Fleisch zu bezahlen, wenn die Qualität besser wäre. Auch bei Obst und Gemüse (73 Prozent), Brot (58 Prozent) und Milchprodukten (49 Prozent) können sich viele vorstellen, zugunsten von Qualität tiefer in die Tasche zu greifen.

*Forsa-Befragung mit 1.010 Befragten bundesweit, Zeitraum: August 2014

Deutsche-Bank-Konferenz zu Agrarspekulation war nur PR-Show: Ein Jahr nach Treffen mit Kritikern noch immer keinerlei Entscheidung über Rohstoff-Geschäfte

Berlin, 15. April 2015. Trotz anders lautender Zusagen hat die Deutsche Bank auch ein Jahr nach der von ihr organisierten Konferenz zur Agrarspekulation keinerlei Ergebnisse vorgelegt, wie das Geldhaus in Zukunft mit seinen umstrittenen Spekulationsgeschäften umgehen will. Das hat die Verbraucherorganisation foodwatch heute kritisiert. Im April vergangenen Jahres hatte die Bank Experten zu einem Austausch über die Folgen der Nahrungsmittelspekulation eingeladen. Vorstandsvorsitzender Jürgen Fitschen hatte im Anschluss versichert, er werde sich "in ein paar Wochen" melden, "um zu berichten, welche Themen wir wie angehen wollen." Es seien "bereits konkrete Vorschläge in der Diskussions- und Abstimmungsphase" hieß es zudem in einem weiteren Schreiben der Bank an foodwatch. Dem ist die Deutsche Bank allerdings bislang nicht nachgekommen, konkrete Vorschläge wurden bis heute nicht präsentiert. Spekulationsgeschäfte auf die Preise von Agrar-Rohstoffen sind stark umstritten. Kritiker fürchten, dass exzessive Agrarspekulationen zu steigenden Lebensmittelpreisen führen können - und damit Menschen in armen Ländern in Hunger stürzen.

"Große PR-Show, nix dahinter: Ein Jahr nach dem mit viel Brimborium organisierten Experten-Treffen zur Agrarspekulation hat die Deutsche Bank die versprochenen 'konkreten Vorschläge' noch immer nicht vorgelegt", sagte foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. Das Verhalten der Bank zeige, dass ihr an einem ernsthaften Dialog mit ihren Kritikern nicht gelegen sei. "Für ihre Kritiker hat Deutschlands größte Bank nur Verachtung übrig."

Am 16. April 2014 hatte die Deutsche Bank Kritiker und Befürworter der Nahrungsmittelspekulation unter dem Titel "Preisentwicklung bei Agrarrohstoffen - Wer ist wie in der Verantwortung?" zu einem "offenen Austausch" eingeladen. Auch foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode war bei dem Treffen in Frankfurt zu Gast. foodwatch fordert seit Langem, dass die Bank schon aus Vorsorgegründen aus den Geschäften aussteigen muss. Über eine E-Mail-Protestaktion unter www.foodwatch.de/aktion-deutschebank unterstützen bereits fast 65.000 Bürgerinnen und Bürger diese Forderung. In Deutschland ist die Deutsche Bank das letzte verbliebene Geldhaus, das noch an der Finanzspekulation mit Nahrungsmitteln festhält.

"Es gibt starke Indizien aus der Wissenschaft und erdrückende Belege aus der Praxis dafür, dass exzessive Spekulationsgeschäfte Lebensmittelpreise ansteigen lassen. Selbst die eigene Forschungsabteilung der Deutschen Bank geht davon aus, dass Spekulationsexzesse zu Preisanstiegen führen können. Doch Deutschlands größte Bank geht auf Tauchstation und zockt unbeirrt weiter", kritisierte Thilo Bode. "Aber was soll man von einem Geldhaus auch erwarten, dessen Chefs einen Gutteil ihrer Arbeitszeit auf der Anklagebank vor Gericht verbringen?"

Link:
E-Mail-Protestaktion von foodwatch zum Stopp der Agrarspekulationsgeschäfte der Deutschen Bank: www.foodwatch.de/aktion-deutschebank