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Demografischer Wandel in Deutschland:

„Wir brauchen mehr lokale Daten zur Versorgung alter Menschen“fordert die Deutschen Gesellschaft für Geriatrie

(23.08.2018) Wie müssen Ärzte, Pflegekräfte und Angehörige am besten
zusammenarbeiten, um betagte Patienten zu versorgen? Dieser Frage widmet
sich die Versorgungsforschung. Warum sie gerade für das Wohlergehen alter
Menschen essenziell ist, erläutert Professor Cornel Sieber in seiner Keynote
„Stand der Versorgungsforschung in der Geriatrie“ beim Gerontologie- und
Geriatrie-Kongress in Köln. Dazu laden die Deutschen Gesellschaft für Geriatrie
(DGG) sowie die Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG)
vom 6. bis 8. September auf den Campus der Universität zu Köln ein. Cornel
Sieber leitet das Institut für Biomedizin des Alterns an der Friedrich-Alexander-
Universität Erlangen-Nürnberg. „Ich wünsche mir mehr Forschungsvorhaben aus
der Geriatrie“, sagt er. Im Interview erklärt der Geriater, welche Relevanz die
Ergebnisse für die ärztliche und pflegerische Praxis haben.

Herr Prof. Sieber, wo steht Deutschland bei der Versorgungsforschung in der
Geriatrie?

Wir sind im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nicht sehr weit vorn. Aber wir
sind auch nicht abgehängt. Das Problem der Versorgungsforschung ist, dass sie sehr
kontextspezifisch ist. Wir können also nicht einfach Ergebnisse aus anderen Ländern
auf Deutschland übertragen, sondern müssen diese Daten selbst lokal erheben.

Warum ist das denn insbesondere ein Thema für die Geriatrie?

In einer Gesellschaft des demografischen Wandels, wo die Versorgung für Betagte und
Hochbetagte ein Topthema ist, brauchen wir wissenschaftliche Daten, um
Versorgungsstrukturen gut planen und implementieren zu können. Gerade der
vulnerable alte Mensch beansprucht im Gesundheitswesen überproportional viele
Ressourcen. Häufig ist seine Selbstständigkeit gefährdet und er benötigt eine komplexe
Behandlung, an der viele Akteure beteiligt sind, die gut zusammenarbeiten müssen für
ein optimales Ergebnis.

Wo liegen aus Ihrer Sicht die wichtigsten Forschungsgebiete?

Ganz klar an den Schnittstellen rund um die Versorgung von multimorbiden Patienten
im Akutkrankenhaus. Bei der Einlieferung in die Notaufnahme entsteht häufig ein
riesiger Informationsverlust. Wie können sich Krankenhaus und niedergelassene Haus-
und Fachärzte besser absprechen, um das zu verhindern? Es folgt das
Überleitungsmanagement bei der Entlassung. Viele dieser multimorbiden alten
Menschen verlassen das Krankenhaus, wenn das akute Problem recht gut versorgt ist.
Aber dann funktioniert die Nachsorge häufig nicht und die Patienten kommen rasch mit
dem gleichen Problem wieder ins Krankenhaus. Hierzu leite ich selbst gerade ein
Forschungsprojekt mit dem Titel TIGER – Transsektionales Interventionsprogramm zur
Verbesserung der Geriatrischen Versorgung in Regensburg.

Was kann Versorgungsforschung denn hier leisten?

In dem Projekt begleiten Pflegefachpersonen den Übergang vom Krankenhaus zur
Versorgung zu Hause. Wir nennen sie „Pfadfinder“. Diese Pfadfinder besuchen die
Patienten auch zu Hause. Dort registrieren sie mögliche Verschlechterungen frühzeitig
und können zum Beispiel eine Konsultation beim Hausarzt koordinieren. Im Rahmen
dieser Studie untersuchen wir, ob sich mit diesem Versorgungsmodell die
Wiedereinweisungsrate senken lässt. Im besten Fall senkt das Kosten und finanziert
somit die Pfadfinder. Auch das ist keine neue Idee, sie heißt „Transitional Care Model“.
Aber dass dieses Modell in Kanada funktioniert, genügt eben nicht. Wir müssen es hier
bei uns ausprobieren.

Was können Kongress-Besucher, die Ihre Keynote gehört haben, in ihren
Häusern selbst umsetzen?

Im besten Fall überlegen sie gemeinsam mit ihrem Team, welches Forschungsprojekt
sie angehen wollen und wo sie dafür einen Antrag einreichen. Ich werde in meinem
Vortrag aufzeigen, dass die Förderlandschaft für die Versorgungsforschung in der
Geriatrie gut aufgestellt ist und die wichtigsten Fördertöpfe benennen.

Zur Person:

Prof. Dr. med. Cornel C. Sieber ist Direktor des Instituts für Biomedizin des Alterns an
der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg. Zudem arbeitet er als
Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus der
Barmherzigen Brüder in Regensburg. Nach Medizinstudium und Approbation lehrte und
forschte der gebürtige Schweizer an den Universitäten Basel und Genf, bevor er 2001
den Ruf an die FAU annahm. Von 2005 bis 2008 war Sieber Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Geriatrie und für die Amtszeit 2017/2018 Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Innere Medizin.

Termin:

Prof. Dr. Cornel Sieber

Keynote-Lecture: „Stand der Versorgungsforschung in der Geriatrie“

DGGG/DGG-Kongress

Hörsaalgebäude 105, Hörsaal B, Universität zu Köln

Donnerstag, 6. September 2018

10:45 bis 11:30 Uhr

Das Interview wurde nicht von uns geführt. Es gehört zu einer Pressemitteilung der DGGG/DGG

Fachtag und Landesweiterbildungspreis 2018

Verleihung des Landesweiterbildungspreises 2018

Weiterbildung gewinnt in einer immer älter werdenden Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Nur durch kontinuierliche Lern- und Bildungsprozesse sowohl auf persönlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene lassen sich die Herausforderungen des demografischen Wandels zum Wohle der Menschen aller Lebensphasen und Lebenslagen konstruktiv gestalten. Die unterschiedlichen Lebenslagen im Alter fordern über die bewährten Bildungsangebote hinaus weitere non-formale und informelle Lernsettings sowie eigene Themen und Formate.

 

Weiterbildung im Zeichen des demografischen Wandels

Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse steht der Fachtag des Bündnisses für Lebenslanges Lernen ganz unter dem Motto: „Weiterbildung im Zeichen des demografischen Wandels“. Als Impulsgeber und Talkgäste werden zahlreiche Experten aus der allgemeinen, beruflichen und ländlichen Erwachsenenbildung sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wissenschaft erwartet. Die Beiträge der eingeladenen Gäste gehen vom „Lernen und Lehren in der Zweiten Lebenshälfte“ auf Basis der aktuellen Forschung aus. Die Veranstalter laden Sie herzlich ein, mit den verschiedenen Experten über die Entwicklungsmöglichkeiten neuer Lern- und Lehrmethoden zu diskutieren, ebenso wie über die zukünftigen Herausforderungen einer altersgerechten Personalpolitik zur besseren Einbeziehung und Fortbildung älterer Mitarbeiter am Arbeitsplatz.

Im Rahmen dieses Fachtags wird am Nachmittag auch der Landesweiterbildungspreis 2018 vergeben. Dieser Preis wird vom Kultusministerium Baden-Württemberg alle drei Jahre ausgeschrieben und richtet sich insbesondere an Weiterbildungsträger, die innovative Maßnahmen zu einem speziellen Weiterbildungsthema, diesmal zur „Weiterbildung für Ältere“ vorweisen können. Eine Jury von externen Fachleuten wird dieses Mal drei wegweisende Konzepte prämieren, die sich der Zielgruppe „ältere Erwachsene“ (ab 50+) annehmen und damit für Menschen gedacht sind, die sich sowohl innerhalb als auch außerhalb des Berufs bewegen und/oder in der Nacherwerbsphase aktiv sind oder sein möchten.

Der Fachtag sowie die Preisverleihung zum Thema „Weiterbildung im Zeichen des demografischen Wandels“ findet am Mittwoch, 26.09.2018, im Haus der Katholischen Kirche Stuttgart statt. #GenerationLochkarte trifft Digitalisierung freut sich über die Nominierung.

#GenerationLochkarte trifft Digitalisierung
Um 13:50 Uhr in Raum 1 können Sie mehr zu unserem Konzept erfahren:
„Generation Lochkarte trifft Digitalisierung“, Alterskompetenz.info

Das Programm zum Fachtag sowie zur Vergabe des Landesweiterbildungspreises 2018 steht ab sofort als PDF zum Download bereit.

Die Veranstalter freuen sich auf zahlreiche Gäste und möchten alle Interessierten bitten, sich frühzeitig, spätestens aber bis zum 14. September 2018 über unser Onlineformular anzumelden.

Veranstalter des Fachtags und Initiator des Landesweiterbildungspreises

Veranstalter und Initiator dieser Veranstaltung ist das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg (KM), Geschäftsstelle Bündnis für Lebenslanges Lernen, Thouretstr. 6, 70173 Stuttgart, www.km-bw.de.

 

Warum trennen sich Paare nach mehr als 30 gemeinsamen Jahren?

Dieser Frage ist die Schweizerin Pasqualina Perrig-Chiello nachgegangen. Sie hat dazu 2000 Paare befragt und herausgekommen ist nicht nur ein interessantes Forschungsprojekt, sondern auch ein lesenswertes Buch mit dem schönen Titel „Wenn die Liebe nicht mehr jung ist“.

Am 22. Januar 2018 hatte das Tandem Institut in Freiburg Frau Prof. Pasqualina Perrig-Chiello zu einem Workshop eingeladen mit dem Titel „Wenn die Liebe nicht mehr jung ist - Warum viele langjährige Partnerschaften zerbrechen und andere nicht“.

Die Scheidungsraten bei Langzeitehen sind in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen. Wir wussten bislang erstaunlich wenig darüber, denn die wissenschaftliche Forschung fokussierte sich bis vor kurzem fast ausschließlich auf Scheidungen von Paaren mit minderjährigen Kindern.

Um so mehr interessiert waren die Teilnehmer*innen des Workshops, ob es ein Rezept für lebenslange glückliche Partnerschaften gibt.

Ja, die gibt es:

Wichtige Merkmale sind Respekt und Wertschätzung sowie eine gute Balance zwischen Gemeinsamkeit und Abgrenzung. Und es geht um Verzeihen und Vertrauen, da es keine Beziehung ohne Krisen gibt.

Krise oder Chance?

Sind späte Scheidungen Krisen, die das Tor für einen guten Neubeginn darstellen, oder vielmehr der Anfang chronischen Leidens? Darauf kann es keine allgemein gültige Antwort geben, da Menschen nun mal sehr verschieden sind. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass bei Männern die Trennung oft mit einem Burn- Out einhergeht. Wenn die Beziehung nicht mehr funktioniert, kommt es vor allem bei Männern vermehrt zu Problemen im Beruf.

Frauen hingegen suchen sehr viel häufiger externe professionelle Hilfe. Und Frauen haben meist ein gut funktionierendes soziales Umfeld, das ihnen bei der Bewältigung der Trennungsproblematik hilft.

Obwohl Männer sich häufiger wegen einer anderen Partnerin trennen, sind es die Frauen, die mehrheitlich die Scheidung einreichen.

Chart: "Eheliche Trennung"

 

„Scheidung und Verwitwung gehören zu den schwierigsten Lebenssituationen in unserer westlichen Welt. Dies hat Auswirkungen auf das gesamte Leben, insbesondere aber auf psychischer und körperlicher Ebene: depressive Symptome, Suizidgedanken, Einsamkeit, Broken-Heart-Syndrom“.

Langjährige glückliche Paare verfügen über eine hohe Kommunikationskompetenz. Sie reden miteinander, können sich gemeinsam über Dinge und Ereignisse freuen. Sie wertschätzen und respektieren einander. Krisen werden aktiv bewältigt, nicht totgeschwiegen.

Der demografische Wandel bringt es mit sich, dass in Zukunft immer mehr Paare sich im fortgeschrittenen Alter trennen werden. Für unsere Gesellschaft bedeutet dies eine neue Herausforderung vor allem mit Blick auf eine starke Zunahme von Single-Haushalten. Die Politik täte gut daran, wenn sie Rahmenbedingungen für neue Wohnformen fördern würde. Nur so können wir einer Vereinsamung der Gesellschaft entgegenwirken.

Im Anschluss an den Workshop habe ich noch ein kurzes Interview mit Frau Prof. em. Pasqualina Perrig-Chiello geführt.

Alterskompetenz: "Was hat Sie veranlasst gerade langjährige Beziehungen zu untersuchen?"

Perrig-Chiello: "Mich hat vor allem interessiert, weshalb so viele langjährige Beziehungen auseinandergehen. Das sind natürlich zum einen gesellschaftliche Gründe, aber mich haben die individuellen paarspezifischen Gründe interessiert. Und ich wollte wissen, wie es langjährigen Partnerschaften geht, da wir eine langlebige Gesellschaft sind, die dazu noch einen Wertewandel durchmacht. Und da gab es bislang noch keine Antworten. Diese Langzeitstudien haben mir geholfen, Antworten zu finden."

Alterskompetenz: "Was sagen Sie Leuten, die Sie nach einem Rezept für langjährige gute Beziehungen fragen?"

Perrig-Chiello: "Es gibt kein Rezept! Aber es gibt viele Wege, um glücklich zu werden in langjährigen Beziehungen. Es braucht ein bisschen Glück, aber man kann dem Glück auf die Sprünge helfen. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass man sich gemeinsam weiterentwickeln darf, ohne dabei die eigene Weiterentwicklung aus den Augen zu verlieren. Damit die Beziehung lebendig bleibt. Die eigenen Freiräume erhalten, aber immer wieder zurückfinden zu den gemeinsamen Projekten und den gemeinsamen Zielen."

Alterskompetenz: "Glauben Sie, dass die Digitalisierung Beziehungen auf lange Sicht verändern wird?"

Perrig-Chiello: "Ich glaube schon, dass die Digitalisierung eine neue Dynamik hineinbringen wird. Auf der anderen Seite haben wir psychologische Momente, die gleichbleibend sind. Das ist der Wunsch nach Vertrauen, nach Treue, nach Exklusivität. Das wird sich nicht verändern. Die neuen Rahmenbedingungen machen es allerdings nicht einfacher."

Das Interview führte Ria Hinken für Alterskompetenz.

Bis dass der Tod uns scheidet?

Wenn die Liebe nicht mehr jung ist

WaruBuchcover "Wenn die Liebe nicht mehr jung ist"m viele langjährige Partnerschaften zerbrechen und andere nicht

von Pasqualina Perrig-Chiello

ISBN: 9783456855875
2017, 232 Seiten,, € 24,95,

eBook: PDF & EPUB 21,99

hogrefe

 

 

Das Motto der diesjährigen Veranstaltung lautete „Bildung und Integration“.

Am 15. und 16. Februar 2017 fand in Berlin das 6. Berliner Demografie Forum in den Räumen der *ESMT statt.

Bildung ist ein maßgeblicher Faktor gesellschaftlicher Partizipation. Ziel war es, vor dem Hintergrund des demografischen Wandels die Rolle des Lernens und das Ausschöpfen von Integrationspotentialen besser zu verstehen und Handlungsoptionen abzuleiten.

Der Wandel der Arbeitswelt muss durch nachhaltige Qualifikation und

Prof. Dr. Volker Deville, Allianz Deutschland AG/Universität Bayreuth

begleitet werden. Zum einen wird dadurch die Integration in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft erleichtert, zum anderen wird die soziale Verantwortung der Menschen gestärkt.

In diesem Jahr waren weniger TN vor Ort

Dazu sind wir mit hochrangigen deutschen und internationalen Experten in einen Diskurs getreten und haben u.a. folgende Fragen diskutiert:

  • Wie können junge und ältere Frauen und Männer zukunftsweisend aus- und weitergebildet werden?
  • Wie muss sich die Berufsorientierung ändern, um die Potentiale der Menschen in Europa besser zu nutzen?
  • Welche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, um die Potentiale der Menschen außerhalb Europas besser zu nutzen?
  • Welche Rolle spielen die demografischen Faktoren Gesundheit und Pflege für eine gelingende Bildung und Integration?
  • Wie stoppen wir die Polarisierung der Gesellschaft?

Viele Lösungsansätze wurden aufgezeigt. In wie weit sich diese in den nächsten Jahren realisieren lassen, müssen wir abwarten. Neben der Integration von Geflüchteten ist die immer älter werdende Gesellschaft ein langfristiges Projekt. An manchen Stellen lassen sich die beiden miteinander verknüpfen. Hierfür braucht es neben dem ehrenamtlichen Engagement auch staatliche Unterstützung.

Experten diskutierten über Herausforderungen des weltweiten demografischen Wandels

Moderne Demografie-Forschung beschränkt sich nicht nur auf das Messen vonGeburts- und Sterberaten. Sie untersucht auch die Auswirkungen des demografischen Wandels unter anderem auf Familien, Arbeitswelt, Gesundheit und Migration. Über wichtige Trends und Herausforderungen sowie mögliche Lösungen diskutierten Experten aus über 20 Ländern beim 6. Berliner Demografie-Forum.

Dabei ging es auch um die Frage, welche schulischen und beruflichen Qualifikationen junge Menschen, ältere Arbeitnehmer und Geflüchtete in der digitalisierten Arbeitswelt von heute und morgen brauchen. Die Teilnehmer*innen

des Demografie-Forums wollten dazu beitragen, Antworten auf die Heraus-forderungen des weltweiten demografischen Wandels zu finden.

In seiner Eröffnungsrede betonte der Vorstandsvorsitzenden der Allianz Deutschland AG, Manfred Knof, dass gerade in Zeiten einfacher Antworten eine „fundierte Auseinandersetzung mit demografischen Fragen wichtiger denn je“ sei. Zu den Herausforderungen gehörten die langfristige Sicherung der finanziellen

Versorgung im Alter, die Aus- und Weiterbildung, die Finanzierung von Gesundheit und Pflege sowie die Integrationsanstrengungen infolge verstärkter Migration.

„Bildung ist der Schlüssel zu Integration. Der Begriff Integration beschränkt sich nicht nur auf die Themen Flucht, Vertreibung, Migration oder

Rechts im Bild: Prof. Jörg Rocholl, PhD, ESMT

Einwanderung. Integration ist für mich vielmehr ein Fremdwort für `Zukunft sehen` und betrifft nicht nur Geflüchtete, sondern alle Menschen, die in diesem Land leben “, sagte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie in seiner Eröffnungsrede.

Immer wieder stellt sich auch die Frage, ob ein Weiterarbeiten in der Rente eine Option ist. Und wenn ja, für wen? Für Menschen mit geringer Rente ist es meist eine Notwendigkeit. Für besser gestellte Rentner hingegen eher eine lustvolle Herausforderung. Hier müssen für die Zukunft allerdings neue Arbeitsmodelle entworfen und ausprobiert werden. Und hierzulande brauchen wir dafür auch einen verbindlichen Rahmen. Dürfen z. B. Beamte nach der Pensionierung für den Staat als Angestellte weiterarbeiten? Ist man auch weiterhin bei seiner Berufsgenossenschaft versichert? Sollte eine Pauschale an die Sozialkassen abgeführt werden, um den nachfolgenden Generationen die Rente zu sichern? Drei Beispiele, die stellvertretend für viele noch offene Fragen stehen.

Es gibt also noch viel Diskussionsbedarf für die kommenden Jahre.

Wir waren für Sie vor Ort: Ria und Hans Hinken

Was ist das Berliner Demografie Forum? Wer sind die Akteure?

Das Berliner Demografie-Forum ist eine parteiübergreifende, internationale Debattenplattform zum Thema demografischer Wandel. Das Forum führt internationale Akteure aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um gemeinsam Lösungsansätze zu diskutieren und zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Hiermit soll auch die Bedeutung demografischer Einflussfaktoren in einer breiteren Öffentlichkeit verankert werden.

*ESMT = European School of Management and Technology

Zeit zu handeln

Während Wissenschaft und Politik die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Rentenkassen bereits intensiv diskutieren, werden die Folgen für die Steuereinnahmen meist ausgeblendet. Das könnte fatal sein, warnt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und zeigt in einer Studie Gegenmaßnahmen auf.

05275338Noch ist in Deutschland kaum etwas vom demografischen Wandel zu merken: Die Bevölkerung wächst und die Zahl der Arbeitnehmer liegt auf Rekordniveau. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass gegenwärtig mehr Menschen nach Deutschland kommen, als das Land verlassen. Davon profitiert auch das deutsche Renten- und Steuersystem: Laut IW-Berechnungen fließen im Jahr 2024 real drei Milliarden Euro mehr in die Steuerkasse als heute.

05275806Doch das wird nicht so bleiben. Die Altersstruktur in der Bevölkerung verändert sich in den kommenden Jahrzehnten grundlegend; das Verhältnis von Rentnern zu Berufstätigen steigt von derzeit 1:3 auf 1:2 im Jahr 2035. In 20 Jahren müssen also zwei Berufstätige einen Rentner finanzieren. Das hat Folgen für den Fiskus: 2035 werden die Steuereinnahmen gemessen in heutigen Preisen um 18 Milliarden Euro geringer ausfallen als derzeit, rechnen die IW-Experten vor.

05288224 05275632Die Politik muss die aktuellen Haushaltsüberschüsse nutzen, um Rücklagen für die kommenden Jahre zu bilden, etwa in Form eines Demografie-Fonds, fordert IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt. Damit könnten die finanziellen Folgen des demografischen Wandels abgefangen werden. Zudem müsse die Frage beantwortet werden, welche öffentlichen Leistungen die Gesellschaft langfristig benötigt und wie diese finanziert werden können. „Die Zeit drängt“, erklärt Bardt. Die hohe Nettozuwanderung verschiebe die negativen Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Steuereinnahmen zwar um einige Jahre. „Die Politik hat aber nur noch zwei Legislaturperioden Zeit, die Weichen so zu stellen, dass die simulierten Ergebnisse nicht Realität werden.“

Studie zum Download iw-trends_2016-03-05_steuereinnahmen_demografie

Blog mit viel Input zum Thema demografischer Wandel bleibt

EY_ALTER_7603_∏_Daimler_AG_Universum©_BremenNach 10 Monaten Laufzeit mit vielen begeisterten Besuchern verabschiedet
sich die erfolgreiche Sonderausstellung EY ALTER – Du kannst dich mal
kennenlernen aus dem Universum® Bremen. „Mit dem besonderen Thema
dieser Sonderausstellung und einem umfangreichen Begleitprogramm für jede
Altersstufe konnten wir allen Besuchern interessante neue Blickwinkel auf den
demografischen Wandel eröffnen,“ freut sich Geschäftsführer Dr. Herbert
Münder. Besonders die Stationen zur Erkundung des eigenen Potenzials kamen
gut beim Publikum an.

Auf das vom Mercedes-Benz Werk Bremen initiierte Projekt zur Fragestellung,
wie Jung und Alt künftig zusammenarbeiten können, sprangen weitere Partner
auf: die IG Metall Küste und Nordmetall. Die Jacobs University Bremen
begleitete die Ausstellungskonzeption wissenschaftlich. Als Netzwerkpartner
kamen die Arbeitnehmerkammer Bremen, die Handelskammer Bremen und die
Handwerkskammer Bremen, die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH, der
Industrie-Club Bremen e.V., das DemografieNetzwerk Nordwest, i2b und WDN –
WISE Demografie Netzwerk hinzu. Sie unterstützten u.a. mit eigenen
Veranstaltungen das Begleitprogramm.

„Für Mercedes-Benz ist die Ausstellung ein voller Erfolg. Es ist klasse, dass wir
hier die Initialzündung für eine positive und praxisnahe Auseinandersetzung mit
den Chancen des demografischen Wandels setzen konnten und die
Ausstellung jetzt nach Stuttgart ins Mercedes-Benz Museum geht“, so
Projektleiterin Sylvia Hütte-Ritterbusch. EY ALTER wurde bereits mehrfach
ausgezeichnet, u.a. mit dem Human Resources Excellence Award 2015. Sowohl
in der Kategorie „Chancengleichheit im Beruf“ als auch in der begehrten
Sonderkategorie „HR Innovation des Jahres“ belegte EY ALTER den ersten
Platz.

Auch wenn die Ausstellung für zwei Monate ihre Tore schließt, auf dem Blog EY
ALTER finden Interessierte regelmäßig neue Beiträge und wegweisende Best
Practice Beispiele zum Thema „Jung & Erfahren – Teams von morgen“:
www.eyalter.com

ALTERN MIT KÖPFCHEN

„Alter ist Kopfsache“ heißt es, doch wie hängt Intelligenz eigentlich mit dem
Alter(n) zusammen?

141_1_EY_ALTER_7165__Daimler_AG_Universum_Bremen.jpgEs sind nicht die Köpfe, die alt sind, sondern die darin verankerten Bilder. Altern
wird oft mit Verfall und Abbau gleichgesetzt. Dabei geht das Altern mit
ständiger Entwicklung einher und so entwickeln sich auch die kognitiven
Leistungen mit. Jung und schlau, alt und dumm? Weit gefehlt.

Was sagt die Wissenschaft?

Einen Paradigmenwechsel läutete 1971 der US-amerikanisch Psychologe
Raymond Bernard Cattell mit dem Zwei-Faktoren-Modell, einem
Kompensationsmodell ein. Er unterscheidet dabei zwischen fluider und
kristalliner Intelligenz.  1 Doch was bedeutet das genau?

1 Vgl. http://library.mpib-berlin.mpg.de/ft/pb/PB_Life_2006.pdf

Bei der fluiden Intelligenz dreht sich alles um die Geschwindigkeit der
Informationsverarbeitung. Das Gedächtnis, die räumliche Orientierung und das
logische Denken – beispielsweise zum Erkennen von Lösungsstrategien – sind
hier angesiedelt. Im Kindes- und Jugendalter nimmt die fluide Intelligenz so
richtig Fahrt auf. Allerdings ist sie eher ein Kurzstreckensprinter, denn bereits
ab circa Mitte zwanzig beginnt die fluide Intelligenz abzufallen.

Ihr Partner die kristalline Intelligenz übernimmt hier den Staffelstab und legt
den restlichen Lebenslauf in Sachen Intelligenz zurück. Kristalline Intelligenz
basiert auf gesammelten Erfahrungen und erworbenem Wissen. Sie zeigt sich in
der Größe des Wortschatzes sowie der Lese- und Schreibfertigkeit. Aha! Aus
diesem Grund hat Opa so ein schier unerschöpfliches Allgemeinwissen. Die
kristalline Intelligenz wächst fast ein Leben lang und fällt erst im hohen Alter
etwas ab. Das Zusammenspiel von fluider und kristalliner Intelligenz bewirkt
große Resultate, schließlich ergänzen sich beide wunderbar.

Und was heißt das für die Arbeitswelt?

In vielen Berufsfeldern wird bereits die Bereicherung durch altersgemischte
Teams und damit der Herstellung einer Balance zwischen fluider und kristalliner
Intelligenz erkannt, denn sie führt nachgewiesen zum bestmöglichen Ergebnis.
Jeder bringt die ihm innewohnenden Qualifikationen und Erfahrungen im Sinne
des Gesamtergebnisses mit ein.

Alter erfahren und entdecken

Manchmal verschwimmen auch die Grenzen, denn was bedeutet es überhaupt
jung zu sein und wann gilt man als alt? Welche Rolle spielt das Denkvermögen
beim Altern?

 

ErneahrungsfragebogenGeriatrie FAQsEs gibt immer mehr alte Menschen. Und der Mensch wird immer älter. Zwei Fakten, die als „demografischer Wandel“ mittlerweile jedem ein Begriff sind. Und alte Menschen, das steht fest, bedürfen besonders häufig ärztlicher Hilfe. So sehen sich bereits heute alle Gebiete der Medizin mit einer zunehmenden Zahl alter und sehr alter Patienten konfrontiert. Doch welcher Arzt ist auf die Behandlung sehr alter Menschen spezialisiert? Schließlich hat auch der Hochbetagte den Anspruch und das Recht, von Spezialisten behandelt zu werden. Was also ist ein Geriater?
Anlässlich des ab morgen in Halle an der Saale stattfindenden größten deutschsprachigen Altersmedizinkongresses, möchte die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie mit einigen Antworten auf wichtige Fragen verdeutlichen, wie die Geriatrie zur Optimierung der Versorgung sehr alter Patienten beitragen kann. Eine Positionierung in der Krankenversorgung, Einordnung in den Fächerkanon und eine Definition des Aufgabenspektrums.

Häufige Fragen an die Altersmedizin:

Welche Patienten behandeln Geriater?
Bei einem Teil akut erkrankter alter Patienten treten spezifische Krankheitserscheinungen in den Hintergrund. Das klinische Bild wird aufgrund alterstypischer Multimorbidität und Vulnerabilität durch funktionelle Defizite und/oder durch Störungen primär nicht betroffener Organsysteme dominiert. Ein typisches Beispiel wäre ein hochbetagter, kognitiv eingeschränkter Patient mit einer höhergradigen Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz Stadium 4-5 und einer schweren Polyarthrose, der in Folge einer Dekompensation gestürzt war oder immobil wurde. Durch Verlust seiner Alltagskompetenz hat er Hilfebedarf bei den Aktivitäten des täglichen Lebens wie Nahrungsaufnahme, An- und Auskleiden, Kontinenz, Körperhygiene, etc. Weitere Komplikationen sind zu befürchten: Hospitalinfektionen, erneute Stürze, Delir, Mangelernährung etc. Die funktionellen Einbußen können bereits zu Beginn einer Erkrankung oder aber im Verlauf die diagnostischen und therapeutischen Bemühungen bestimmen.

Was sind Ziele und Besonderheiten geriatrischer Arbeit?
Es ist vorrangiges Ziel der Geriatrie, diese „geriatrischen Patienten“ zu identifizieren, dem funktionellen Abbau und der Beeinträchtigung des gesamten Organismus entgegenzuwirken und das bisherige Niveau an Autonomie zu erhalten oder wiederzustellen. Wegen der komplexen Situation dieser Patienten nutzt der Geriater zusätzlich zu den klassischen ärztlichen Untersuchungsmethoden das geriatrische Assessment, um alterstypische Multimorbidität, funktionelle Defizite, aber auch mentale und psychische Probleme sowie das soziale Umfeld des Patienten abzubilden, die multiprofessionelle Therapie im therapeutischen Team zu planen, zu leiten und die Ergebnisse der Behandlung zu überprüfen. Für diese Arbeit ist die kontinuierliche Vorhaltung geriatriespezifischer Ressourcen hinsichtlich Ausstattung und Personal sowie eine auf den geriatrischen Patienten fokussierte Organisation in der Abteilung oder Praxis notwendig.

Worin besteht der theoretische Hintergrund geriatrischer Arbeit?
Wegen der altersbedingt eingeschränkten Organreserven reagieren betagte Patienten auf unterschiedliche Auslöser häufig mit ähnlichen Reaktionsmustern. Diese werden als geriatrische Syndrome bezeichnet wie Sturz und Immobilität, Inkontinenz, Mangelernährung, Sarkopenie, Frailty/Gebrechlichkeit, Exsikkose, chronischer Schmerz, Delir u. a. Aufgrund ihrer multikausalen Verursachung unterscheiden sich diese vom klassischen Syndrom-begriff. Eine Behandlung muss sowohl die Auslöser aber auch die Reaktionen der verschiedenen Organsysteme im Kontext der Multimorbidität berücksichtigen. Dazu bedarf es der Priorisierung einer Multimedikation ergänzt durch nicht-medikamentöse Therapieformen wie Krankengymnastik, Ergotherapie, Sprach- und Schlucktherapie sowie soziale Maßnahmen.

Was muss ein Geriater können?
Neben dem multidisziplinären geriatrischen Assessment, der Kenntnis geriatrischer Syndrome sowie der Planung und Leitung des multiprofessionellen Teams, muss der Geriater vor allem gute differentialdiagnostische und pharmakologische Kenntnisse vorweisen. Unter Berücksichtigung der häufigsten chronischen Alterskrankheiten wie Hypertonie, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern, koronare Herzerkrankung, Diabetes mellitus , chronische Atemwegserkrankungen, Durchblutungsstörungen, Niereninsuffizienz, Mangelernährung, Anämie, Arthrose, Osteoporose, Demenz, Depression, chronische Schmerzen u. a. wird deutlich, dass der Geriater über umfassende Kenntnisse und Fertigkeiten in der Inneren Medizin, ergänzt durch Aspekte anderer Fachgebiete verfügen muss. Hierzu gehören beispielsweise die Beurteilung von EKG, Langzeit-EKG und –Blutdruckmessung, Spirometrie, Endoskopie inkl. PEG-Anlage, Sonographie inkl. Duplexdiagnostik, Echokardiographie, Doppler-Druck-Messung, Schluckdiagnostik, Beurteilung von Standard- Röntgenuntersuchungen u.a. Eine qualifizierte Geriatrie ist zudem ohne Kenntnisse der internistischen Intensivmedizin nicht machbar. Spezielle Techniken wie EEG, ENG, CT, Herzkatheter und andere sind wichtige Ergänzungen in der Hand des konsiliarisch hinzugezogenen Organspezialisten.

Womit beschäftigt sich geriatrische Forschung?
Die Kompression der Morbidität mit Erhalt der Autonomie bis ins hohe Alter stellt das übergeordnete Ziel geriatrischer Forschung dar. Grundlagen-orientierte Schwerpunkte (Alternsforschung) umfassen beispielsweise die Bereiche Sarkopenie, Frailty, Immunologie und körperlicher Aktivität/Ambient Assisted Living. Neben der Präzisierung des geriatrischen Assessments erlangen aktuell vor allem Themen im Bereich der Mangelernährung, des körperlichen Trainings auch von Demenzpatienten, der Sturzprävention und der Polypharmazie (Interaktionen, Einschätzung neuer Medikamente etc.) klinisch Relevanz. Die wachsende Qualität kommt auch in einer Aufwertung der Publikationsorgane zum Ausdruck (steigende Impact Faktoren/ Reichweiten). Wesentliche Elemente geriatrischer Arbeit konnten zudem auf hohem Evidenzlevel bestätigt werden. Prominentes Beispiel ist der positive Effekt einer Assessement-basierten geriatrischen Behandlung auf Funktion und überleben der Patienten im Vergleich zu einer herkömmlichen Behandlung (Cochrane Database Syst Rev. 2011 Jul 6;(7):CD006211).

Wo werden Geriater benötigt?
Krankheitsspezifische und funktionsorientierte Maßnahmen müssen sich bei der Behandlung alter, multimorbider Patienten sinnvoll ergänzen. Deshalb ist es zweckmäßig, dass Geriater auf unterschiedlichen Ebenen der medizinischen Versorgung in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden.
Hochbetagte Patienten werden selbstverständlich nach den krankheitsspezifischen Leitlinien in den jeweiligen (Organ-)Abteilungen versorgt. Wenn jedoch Funktionsdefizite oder alterstypische Multimorbidität das klinische Bild bestimmen, können gleich zu Beginn oder im Verlauf einer akuten Erkrankung geriatrische Maßnahmen wie Assessment, multiprofessionelle Therapie und Rehabilitation in den Vordergrund rücken. Jeder Mediziner, der alte Patienten behandelt, sollte das Primat einer funktionserhaltenden Behandlung zum richtigen Zeitpunkt erkennen. Der Geriater muss gewährleisten, seine Therapie bedarfsweise zu Gunsten einer gezielten Intervention (etwa einer sofortigen PTA, einer Hüft-TEP, einer Krisenintervention bei schwerer Psychose, einer Lyse bei cerebraler Ischämie etc.) zurückzustellen oder zu unterbrechen. Dies stellt auch im aktuellen DRG-System für alle Beteiligten eine optimale Versorgungsform dar, da die übernahme der Patienten zur geriatrischen Komplexbehandlung die Verweildauer in den verlegenden Abteilungen verkürzt. Zudem können viele Hochbetagte durch Erhalt ihrer vorbestehenden Alltagskompetenz ins gewohnte Umfeld entlassen werden.
Für die ambulante Medizin gilt, dass alte Patienten natürlich von Ihren Haus- und Fachärzten behandelt werden. Erst wenn umfassende Diagnostik und Therapie zur Aufrechterhaltung von Teilhabe und Autonomie notwendig werden oder komplexe Fragestellungen aus Multimorbidität und Polypharmazie resultieren, sollten Geriater wie andere spezialisierte Fachärzte auf überweisung tätig werden.

Wie will sich die Geriatrie im Fächerkanon einordnen?
In den meisten europäischen Ländern ist Geriatrie ein eigenständiges Fach oder ein Schwerpunkt in der Inneren Medizin. In Deutschland ist sie als Schwerpunkt in der Inneren Medizin bereits in 3 Bundesländern (Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt) anerkannt. Da die Behandlung der häufigsten alters-assoziierten Erkrankungen Kenntnisse und Fertigkeiten der internistischen Basisweiterbildung voraussetzen und die meisten geriatrischen Kliniken (vor allem im Akutbereich) internistischen Abteilungen zugeordnet sind, ist ein Facharzt nur als Schwerpunkt in der Inneren Medizin (neben Gastroenterologie, Rheumatologie, Kardiologie etc.) sinnvoll. Für Fachbereiche mit hohem Anteil betagter Patienten wie der Neurologie, der Psychiatrie oder der Allgemeinmedizin, wird wie bisher eine fachbezogene klinische Zusatzweiterbildung in Geriatrie erhalten bleiben. Kurse zur Geriatrischen Grundversorgung sollten für alle Ärzte insbesondere in der ambulanten Versorgung angeboten werden.
Geriatrie verfügt nach der Kardiologie mittlerweile über die zweitgrößte Anzahl von spezialisierten internistischen Betten in deutschen Krankenhäusern. Die Geriater sind in die Bereitschaftsdienste der jeweiligen Kliniken und, wenn vorhanden auch in die internistische Notaufnahme integriert. Die frühzeitige und kontinuierliche Einbindung geriatrischer Kompetenz in die Behandlungsabläufe wird die Qualität der Versorgung hochbetagter, multimorbider Patienten steigern. Es ist nicht Ziel der Etablierung des Fachgebietes Geriatrie, alle alten Patienten zu behandeln oder Spezialisierungen in den jeweiligen Organfächern für den alten Menschen zu kopieren.

Das Papier wurde von folgenden Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) erarbeitet und konsentiert: M. Denkinger (Ulm), V. Goede (Köln), W. Hofmann (Neumünster), A. Kwetkat (Jena), M. Meisel (Dessau), R. Püllen (Frankfurt), Ralf-Joachim Schulz (Köln), U. Thiem (Herne).