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Glauben Sie, dass wir zu lange leben?

Wie lange junge Erwachsene leben wollen

Unser Leben wird immer länger – leben wir vielleicht „zu lange“? Bisher ist wenig darüber bekannt, wie lange die Menschen leben wollen, und die meisten der wenigen bestehenden Studien haben sich ausschließlich auf Erwachsene mittleren und älteren Alters konzentriert. Von jungen Erwachsenen wird erwartet, dass sie noch länger leben als die heutigen Generationen, und sie sind auch dabei, eine Reihe von Entscheidungen zu treffen und Verhaltensmuster festzulegen, die ihre zukünftige Entwicklung und Gesundheit dramatisch beeinflussen. Daher ist es wichtig zu verstehen, wie lange besonders junge Menschen leben wollen, warum einige junge Menschen länger leben wollen als andere und welche Folgen es haben kann, wenn man kürzer oder länger leben will.

Catherine E. Bowen, Solveig Glestand Christiansen, Anastasia Emelyanova, Elena Golubeva, Marcin Stonawski und Vegard Skirbekk haben eine Umfrage unter über 700 Studierenden in Österreich, Norwegen, Polen und Russland durchgeführt. Sie fragten die Studierenden, wie lange sie leben wollen (bevorzugte Lebenserwartung), wie lange sie leben wollen (subjektive Lebenserwartung) und wie lange sie denken, dass eine durchschnittliche Person gleichen Alters und Geschlechts leben wird (Glaube an die durchschnittliche Lebenserwartung der Kohorte). Insgesamt befragten sie 715 Studierende. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 22 Jahre alt. Eine knappe Mehrheit waren Frauen (58,3%).

Mehr als ein Fünftel will nicht älter als 80 Jahre werden

Die Forscher fanden heraus, dass ein Fünftel der Teilnehmer (21,2%) weniger als 80 Jahre alt werden wollte, während etwas mehr als die Hälfte (53%) ihre 80er oder 90er Jahre erleben wollte, und ein Viertel (25,8%) 100 oder mehr Jahre leben wollte. Im Gegensatz zu dem Stereotyp, dass junge Menschen glauben, dass sie für immer leben werden, haben die Teilnehmer im Großen und Ganzen eher unterschätzt, wie lange sie im Vergleich zu den jüngsten Prognosen wahrscheinlich leben werden. Die überwiegende Mehrheit (über 85%) der Teilnehmer wollte mindestens so lange leben, wie sie es erwarten und mindestens so lange wie ein durchschnittliches Kohortenmitglied. Die Unterschiede zwischen der tatsächlichen Lebenserwartung und der Lebenserwartung der Teilnehmer waren erheblich: Im Durchschnitt wollten die Teilnehmer etwa acht Jahre länger leben, als sie persönlich erwarten, und etwa 13 Jahre länger, als sie glauben, dass ein durchschnittliches Kohortenmitglied leben wird. Basierend auf diesen Ergebnissen kamen die Autoren zu dem Schluss, dass es keine Hinweise darauf gibt, dass junge Menschen glauben, dass sie „zu lange“ leben werden.

Junge Männer wollen länger leben als junge Frauen

Die Ergebnisse zeigten auch eine Reihe interessanter Länder- und Geschlechter-unterschiede. Wie in Abbildung 1 dargestellt, war die Kluft zwischen der Lebenserwartung und der Lebenserwartung der Teilnehmer besonders groß (ca. 10 Jahre) für Teilnehmer in Russland und Polen, d.h. den Ländern mit der niedrigsten Lebenserwartung in der Stichprobe. Obwohl Frauen meist länger leben als Männer, wollten männliche Teilnehmer mehrere Jahre länger leben als weibliche Teilnehmer (M = 91,34 Jahre bzw. 87,01 Jahre). Das Ausmaß des Geschlechtergefälles bei der bevorzugten Lebenserwartung war in den einzelnen Ländern ähnlich, obwohl das tatsächliche Geschlechtergefälle bei der Lebenserwartung in Österreich, Norwegen, Polen und Russland sehr unterschiedlich ist (z.B. ein Geschlechterunterschied in der Lebenserwartung von 4,1 Jahren in Norwegen gegenüber 11,4 Jahren in Russland).

Die Grafik zeigt die Verteilung der Antworten auf die Länder

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen auch mögliche Vorläufer und Folgen der bevorzugten Lebenserwartung junger Erwachsener auf. Besonders bemerkenswert ist, dass die Denkweise der Menschen über das Alter ein wichtiger Indikator dafür zu sein scheint, wie lange sie leben wollen, auch im jungen Erwachsenenalter. Interessanterweise waren Teilnehmer, die es vor ihrem 80. Geburtstag vorzogen zu sterben, eher bereit, täglich Tabak zu konsumieren und völlig körperlich inaktiv zu sein, als ihre Altersgenossen, die bis zu ihrem 80. oder 90. Lebensjahr leben wollten.

https://population-europe.eu/pop-digest/do-you-think-we-live-too-long

Anteil der 65jährigen hat sich stark erhöht

„Statistisches Jahrbuch 2018 – Aktiv im Alter“

Das Statistische Bundesamt (Destatis) informiert am 18. Oktober 2018 in Berlin über das „Statistisches Jahrbuch 2018 – Aktiv im Alter“.

Ältere Menschen spielen in Deutschland eine immer bedeutendere Rolle. Der Anteil der Personen ab 65 Jahren an der Gesamtbevölkerung hat sich in den letzten Jahrzehnten stark erhöht. Dies liegt auch an der weiter steigenden Lebenserwartung. Die gewonnenen Lebensjahre wollen Seniorinnen und Senioren – wenn es die Gesundheit zulässt – aktiv gestalten. Das Statistische Bundesamt (Destatis) gibt anhand der Daten des Statistischen Jahrbuchs einen Einblick in das Leben älterer Menschen. Dabei wird insbesondere die gesellschaftliche Teilhabe der Generation 65 plus betrachtet. Es werden unter anderem folgende Fragen beantwortet:

- Wie viele Menschen ab 65 Jahren gibt es in Deutschland? Und wie 
wird sich ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung in Zukunft verändern? 
In welchen Bundesländern ist die Alterung der Gesellschaft bereits 
besonders auffällig? 
- Wie viele ältere Menschen beteiligen sich noch am Erwerbsleben oder
bilden sich weiter?
- Wie gefährdet ist die Generation 65 plus im Straßenverkehr? 
- Wie nutzen Seniorinnen und Senioren das Internet?

Wir leben immer länger

Lebenserwartung für Jungen und Mädchen steigt weiter an

Museum f. Kommunikation, Berlin. Foto: Hans-J. Hinken

Museum f. Kommunikation, Berlin. Foto: Hans-J. Hinken

WIESBADEN – Die Lebenserwartung in Deutschland ist erneut angestiegen: Sie beträgt nach der auf die aktuellen Sterblichkeitsverhältnisse bezogenen Sterbetafel 2014/2016 für neugeborene Jungen 78 Jahre und 4 Monate und für neugeborene Mädchen 83 Jahre und 2 Monate. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, erhöhte sich die Lebenserwartung im Vergleich zur vorherigen Sterbetafel 2013/2015 für neugeborene Jungen und Mädchen um jeweils etwa 2 Monate.

Auch für ältere Menschen hat die Lebenserwartung weiter zugenommen. Nach der Sterbetafel 2014/2016 beläuft sich zum Beispiel die sogenannte fernere Lebenserwartung von 65-jährigen Männern mittlerweile auf 17 Jahre und 10 Monate. Für 65-jährige Frauen ergeben sich statistisch 21 weitere Lebensjahre. Im Vergleich zur vorherigen Sterbetafel 2013/2015 hat die fernere Lebenserwartung in diesem Alter damit bei den Männern um 1 Monat und bei den Frauen um 2 Monate zugenommen.

Auf der Ebene der einzelnen Bundesländer weist Baden-Württemberg bei beiden Geschlechtern die höchste Lebenserwartung Neugeborener auf: Für Jungen beträgt sie hier 79 Jahre und 6 Monate, für Mädchen 84 Jahre. Die niedrigsten Werte weisen mit 76 Jahren und 4 Monaten Jungen in Sachsen-Anhalt und mit 82 Jahren und 3 Monaten Mädchen im Saarland auf.

Methodische Hinweise
Die aktuellen Sterbetafeln des Statistischen Bundesamtes sind sogenannte Periodensterbetafeln. Sie basieren auf Daten zu den Gestorbenen und der Bevölkerung nach Einzelaltersjahren im Betrachtungszeitraum. Es handelt sich hierbei um eine Momentaufnahme der Sterblichkeitsverhältnisse der gesamten Bevölkerung für den jeweiligen Zeitraum. Die Lebenserwartung bei Geburt gibt an, wie lange Neugeborene den aktuellen Überlebensverhältnissen entsprechend durchschnittlich leben würden. Eine Prognose der zukünftigen Entwicklung der Lebenserwartung ist hierbei nicht eingeschlossen.

Lebenserwartung bei Geburt in Jahren für Deutschland und die Bundesländer nach der Sterbetafel 2014/2016

Quelle: Statistisches Bundesamt  Lebenserwartung bei Geburt in Jahren für Deutschland

Quelle: Statistisches Bundesamt

Deutsche sehen demographischen Wandel skeptisch

Gütersloh, 8. März 2018. Steigende Lebenserwartung und sinkende Geburtenraten: Die Deutschen sehen die Folgen dieses sogenannten demographischen Wandels mit Skepsis: Fast zwei Drittel (65 Prozent) verbinden damit vor allem Risiken. Nicht mal jeder Zehnte (8 Prozent) sieht darin Chancen für Deutschland. Auslöser dafür sind vor allem Sorgen um den Wohlstand und die Lebensqualität zum Lebensabend: Altersarmut, erhöhte Lebensarbeitszeiten und steigende Rentenbeiträge stehen bei den Deutschen ganz oben auf der Sorgenliste. Gleichzeitig zeigt sich: Immer mehr Menschen sind bereit, im Alter länger zu arbeiten. Die Motive dafür hängen allerdings von Einkommen und Bildungsgrad ab. Zu diesen Ergebnissen kommt eine repräsentative Bevölkerungsumfrage der Bertelsmann Stiftung. Dafür hat das Institut für Demoskopie Allensbach 1.400 Personen ab 16 Jahren zum Thema demographischer Wandel befragt.

Grafik_Umfrage-Demographischer-Wandel_Gesundheitliche-Gruende-gegen-Arbeiten-im-Alter„Die Umfrage zeigt deutlich, dass die Bürger den demographischen Wandel als einschneidenden Trend wahrnehmen, von dem sie starke Folgen für die Zukunft Deutschlands erwarten“, kommentiert André Schleiter, Studienleiter und Experte für Demographie bei der Bertelsmann Stiftung. Diese Folgen schätzen die meisten eher negativ ein: Seit 2014 hat sich die Zahl der Menschen erhöht, die den demographischen Wandel eher als Risiko für Deutschland wahrnehmen (2014: 55 Prozent; 2017: 65 Prozent). Gleichzeitig sehen immer weniger Bürger den Wandel als Chance (2014: 11 Prozent; 2017: 8 Prozent). Als erwartete Folgen des demographischen Wandels nennen die Deutschen besonders häufig: steigende Altersarmut (83 Prozent), einen späteren Renteneintritt (80 Prozent) und steigende Rentenversicherungsbeiträge (77 Prozent).

Trend: Akzeptanz für längere Lebensarbeitszeit steigt

Die Experten der Stiftung erkennen in der Umfrage aber auch eine wachsende Bereitschaft der Bevölkerung, sich mit längeren Lebensarbeitszeiten anzufreunden. Während zur Jahrtausendwende noch mehr als die Hälfte der berufstätigen Befragten (2002: 52 Prozent) früher als gesetzlich vorgesehen in den Ruhestand gehen wollte, hat sich ihr Anteil auf aktuell 25 Prozent mehr als halbiert. Dagegen hat sich die Anzahl der Berufstätigen, die über die Ruhestandsgrenze hinaus arbeiten wollen, im selben Zeitraum verdoppelt (2002: 5 Prozent, 2017: 12 Prozent). „Die Mehrheit der Befragten kann sich noch nicht mit einer Heraufsetzung des gesetzlichen Renteneintrittsalters anfreunden, aber ein Trend zur Akzeptanz eines längeren Berufslebens ist deutlich erkennbar“, erklärt André Schleiter. Dabei sind die Beweggründe für eine längere Erwerbstätigkeit von der sozioökonomischen Situation der Befragten abhängig: Je höher Qualifikationsniveau und Haushaltseinkommen, desto eher spielen Motive wie „Freude an der Arbeit“ und „Kontakt mit Menschen“ eine Rolle. Je niedriger Einkommen und Qualifikationsniveau, desto eher sehen die Befragten längeres Arbeiten als finanzielle Notwendigkeit und weniger als sinnstiftende Chance. Grafik_Umfrage-Demographischer-Wandel_Beweggruende-fuers-Arbeiten-im-Alter

Regelungen für Ruhestand sollten soziale Ungleichheiten nicht zementieren

André Schleiter, Projektleitung Um den unterschiedlichen Lebensläufen und Anforderungen an den Ruhestand gerecht zu werden, empfehlen die Stiftungsexperten für die Organisation des Übergangs in den Ruhestand möglichst passgenaue Lösungen: „Für die Gestaltung des Altersübergangs sind starre Regelungen fehl am Platz, weil sie den unterschiedlichen Lebenslagen in der Bevölkerung nicht gerecht werden. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass durch Einheitslösungen soziale Ungleichheiten weiter verstärkt werden“, mahnt André Schleiter. Denn wer ohnehin schon in prekären Jobs arbeite, wenig verdiene oder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten könne, werde durch pauschale Rentenregelungen noch weiter abgehängt. „Die Politik muss bei Reformen mit Bezug zum demographischen Wandel die sozialen Folgen sorgfältig im Blick behalten“, fordert Schleiter.

Zusatzinformationen

Das Institut für Demoskopie Allensbach interviewte im Auftrag der Bertelsmann Stiftung für diese Repräsentativbefragung insgesamt 1.454 Personen der deutschen Wohnbevölkerung ab 16 Jahren zu ihren Einschätzungen zum demographischen Wandel. Die Erhebung wurde zwischen dem 7. und 19. Oktober 2017 durchgeführt.

Neugeborene können älter als 90 Jahre werden

Neugeborene haben hohe Chancen älter als 90 Jahre zu werden

Wiesbaden (ots) – WIESBADEN – Setzt sich der Trend zu einem immer längeren Leben fort, dann könnten 2017 geborene Jungen durchschnittlich bis zu 90 Jahre, Mädchen bis zu 93 Jahre alt werden. Grundlage dieses Ergebnisses ist die höhere Variante der neu vorgelegten Modellrechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) für Kohortensterbetafeln der Geburtsjahrgänge von 1871 bis 2017. Nach der niedrigeren Variante würde die durchschnittliche Lebenserwartung für heute geborene Jungen 84 Jahre und für Mädchen 88 Jahre erreichen. Vor 100 Jahren geborene Jungen und Mädchen hatten im Durchschnitt lediglich eine Lebenserwartung von 55 beziehungsweise 62 Jahren.

Die Ergebnisse der Kohortensterbetafeln verdeutlichen die gestiegenen Chancen, ein hohes Alter zu erreichen. Nur etwa 54 % der Männer und 65 % der Frauen, die 1917 geboren wurden, sind mindestens 65 Jahre alt geworden. Von den 2017 Geborenen könnten dagegen bis zu 95 % der Jungen und 97 % der Mädchen dieses Alter erreichen. Das Alter von 90 Jahren würden dann immer noch rund 62 % der Männer und 73 % der Frauen erleben. Eine Chance 100 Jahre alt zu werden, hätten bis zu 16 % der 2017 geborenen Jungen und bis zu 22 % der heute geborenen Mädchen. Voraussetzung ist, dass der Trend zu einem immer längeren Leben anhält. Dieser ist eng mit weiteren Fortschritten in der Medizin, mit gesünderen Lebensstilen und einem steigenden Wohlstand der Bevölkerung verknüpft. Ereignisse mit negativen Auswirkungen auf die Lebenserwartung wie Kriege, Umwelt- oder Wirtschaftskatastrophen müssten ausbleiben.

Methodische Hinweise

Für die Berechnung von Kohortensterbetafeln werden die Sterbefälle und die Bevölkerungszahlen eines Geburtsjahrgangs über die Zeit hinweg betrachtet. Kohortensterbetafeln sind als Modellrechnung anzusehen, weil einerseits bei älteren Geburtsjahrgängen Datenlücken geschlossen und Gebietsveränderungen berücksichtigt werden müssen. Anderseits sind Schätzungen zur Sterblichkeit der Geburtsjahrgänge notwendig, deren Angehörige noch leben. Mit den Kohortensterbetafeln kann dann jedoch der Frage nachgegangen werden, welche durchschnittliche Lebenserwartung einzelne Geburtsjahrgänge unter Berücksichtigung der möglichen künftigen Entwicklung der Sterblichkeit erreichen können. Hierfür wurden zwei verschiedene Sterblichkeitstrends unterstellt. Diese lehnen sich an die beiden Annahmen zur Entwicklung der Sterblichkeit aus der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes an.

Eine Kohortensterbetafel unterscheidet sich von den sogenannten Periodensterbetafeln, die das Statistische Bundesamt in regelmäßigen Abständen veröffentlicht. Periodensterbetafeln bilden die durchschnittliche Lebenserwartung der gesamten Bevölkerung während bestimmter Kalenderjahre ab, zuletzt für den Zeitraum 2013/2015. Sie beruhen auf der Zahl der Gestorbenen und der Bevölkerung in diesem Zeitraum. Als Beschreibung der gegenwärtigen Sterblichkeitsverhältnisse sind sie unverzichtbar. Im Gegensatz zu den hier vorgelegten Ergebnissen aus Kohortensterbetafeln werden bei den Periodensterbetafeln jedoch keine Vorausschätzungen künftiger Sterblichkeitsverhältnisse berücksichtigt.

Vergleich der Lebenserwartung bei Geburt nach Jahrgängen

Quelle: Statistisches Bundesamt, 23.06.2017

Stimulation für das alternde Gehirn

Neurowissenschaftler zeigen das Potential von Gleichstrombehandlung

RTEmagicC_MP_Intro_01.JPGBerlin, 26.01.2015 Beeinträchtigungen bei der Wortfindung und anderen Sprachfunktionen gehören zu normalen Alterserscheinungen. Gleichzeitig können sie frühe Hinweise auf dementielle Erkrankungen und deren Vorstadien sein. Neurowissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten nun nachweisen, dass eine Gleichstromstimulation leichte kognitive Einschränkungen des alternden Gehirns verbessert. Die Ergebnisse der Untersuchung sind in der Zeitschrift Alzheimers & Dementia* veröffentlicht.

Weltweit wird die Bevölkerung durchschnittlich älter. Parallel steigt mit der höheren Lebenserwartung das Risiko, an Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz zu erkranken. Übergangsstadien zwischen normalem Altern und Demenz, sogenannte leichte kognitive Einschränkungen sind daher zu einem wichtigen Forschungsfeld geworden. Bisher zeigen medikamentöse Behandlungsformen bei beginnenden Leistungsminderungen des Gehirns kaum eine Wirkung. Dennoch bietet der lange Entstehungszeitraum von Demenz oder einer Alzheimererkrankung die Chance, frühzeitig therapeutisch einzugreifen.

Leichte elektrische Ströme, auf der Schädeldecke angewandt, aktivieren die darunter liegenden Hirnregionen. Nachgewiesen ist: Bei gesunden Menschen verbessert eine solche Hirnstimulation sowohl die Motorik als auch kognitive Funktionen, beispielsweise das Lernen. Auch altersbedingte Defizite lassen sich auf diese Weise beeinflussen. Forscher um Prof. Dr. Agnes Flöel von der Klinik für Neurologie der Charité konnten nun zeigen, dass eine Gleichstromstimulation die Fähigkeit zur Wortfindung bei Patienten mit leichten kognitiven Einschränkungen voranbringt. Gleichzeitig normalisieren sich entscheidende Verbindungen zwischen aufgabenrelevanten Hirnarealen. Die Funktionen nähern sich wieder dem Zustand des gesunden alternden Gehirns.

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass eine wiederholte Stimulation des Gehirns das Voranschreiten dementieller Erkrankungen verzögern könnte: »Gesunde und bereits erkrankte Menschen reagieren gleichermaßen auf die Gleichstrombehandlung. Das deutet auf ein großes Potential hin, auch bei Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen Lernen und Gedächtnisbildung zu verbessern«, betont Agnes Flöel. Möglicherweise lässt sich die Leistung des Gehirns durch wiederholte Anwendung und in Kombination mit kognitivem Training dauerhaft wieder steigern. Genau dies prüfen die Forscher in aktuell laufenden Studien. Ziel ist es, eine langfristige Verbesserung in alltagsrelevanten Funktionen, wie beispielsweise der Orientierung in einer neuen Stadt, zu erreichen. Künftig sollen zudem heimbasierte Trainings- und Stimulationsverfahren zur Anwendung kommen.

*Marcus Meinzer, Robert Lindenberg, Mai Thy Phan, Lena Ulm, Carina Volk, Agnes Flöel: Transcranial direct current stimulation in mild cognitive impairment: Behavioral effects and neural mechanisms, Alzheimer’s & Dementia, 20. Nov. 2014. doi: 10.1016/j.jalz.2014.07.159.

Fit im Alter – Wie geht das?

Öffentlicher Vortrag am 25. Oktober 2014 in Freiburg

Am Samstag, den 25. Oktober 2014, findet um 11.15 Uhr im Hörsaal 1010 der
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Kollegiengebäude I, Platz der
Universität 3, Freiburg) ein öffentlicher Vortrag zum Thema „Fit im Alter –
Wie geht das?“ statt.

Dr. Bernhard Heimbach, Ärztlicher Leiter des Zentrums
für Geriatrie und Gerontologie Freiburg (ZGGF) am Universitätsklinikum
Freiburg, wird zu Interessierten Hörerinnen und Hörern sprechen. Die
Veranstaltung ist Teil der Vortragsreihe “Prävention – für ein gesundes
Leben” des Instituts für Prävention und Tumorepidemiologie am
Universitätsklinikum Freiburg. Der Eintritt ist frei.

Der Anstieg der Lebenserwartung setzt sich unvermindert fort: von den heute
Geborenen werden weit über die Hälfte ein Alter von 80 Jahren und mehr
erreichen. Durch den demografischen Wandel wird schon in wenigen Jahren ein
Drittel der Bevölkerung älter als 60 Jahre alt sein. Diese Entwicklung hin
zu einer Gesellschaft des langen Lebens findet zunehmend Beachtung – auch
in der medizinischen Vorbeugung und  Gesundheitsförderung.

Der Vortrag informiert darüber, wie der persönliche Lebensstil und die
Lebensgewohnheiten auf das Wohlbefinden im höheren Lebensalter Einfluss
nehmen. Wie kann ich mich frühzeitig schützen, um schweren Krankheiten
vorzubeugen? Wie sind persönliche Risikofaktoren, wie Rauchen,
Bluthockdruck, erhöhter Blutzucker zu bewerten? Was kann ich tun, um dem
Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit und körperlicher Behinderung zu
begegnen, um möglichst lange fit zu bleiben? Im Anschluss an den Vortrag
können Fragen gestellt werden.