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Arbeitgeber haften vielfach gegenüber Mitarbeitern bei betrieblicher Altersversorgung * - Welche Hinweis-, Aufklärungs- und Beratungspflichten den Arbeitgebern auferlegt sind ? – Der Mitarbeiter bemerkte erst nach Auszahlung der bAV, daß auf diese noch Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung(GKV) zu bezahlen waren.

Welche Hinweis-, Aufklärungs- und Beratungspflichten den Arbeitgebern auferlegt sind ? –

Der Inhalt dieses Artikels ist keine steuerliche, rechtliche oder sachverständige Beratung.

Im konkreten Einzelfall wenden Sie sich bitte an irgendeinen Berater Ihres Vertrauens.

Das Landesarbeitsgericht (LAG Hamm, Urteil vom 06.122017, Az. 4 Sa 852/17) entschied, daß der Arbeitgeber (AG) auf Schadensersatz haftet, sofern die Beratung bei Entgeltumwandlung in der betrieblichen Altersversorgungen (bAV) fehlerhaft war. Und zwar auch dann wenn die Beratung durch ein Kreditinstitut erfolgt war. Dies gilt analog für Versicherungsvermittler aller Art, denn diese sind ebenfalls im Pflichtenkreis des Arbeitgebers tätig, mithin dessen Erfüllungsgehilfen.

Der Mitarbeiter bemerkte erst nach Auszahlung der bAV, daß auf diese noch Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung(GKV) zu bezahlen waren.

Paukenschlag auf einer bAV-Fachtagung des Handelsblattes
Der damalige Vorsitzende des Ruhegeldsenates beim Bundesarbeitsgericht (BAG) hatte bereits 2005 durch einen Fachvortrag und einen Fachaufsatz zum Thema „Hinweis-, Aufklärungs- und Beratungspflichten im Betriebsrentenrecht“ für Wirbel gesorgt. Das LAG Hamm, aber noch nicht jedes Arbeitsgericht, folgt inzwischen dieser Linie der Arbeitgeberhaftung.
Das LAG München (Urteil vom 15.03.2007, Az. 4 Sa 1152/07) verurteilte einen Arbeitgeber zur Lohnnachzahlung, weil die Entgeltumwandlung mit gezillmerten Tarifen (also solchen, welche die Abschlußkosten in den ersten bis zu weniger als 10 Jahren verteilt erheben) nicht zur gesetzlich verlangten Wertgleichheit mit dem umgewandelten Entgelt führt.

Potentiell bis zu mehr als 20 Millionen bAV-Verträge betroffen
Selbstverständlich ist nicht nur über die GKV-Beitragspflicht zu informieren (sowie die Beiträge zur Pflegeversicherung) sondern auch darüber, daß der Arbeitnehmer (AN) diese dann als Rentner ganz allein bezahlt, also nicht nur wie bis 2003 geregelt den „halben“ Beitrag. Fachanwälte und Interessenvereine haben massenhaft gegen den „vollen GKV-Beitrag auf Betriebsrenten seit 2004“ u.a. geklagt – bis zum Verfassungsgericht: Stets erfolglos weil der Falsche verklagt wurde !

Die Arbeitgeberhaftung erscheint erfolgversprechender. Noch krasser ist das wirtschaftliche Ergebnis, wenn wegen Erreichen der Beitragsbemessungsgrenze ohnehin (fast oder) gar kein Beitrag zur GKV angefallen wäre, wenn man auf die Entgeltumwandlung richtig informiert ganz verzichtet hätte.

Wie die „Betreuung“ der bAV für Agenten und Makler zum Verhängnis wird?
Gesichert ist, daß kein Arbeitgeber seine (neuen) Mitarbeiter über die bAV ungefragt aufzuklären hat, § 1a BetrAVG. Erst wenn die Entscheidung des Mitarbeiters für insbesondere eine Entgeltumwandlung gefallen ist, beginnen begrenzte Aufklärungs- und Beratungspflichten. Wer als Arbeitgeber dies einem Versicherungsvermittler oder Bankberater überläßt ist besser beraten, wenn er den Beratungsinhalt prüfen läßt und auch zur Personalakte nimmt.

Die Betreuung durch Vermittler und Berater, aber auch Rückfragen von Arbeitnehmern bei solchen Betreuern, bedeuten eine weiterlaufende Haftung, also ein Verhindern des Ablaufes der Verjährung: Denn es kann sicher auch bei vorher abgeschlossenen Verträgen die korrekte Beratung nachgeholt werden, damit die bAV-Verträge ggf. noch beitragsfrei gestellt werden könnten.

Vermittlerhaftung und Beraterhaftung verjähren 10 Jahre nach dem jeweiligen Pflichtverstoß
Der Bundesgerichtshof geht davon aus, daß jede Beratungspflicht-verletzung separat zu betrachten ist, auch bei der Verjährung. Beim Unterlassen zählt der letztmögliche Zeitpunkt korrekter Information bzw. Beratung. Hier würde dann auch ein Vermittler dem AG haften, für Falschberatung, entweder bei Erstberatung, oder bei versprochener Betreuung auch später – etwa bei einer auch bereits geplanten Gesetzesänderung (im Fall des LAG Hamm: Volle GKV-Beitragspflicht seit 01.01.2004).

Indes: Er könnte den AG ja korrekt beraten haben, aber dann nur in den Gesprächen mit den Arbeitnehmern (AN) dann falsch informiert haben, oder später im Rahmen der Betreuung, ohne dass es Gespräche mit den AN dann noch gab Unter Umständen hat der Vermittler bzw. Berater dem AG sogar eine Dokumentation gegeben, die korrekt war - dem AN gegenüber aber nichts dokumentiert, weil dieser ja kein Versicherungsnehmer (VN) wird. Dies wäre nicht gesetzwidrig, so dass die Frage ist, wie es dann mit der Beweislast aussieht. Er ist ggf. gegenüber dem AN ja nur Gehilfe des AG bei der Erfüllung arbeitsvertraglicher Pflichten. Wie man sich als AG schützen kann, erfährt der Arbeitgeber vielleicht erst nach einem verlorenen Prozeß vor dem Arbeitsgericht ?

Weitergehende Informations-, Aufklärungs- und Beratungspflichten des Arbeitgebers
Die Vermittlerhaftung verjährt 10 Jahre nach der Falschberatung (entsprechend bei Betreuung). Diese Frist wird oft abgelaufen sein, wenn der Betriebsrentner seine bAV-Auszahlung erhält. Daher könnte Feststellungsklage durch den Arbeitgeber geboten sein.

Nicht zu vergessen wären die Verminderungen der Ansprüche auf gesetzliche Renten, sowie Kranken- und Arbeitslosengeld, wohl auch Unfallrenten – durch Entgeltumwandlung. Bei der Wirtschaftlichkeit stellt sich immer wieder auch die Frage, ob gesetzliche Rente nicht rentabler ist?

Verteidigungsoptionen für Arbeitgeber, Berater und Vermittler ?
Vermittler wie auch der AG könnten sich gegenüber dem AN wehren, indem sie nachweisen, dass gar kein Schaden entstanden ist, und daher kein Feststellungsinteresse besteht.
Dass mehr als 10 Jahre nach der Gesetzesänderung und breiter Information in den Medien darüber immer noch die meisten AN nichts davon wissen, ist eine Tatsache Sie könnten bei nachträglicher Information die Verträge beitragsfrei stellen und sollten darauf hingewiesen werden. Wenn sie dann dennoch weiter zahlen, haftet dafür nicht mehr der AG. Zudem könnte dies als Nachweis dienen, dass die Mitarbeiter bei korrekter früherer Information ebenfalls die Entgeltumwandlung vorgenommen bzw. weiter gezahlt hätten, so dass ein eventueller Schaden nicht kausal auf die Falschberatung zurückzuführen ist. Frei nach dem Motto: Er wollte zur Risikostreuung auch Geld verbrennen.
Dies wäre dann ein Ansatz, strategisch die eigene Haftung zu reduzieren.

Der Verjährung vorbeugend bietet sich die Feststellungsklage an, von Arbeitnehmern gegenüber (oft ehemaligen) Arbeitgebern, sowie von Arbeitgebern gegenüber Vermittlern, Beratern, Banken, sowie Versicherern (VR).

Erster Schritt: Vermittler, Berater, Banken und Versicherer zum Anerkenntnis auffordern
Vorher aber sollten Arbeitgeber ihre bAV-Bank bzw. ihren bAV-VR bzw. Vermittler auffordern, die eigene Haftung bei Klagen von AN anzuerkennen, vielleicht unter der Voraussetzung, dass sie bei deren Abwehr mitwirken. So hatten sich mit potentieller Haftung für insgesamt mehrere Milliarden Euro branchenweit auch die VR wegen der Haftung des AG bei fehlender Wertgleichheit infolge Zillmerung gegenüber AG verpflichtet, weil AG dann für die Auffüllung auf einen wertgleichen Betrag der Leistungsansprüche zum umgewandelten Entgelt haften.

Fristgebundener Handlungsbedarf für alle Seiten
Ein vielfältiger gegenläufiger dringender "fristgebundener" Handlungsbedarf liegt nahe, für AN gegenüber AG, Vermittler gegen AG und AG gegen alle, und zwar möglichst vor dem anderen und vor "Fristablauf". Auf die ursprünglichen Berater darf man nicht zählen, weil diese häufig mit Verjährung ihrer Haftung rechnen, durch schlichtes Nichtstun, bis dereinst der AN bei Rentenbeginn oder Fälligkeit der Direktversicherung sich wegen Geringleistung beim AG meldet.

Widerruf von bAV-Verträgen
Wenn Arbeitgeber oder Arbeitnehmer einmal vergleichen, welche Gelder einbezahlt wurden, und was davon aktuell nach Abzug von Abschlußkosten sowie laufenden Verwaltungskosten noch übrig ist (z.B. als Rückkaufswert oder Ablaufleistung), dann stellen Sie oft größere Abweichung von den bei Vermittlung vorgelegten „Musterberechnungen zur Illustration“ fest – regelmäßig also Vermögensverluste. Davon gehen noch Steuerabzüge und Kranken-/Pflegeversicherungsbeiträge ab, was das unerwartet geringe Ergebnis nochmal um die Hälfte vermindern kann.

Auch viele bAV-Verträge in der Lebensversicherung lassen sich indes oft wegen fehlerhafter Widerrufsbelehrung widerrufen und rückabwickeln, eine Ewigkeit lang. Zahlreiche Arbeitnehmer sind selbst zum Widerruf berechtigt, wenn sie selbst Versicherungsnehmer geworden sind.

Auch für Arbeitgeber - vom Einzelunternehmen bis hin zur GmbH&Co.KG - bietet sich für Versicherungsverträge ab 1995 der Widerruf an – mit der Aussicht nach sachverständiger versicherungsmathematischer Begutachtung bis zu mehr als das Doppelte des Rückkaufswertes zu bekommen. Eine Option für einen wirtschaftlichen Exit als Arbeitgeber aus der bAV-Haftung.
So wird aus einer Niederlage die Chance auf einen noch höheren Gewinn für Arbeitgeber, der auch für den AN noch rechtzeitig ein größeres Risiko beseitigt.

Denn sollte der Arbeitgeber insolvent werden, wird der Insolvenzverwalter Direktversicherungen und Entgeltumwandlungen gegenüber dem VR möglichst widerrufen, was den Lebensversicherungsvertrag vernichtet und deren Wert der Insolvenzmasse zuführt. Damit gehen dann auch alle Begünstigungen und Verpfändungen an AN ins Leere - AN verlieren dadurch ihre betriebliche Altersversorgung – weil ganz ohne Ansprüche an den Pensionssicherungsverein - komplett oder können eventuelle Forderungen aus der bAV-Zusage zur Insolvenzquote mit meist einstelligen Prozentsätzen anmelden.

*von Dr. Johannes Fiala, PhD, RA, RB, MBA Finanzdienstleistungen (Univ.), MM (Univ.), Geprüfter Finanz- und Anlageberater (A.F.A.), Bankkaufmann (www.fiala.de)
und
Dipl.-Math. Peter A. Schramm, Sachverständiger für Versicherungsmathematik (Diethardt), Aktuar DAV, öffentlich bestellt und vereidigt von der IHK Frankfurt am Main für Versicherungsmathematik in der privaten Krankenversicherung (www.pkv-gutachter.de).

Unsere Arbeitswelten werden sich bis 2030 grundlegend verändern

Wir werden in neuen Berufen und in neuen Branchen arbeiten. Die nächsten fünf bis zehn Jahre werden eine große Herausforderung und eine große Chance sein, meldet der 2b AHEAD ThinkTank.

Auf der Veranstaltung am 21.11.2017 in Stuttgart gab es unterschiedliche Auffassungen in Bezug auf die Anzahl der Arbeitsplätze, die wir bis 2025 in Deutschland noch haben werden. Während manche Gastredner von einer größeren Arbeitsplatzvernichtung ausgingen, war man bei 2bAHEAD sehr optimistisch, dass wir mindestens bis 2020 eine Vollbeschäftigung haben werden. Und der Fachkräftemangel eventuell sogar bis 2025 anhalten wird. Welche Meinung vertreten Sie? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zum nachfolgenden Beitrag vom 2b AHEAD ThinkTank.

Viele Unternehmen gehen die digitalen Transformation eher mit nervöser Hand an als mit ambitioniertem Pioniergeist. Beide Reaktionen sind nachvollziehbar: Quantencomputer, autonomes Fahren und smarte Verträge – sie alle werden unseren Alltag in den nächsten fünf bis zehn Jahren grundlegend verändern. Unser Verständnis von Arbeit wird sich um 360 Grad wandeln. Damit verbinden wir vielversprechende, erstrebenswerte Synergieeffekte, die in der Summe nicht weniger als eine Revolution unserer Arbeits- und Lebenswelten bedeuten. Ansätze und Inspirierende Erfahrungsberichte der kommenden Entwicklungen und Lösungen gibt es schon heute.

Arbeitgeber werden das Recruiting-Paradies verlassen

Zuerst wird der arbeitgeberfreundliche Markt verschwinden. Wo es Arbeitgebern bisher ein Leichtes war, fast jeden Job mit nahezu jeglichen Konditionen zu besetzen, muss allmählich umgedacht werden: Viele Menschen sind digital kompetent und betrachten ihre Arbeitssituation als ein austauschbares Mosaiksteinchen im persönlichen Streben nach Selbstverwirklichung. Zeitlich flexibles und ortsungebundenes Arbeiten passt zur neuen Generation von Working Nomads, die über projektbezogene Arbeit in Zukunft ein Höchstmaß an Freiheit und Selbstentfaltung anstreben.

Es kommt ein weiterer Faktor hinzu, wenn die Generation der Baby Boomer den Ruhestand antritt und die Generationen mit niedrigen Geburtsraten den Staffelstab übernehmen: Vollbeschäftigung! Fällt eine unternehmerische Konsumentenmentalität mit stabilen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, flexiblen Modellen und Mangel an potenziellen Kandidaten zusammen, droht der Wettlauf um passende Kandidaten für Unternehmen zum Albtraum zu werden. Dies wird insbesondere in Bereichen wie der Konformitätsbewertung der Fall sein, in denen durch die Automatisierung vieler Aufgaben die Zahl der Arbeitskräfte reduziert und gleichzeitig das erforderliche Fachwissen erhöht wird.

Fluide Unternehmen werden auf die Anforderungen der Bewerber eingehen. Sie werden ideale Kandidaten auf smarte Weise – oft ausschließlich für Projekte – rekrutieren und freisetzen. Caring Companies dagegen werden sich rundum um die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter und deren soziales Umfeld kümmern, um sie langfristig an sich zu binden.

Die Berufe der Zukunft

Wir werden einerseits in vielen Branchen völlig neue Berufsbilder erschaffen, andererseits bereits existierende Berufe in neue Branchen integrieren. Hier ein Beispiel aus der Automobilindustrie: Viele der selbstfahrenden Autos von morgen werden als Mehrzweckfahrzeuge in die Flotten von Städten aufgenommen. Städte stehen unter dem Druck, schnell auf die Bedürfnisse vieler individueller Kunden einzugehen. UX Adaptive Interior Designer werden adaptive Interieurs entwickeln, die sich schnell von der Schlaflounge zur Dinner-Suite, vom Büro zum Fitnesscenter verwandeln lassen. Diese adaptiven Produkte werden aus der Arbeit von Customer Data Analysts hervorgehen, die Mobilitätsdaten von Verbrauchern sammeln, verarbeiten und zu konkreten Lösungen verfeinern. Die schiere Komplexität und das Datenvolumen werden auch den Einzug von Quantencomputer-Programmierern mit sich bringen, da herkömmliche Computer in den nächsten Jahren durch ihre exponentiell schnelleren Nachkommen ersetzt werden.

Anstelle von Fahrpreisen werden die meisten Einnahmen im autonomen Verkehr durch Werbung oder durch optionale Dienstleistungen erzielt, die sorgfältig auf die Echtzeitbedürfnisse des einzelnen Verbrauchers zugeschnitten sind. Hier werden auch die im Web-Commerce bekannten Rollen wie Real-Time Bidding Analysts und Fulfillment Operators hinzukommen. Ein wachsames Auge für neue Berufsbilder zu haben, ist in jedem Umfeld ein kluger Schachzug. Wer wirklich zukunftsorientiert ist, wird aktiv an der Gestaltung der künftigen Berufsbilder arbeiten.

Erfolg kommt von innen

Das Arbeitsumfeld der Zukunft wird auch in tieferen Ebenen die Arbeitskultur transformieren. Vergessen lernen - offen sein für neue Technologien, Modelle und Regeln und bewusst Altbewährtes vergessen – darin sehen wir für die meisten Branchen entscheidende Zukunftsperspektiven. Mitarbeiter und Unternehmen sind dazu angehalten, alle fünf bis zehn Jahre nahezu ihr gesamtes Wissen über Bord zu werfen. Es ist ratsam, eine zukunftsweisende Wissensbasis aufzubauen und mit hochpräzisen, agilen Entwicklungsplänen zu arbeiten. Wir sehen auch, dass das Epizentrum der Geschäfte vor allem in Orten wie Silicon Valley, Tel Aviv und Shenzhen liegt. Egal wie groß der Erfolg auch sein mag: Wer erst spät ins Rennen einsteigt, muss viel investieren, um irgendwann wieder ganz vorne mitbestimmen zu können. Ein simples Beispiel: Die frühen, mitunter belächelten BitCoin-Anwender sind inzwischen die Millionäre, von denen der Rest der Welt heute in den Gazetten liest. Das Bild zeichnet sich indes gravierend alarmierender mit Blick auf den sich abzeichnenden Rüstungswettlauf in der KI-Entwicklung.

The Big Picture

Die Welt von 2030 wird viel komplexer zusammenhängen und interagieren als heute. Darin steckt ein unglaubliches Versprechen an das Leben und die Arbeit der Menschen. Für ein positives Ergebnis müssen jedoch alle gepriesenen Technologien, Modelle und Systeme nicht nur für sich, sondern auch in Vernetzung erfolgreich funktionieren. Die traditionellen Grenzen zwischen verschiedenen Lebensbereichen wie Politik, Industrie und Unterhaltung verschwimmen zunehmend. Schnittstellen aller Art – Software/Hardware, Government / Commerce, B2B2C (und P2P2M?) – werden massiv an Bedeutung gewinnen. Als Konsequenz werden viele traditionelle Experten bisher unbestrittene Monopole in Bezug auf Kundenvertrauen und Marktposition verlieren. Digitale Angreifer werden kommen und den Verbrauchern Komfort bieten, den sie in anderen Bereichen des täglichen Lebens erleben.

Dies bedeutet, dass beispielsweise Versicherer eine Rolle als Risikomanager ernsthaft in Erwägung ziehen und Ärzte gegen digitale Player kämpfen sollten, um im Zentrum des Gesundheitsnetzwerks des Kunden zu stehen. Online-Präsenz ist die Grundvoraussetzung von gestern. In Zukunft müssen Unternehmen strukturiert und philosophisch kundenorientiert handeln. Auch der konstruktive Grenzbruch wird in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen – von der strategischen Einbindung der Konsumenten in die Produktkonzeption bis hin zu Partnerschaften mit dem "Wettbewerb".

Es werden tiefer schürfende Fragen auftauchen: Wenn beispielsweise ein autonomes Fahrzeug in einen Unfall verwickelt ist – ist der Eigentümer verantwortlich oder der Hersteller? Und im zweiten Fall der Hersteller der Hardware oder der Software? Oder sollte das Fahrzeug selbst haftbar gemacht werden? Muss unsere Justiz bald Gesetze für elektronische Personen verabschieden? Welche Rechte sollte ein Roboter-Bürger haben? Weil diese Fragen sehr bald Antworten einfordern, wird der Bedarf an informiertem Konsens zunehmen und die Zahl derer, die uns helfen, ihn zu erreichen. Philosophie ist möglicherweise in fünf Jahren keine brotlose Kunst mehr.

Wir rasen auf einen radikal veränderten Markt zu. Gerade die Technologien, die heute am ehesten nach Science Fiction klingen – Quantencomputer, Predictive Systeme, künstliche Intelligenz – versprechen 2030 die Grundlage unserer Arbeit zu bilden. Seien wir uns bewusst: Während das Risiko real ist, zurück zu bleiben, haben jene beste Chancen, die diese Zukunft heute schon aktiv mitgestalten.

Trendstudie

Wie lokale Initiativen zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt beitragen können

Rund 1,3 Millionen Menschen sind in den vergangenen drei Jahren als Schutzsuchende nach Deutschland gekommen. Dies hat zu großen Herausforderungen bei der behördlichen Erfassung, Unterbringung und Versorgung geführt. Die wichtigste Aufgabe, nämlich diese Menschen in Lohn und Brot zu bringen, steht jedoch noch weitgehend bevor.

„Die Voraussetzungen für eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt sind jedoch nicht einfach“, konstatiert Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts. „Kaum ein Geflüchteter beherrscht bei seiner Ankunft die deutsche Sprache und nur wenige besitzen einen Hochschulabschluss oder eine Berufsausbildung.“ Klingholz erinnert an die schleppende Integration von Asylsuchenden in der Vergangenheit, betont aber gleichzeitig, dass die Infrastruktur zur Integration inzwischen besser sei.
Gerade die Vermittlung der Arbeitsagenturen und Jobcenter sei ausgebaut worden. Dennoch gebe es weiteren Bedarf an Angeboten, da viele Flüchtlinge bei der Jobsuche aktiv an die Hand genommen werden müssten, was Behörden oft nicht leisten können.

Der Autor des Discussion Papers, Stephan Sievert, unterstreicht in diesem Zusammenhang die Bedeutung lokaler Initiativen. „Sie ergänzen die Arbeit der Behörden und ersetzen für die Geflüchteten fehlende persönliche Netzwerke, die bei der Jobsuche unabdingbar sind.“ Das Wissen über die Arbeit solcher Initiativen sei aber noch sehr lückenhaft. Mit seiner neuen Studie könne das Berlin-Institut zeigen, dass die reine Vermittlung nur einen kleinen Teil der Tätigkeiten stellt.

Ebenso wichtig sei dieVorbereitungsphase mit Beratungen, Sprachkursen und Weiterqualifizierungen. „Der Weg in den Job ist häufig lang“, so Sievert. „Um Frustration und Langeweile zu vermeiden, ist es deswegen notwendig, möglichst parallele Angebote zu machen und diese miteinander zu verzahnen.“ Als Beispiele nennt er Teilzeitpraktika, in denen gerade gelernte Vokabeln schnell eingesetzt werden könnten.

„Doch auch für Unternehmen und Behörden bedeuten lokale Initiativen oft einen Mehrwert“, erläutert Franziska Woellert, ebenfalls Autorin des Papiers. Sie könnten Unklarheiten über rechtliche Vorgaben ausräumen und gegenüber Firmen als Bürgen für die von ihnen betreuten Flüchtlinge auftreten. „Das Problem ist, dass die allermeisten Geflüchteten keine Zeugnisse nach Deutschland mitbringen. Das heißt, selbst wenn sie fachlich geeignet für einen Job sind, können sie dies gegenüber Unternehmen
nicht nachweisen“, so Woellert. Firmen seien daher froh darüber, von den Initiativen verlässliche Informationen zu erhalten.

Das Berlin-Institut warnt jedoch davor, alle Flüchtlinge über einen Kamm zu scheren. „Gerade weil jeder Fall anders ist, kommt der engen persönlichen Betreuung eine besondere Bedeutung zu“, verdeutlicht Reiner Klingholz. Wichtig sei hierbei, die Betreuung nicht mit Unterzeichnung des ersten Arbeitsvertrags enden zu lassen, da sich viele Herausforderungen erst am Arbeitsplatz ergäben. „Um dann Probleme zu überwinden, können Flüchtlinge wie Arbeitgeber häufig von einem externen Ansprechpartner profitieren, der die jeweilige Person bereits kennt“, so Klingholz.

Unsere Initaitive "Job search for refugees" finden Sie auf XING  Facebook und Twitter

Wie können Flüchtlinge und Unternehmen miteinander in Kontakt treten?

Gedanken, Anregungen und erste Initiativen

 Während sich viele Initiativen gebildet haben und sich zahlreiche freiwillige Helfer um die materielle Versorgung der Flüchtlinge kümmern, möchten wir mit dieser „Initiative“ den nächsten Schritt machen.

Indem wir die sozialen Netzwerke nutzen, bringen wir deutsche Unternehmen und Flüchtlinge, die unsere zukünftigen Arbeitskräfte darstellen, in Kontakt miteinander.

Voraussetzung dafür bilden die vorhandenen Smartphones auf Seiten der Flüchtlinge und die Ankündigung der Bundesregierung auf kostenlosen Telekom-Zugang.

Über Facebook werden die in Deutschland gestrandeten Flüchtlinge informiert, sich in das berufliche Netzwerk bei XING einzutragen. Eine entsprechende Gruppe ist eingerichtet.

Denn nur wenn Unternehmen wissen, über welche Qualifikationen diese Menschen verfügen, können gezielte Kontakte vermittelt werden.

Dies ist eine unbürokratische Entlastung der Arbeitsagenturen, die erst dann aktiv werden müssen, wenn es um die erforderlichen Formalitäten geht.

Wenn Sie diese Initiative unterstützen wollen, treten Sie der Gruppe bei !

Verantwortlich: Ria & Hans J Hinken