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Demografischer Wandel in Deutschland:

„Wir brauchen mehr lokale Daten zur Versorgung alter Menschen“fordert die Deutschen Gesellschaft für Geriatrie

(23.08.2018) Wie müssen Ärzte, Pflegekräfte und Angehörige am besten
zusammenarbeiten, um betagte Patienten zu versorgen? Dieser Frage widmet
sich die Versorgungsforschung. Warum sie gerade für das Wohlergehen alter
Menschen essenziell ist, erläutert Professor Cornel Sieber in seiner Keynote
„Stand der Versorgungsforschung in der Geriatrie“ beim Gerontologie- und
Geriatrie-Kongress in Köln. Dazu laden die Deutschen Gesellschaft für Geriatrie
(DGG) sowie die Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG)
vom 6. bis 8. September auf den Campus der Universität zu Köln ein. Cornel
Sieber leitet das Institut für Biomedizin des Alterns an der Friedrich-Alexander-
Universität Erlangen-Nürnberg. „Ich wünsche mir mehr Forschungsvorhaben aus
der Geriatrie“, sagt er. Im Interview erklärt der Geriater, welche Relevanz die
Ergebnisse für die ärztliche und pflegerische Praxis haben.

Herr Prof. Sieber, wo steht Deutschland bei der Versorgungsforschung in der
Geriatrie?

Wir sind im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nicht sehr weit vorn. Aber wir
sind auch nicht abgehängt. Das Problem der Versorgungsforschung ist, dass sie sehr
kontextspezifisch ist. Wir können also nicht einfach Ergebnisse aus anderen Ländern
auf Deutschland übertragen, sondern müssen diese Daten selbst lokal erheben.

Warum ist das denn insbesondere ein Thema für die Geriatrie?

In einer Gesellschaft des demografischen Wandels, wo die Versorgung für Betagte und
Hochbetagte ein Topthema ist, brauchen wir wissenschaftliche Daten, um
Versorgungsstrukturen gut planen und implementieren zu können. Gerade der
vulnerable alte Mensch beansprucht im Gesundheitswesen überproportional viele
Ressourcen. Häufig ist seine Selbstständigkeit gefährdet und er benötigt eine komplexe
Behandlung, an der viele Akteure beteiligt sind, die gut zusammenarbeiten müssen für
ein optimales Ergebnis.

Wo liegen aus Ihrer Sicht die wichtigsten Forschungsgebiete?

Ganz klar an den Schnittstellen rund um die Versorgung von multimorbiden Patienten
im Akutkrankenhaus. Bei der Einlieferung in die Notaufnahme entsteht häufig ein
riesiger Informationsverlust. Wie können sich Krankenhaus und niedergelassene Haus-
und Fachärzte besser absprechen, um das zu verhindern? Es folgt das
Überleitungsmanagement bei der Entlassung. Viele dieser multimorbiden alten
Menschen verlassen das Krankenhaus, wenn das akute Problem recht gut versorgt ist.
Aber dann funktioniert die Nachsorge häufig nicht und die Patienten kommen rasch mit
dem gleichen Problem wieder ins Krankenhaus. Hierzu leite ich selbst gerade ein
Forschungsprojekt mit dem Titel TIGER – Transsektionales Interventionsprogramm zur
Verbesserung der Geriatrischen Versorgung in Regensburg.

Was kann Versorgungsforschung denn hier leisten?

In dem Projekt begleiten Pflegefachpersonen den Übergang vom Krankenhaus zur
Versorgung zu Hause. Wir nennen sie „Pfadfinder“. Diese Pfadfinder besuchen die
Patienten auch zu Hause. Dort registrieren sie mögliche Verschlechterungen frühzeitig
und können zum Beispiel eine Konsultation beim Hausarzt koordinieren. Im Rahmen
dieser Studie untersuchen wir, ob sich mit diesem Versorgungsmodell die
Wiedereinweisungsrate senken lässt. Im besten Fall senkt das Kosten und finanziert
somit die Pfadfinder. Auch das ist keine neue Idee, sie heißt „Transitional Care Model“.
Aber dass dieses Modell in Kanada funktioniert, genügt eben nicht. Wir müssen es hier
bei uns ausprobieren.

Was können Kongress-Besucher, die Ihre Keynote gehört haben, in ihren
Häusern selbst umsetzen?

Im besten Fall überlegen sie gemeinsam mit ihrem Team, welches Forschungsprojekt
sie angehen wollen und wo sie dafür einen Antrag einreichen. Ich werde in meinem
Vortrag aufzeigen, dass die Förderlandschaft für die Versorgungsforschung in der
Geriatrie gut aufgestellt ist und die wichtigsten Fördertöpfe benennen.

Zur Person:

Prof. Dr. med. Cornel C. Sieber ist Direktor des Instituts für Biomedizin des Alterns an
der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg. Zudem arbeitet er als
Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus der
Barmherzigen Brüder in Regensburg. Nach Medizinstudium und Approbation lehrte und
forschte der gebürtige Schweizer an den Universitäten Basel und Genf, bevor er 2001
den Ruf an die FAU annahm. Von 2005 bis 2008 war Sieber Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Geriatrie und für die Amtszeit 2017/2018 Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Innere Medizin.

Termin:

Prof. Dr. Cornel Sieber

Keynote-Lecture: „Stand der Versorgungsforschung in der Geriatrie“

DGGG/DGG-Kongress

Hörsaalgebäude 105, Hörsaal B, Universität zu Köln

Donnerstag, 6. September 2018

10:45 bis 11:30 Uhr

Das Interview wurde nicht von uns geführt. Es gehört zu einer Pressemitteilung der DGGG/DGG

13. Café Scientifique am 14.11.2017 zur Bedeutung der Fruchtfliege für Hirnforschung, Gesundheitswesen und Technologie

Plakat zur Veranstaltung 13. Café Scientifique

 

Der vierte Preisträger ist die Fliege“, sagte Jeffrey C. Hall – kurz nachdem er mit Michael Rosbash und Michael W. Young 2017 den Nobelpreis für Physiologie und Medizin gewonnen hatte. Warum ist ihm die kleine Fruchtfliege so wichtig? Prof. Dr. Andrew Straw vom Institut für Biologie I an der Universität Freiburg erklärt, welche Rolle Drosophila melanogaster in bedeutenden Entdeckungen – wie die der biologischen Uhr durch die diesjährigen Nobelpreisträger – gespielt hat. Shaw stellt seine Forschung zur Neurobiologie der Navigation vor und diskutiert gemeinsam mit dem Publikum die Rolle  von Modellsystemen in der biologischen Forschung und die Relevanz des Nobelpreises.

Relevanz des Nobelpreises.

 

 

 

 

 

2013 waren 65 % der Ärztinnen und Ärzte in Praxen mindestens 50 Jahre alt

WIESBGesundheitspersonal nach Berufen; Beschäftigte mit ApprobationADEN – Ende 2013 waren 65 % der in Praxen tätigen Ärztinnen und Ärzte mindestens 50 Jahre alt. Gut ein Viertel (26 %) war bereits 60 Jahre und älter. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, war die Altersgruppe der mindestens 50-jährigen auch bei Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit 69 % sowie bei Zahnärztinnen und Zahnärzten einschließlich Kieferorthopädinnen und -orthopäden in den jeweiligen Praxen mit 50 % überdurchschnittlich stark vertreten. Im Vergleich hierzu hatten 2013 von den insgesamt 5,1 Millionen Beschäftigten im Gesundheitswesen 36 % ein Alter von mindestens 50 Jahren.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Beschäftigten im Gesundheitswesen 2013 um insgesamt 106 000 (+ 2,1 %) gestiegen. Zusätzliche Arbeitsplätze gab es vor allem in den Berufen der Gesundheits- und Krankenpflege, Rettungsdienst und Geburtshilfe (+ 29 000 oder + 3,0 %), der Altenpflege (+ 21 000 oder + 4,1 %), der Arzt- und Praxishilfe (+ 19 000 oder + 3,2 %) sowie der nichtärztlichen Therapie und Heilkunde (+ 15 000 oder + 4,2 %).

In der ambulanten Pflege ist das Personal mit einem Zuwachs von 12 000 (+ 4,2 %) stärker angestiegen als in der stationären- und teilstationären Pflege (+ 7 000 oder + 1,0 %). Überdurchschnittlich stark gewachsen ist auch das Personal in Praxen sonstiger medizinischer Berufe (hier arbeiten beispielsweise Physio- und Ergotherapeutinnen und -therapeuten) (+ 14 000 oder + 3,2 %). Ein unterdurchschnittliches Beschäftigungswachstum gab es hingegen in Arztpraxen (+ 6 000 oder + 1,0 %) und in Krankenhäusern (+ 17 000 oder + 1,6 %).

Von den 5,1 Million Beschäftigten im Gesundheitswesen waren im Jahr 2013 die Hälfte vollzeit-, 35 % teilzeit- und 15 % geringfügig beschäftigt. Die Zahl der auf die volle tarifliche Arbeitszeit umgerechneten Beschäftigten, die so genannten Vollkräfte, lag im Jahr 2013 bei rund 3,7 Millionen. Sie erhöhte sich gegenüber 2012 um 65 000, das entspricht einem Anstieg von 1,8 %.

Datenbasis ist die grundlegend revidierte Gesundheitspersonalrechnung des Statistischen Bundesamtes. Die Abgrenzung des Gesundheitswesens erfolgt in der Gesundheitspersonalrechnung nach dem Konzept des „System of Health Accounts“, welches von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) zum Zweck der internationalen Vergleichbarkeit empfohlen wird. Nach dieser Abgrenzung fließen Tätigkeiten aus dem Gesundheits-, Sozial- oder Umweltbereich dann ein, wenn sie primär der Sicherung, der Vorbeugung oder der Wiederherstellung von Gesundheit dienen.