Achtung Fake-Shops:

12 Feb

So schnell führt ein vermeintliches Schnäppchen zu leeren Taschen

Online-Shops bieten neben einer großen Produktpalette auch bequeme Bestellmöglichkeiten und werden daher von Kundinnen und Kunden gerne genutzt. Internet-Versandhandel erfreuen sich aber auch bei Kriminellen großer Beliebtheit. Analysen des Landeskriminalamtes (LKA) Niedersachsen zeigen, dass Fake-Shops (gefälschte Online-Shops) im Internet zu einem Massenphänomen geworden sind.

Viele Menschen nutzen in Online-Shops die Möglichkeit, schnell und unkompliziert einzukaufen. Das Internet ist mittlerweile zu einer echten Alternative zum Einzelhandel vor Ort geworden. Und auch Aktionstage wie der „Black Friday“ oder das Weihnachtsgeschäft erfreuen sich nicht nur in Kaufhäusern großer Beliebtheit. Angebote und Schnäppchen werden vielfach im Versandhandel angeboten und locken zum Kauf. Doch auch Kriminelle nutzen das Internet, um Bürgerinnen und Bürger zu betrügen. Dabei setzen diese vermehrt auf Fake-Shops, also täuschend echt aussehende Verkaufsplattformen im Internet.

Mit Abbildungen von Produkten, dazugehörigen Informationen, allgemeinen Geschäftsbedingungen und einem gefälschten Impressum sind Fake-Shops auf den ersten Blick schwer zu erkennen. Bei den gefälschten Online-Shops kann es sich aber auch um Kopien real existierender Websites handeln. Sie wirken daher auf den ersten Blick seriös. Um die letzten Zweifel bei den Kundinnen und Kunden auszuräumen, werben die Betreibenden häufig wahlweise mit frei erfundenen oder auch – unrechtmäßig – mit bekannten Gütesiegeln, wie beispielsweise „Trusted Shops“.

Ein weiteres Lockmittel ist der scheinbar besonders günstige Preis – vor allem stark gefragte Produkte, wie beispielsweise die neueste Spielekonsole, das aktuelle Smartphone oder angesagte Designer-Mode werden zum „Bestpreis“ angeboten – selbst, wenn die Artikel bei der Konkurrenz längst ausverkauft oder nicht mehr verfügbar sind. Die Betrügerinnen und Betrüger sind dabei „up to date“ und passen ihre Lockangebote schnell an die aktuelle Nachfrage an.

Fake-Shops sind im Internet mittlerweile ein Massenphänomen, das zeigen auch die Zahlen des LKA Niedersachsen. Seit dem Jahr 2020 wurden jährlich betrügerische Verkaufsplattformen im unteren vierstelligen Bereich bei der Polizei zur Anzeige gebracht. Dieser Trend lässt sich auch für dieses Jahr beobachten.

Die Schadenssummen sind ab 2020 knapp in den Millionenbereich gestiegen. Für das Jahr 2022 deutet sich dieser Trend bislang ebenfalls an.

Die Strafverfolgung ist schwierig, weil sich die Server der Webseiten oft im Ausland befinden und die einzelnen Fake-Shops nur relativ kurze Zeit online sind. Die Geldströme fließen häufig nicht direkt auf Konten der Kriminellen, vielmehr bedienen sich die Betrügerinnen und Betrüger sogenannter Finanzagenten, die die Gelder zum Teil über diverse Zahlungsdienstleister nahezu anonym weitertransferieren und somit Geldwäsche betreiben.

Für die Kriminellen handelt es sich um eine lukrative Betrugsmasche. Sie verschicken entweder minderwertige Ware zu einem überhöhten Preis oder liefern nach einer Vorauszahlung das Produkt gar nicht erst. Drohen Betroffene damit, die Überweisung rückgängig machen zu wollen, werden häufig Lieferschwierigkeiten vorgetäuscht.

Um bei Aktionstagen oder beim allgemeinen Einkauf im Internet nicht auf einen Fake-Shop hereinzufallen, lohnt es sich vor einem Kauf den Shop genau unter die Lupe zu nehmen und dabei die folgenden Kriterien zu beachten:

Achten Sie auf die Sprache. Immer noch haben zahlreiche Fake-Shops ein Problem mit der deutschen Sprache. Übersetzungsprogramme sind zwar inzwischen besser geworden, jedoch wird die Qualität auf den weiteren Unterseiten im Shop vernachlässigt, wie z. B. die AGB, die in schlechtem Deutsch oder in einer anderen Sprache verfasst sind.

Prüfen Sie das Impressum. Nutzen Sie Suchmaschinen wie Google, um mehr über den Firmennamen, die Personen, Adresse oder Telefonnummer in Erfahrung zu bringen. Zudem finden Sie vielleicht auch Warnmeldungen anderer Käuferinnen oder Käufer, offizieller Stellen wie Polizei oder Verbraucherzentralen und Gütesiegelbetreiber. Auch Kartendienste (inklusive Street View) können eine erste Einschätzung ermöglichen. Wurde ein echter Online-Shop von den Tatverdächtigen kopiert und unter ähnlicher Webadresse ins Netz gestellt, kann es sein, dass man durch die Suche auch die echte Webseite des Anbieters entdeckt, auf denen bereits vor diesen Fake-Shops gewarnt wird. Vereinzelt informieren auch Hersteller selbst über seriöse Anbieter oder gefälschte Seiten.

Prüfen Sie Handelsregisternummer und Umsatzsteuer-ID: Auf www.handelsregister.de kann zumindest kostenfrei die Existenz einer angegebenen Nummer geprüft werden. Konkrete Angaben jedoch können ggf. nur gegen Gebühr abgerufen werden. Ist die Nummer nicht vergeben, so ist dies ein Indiz für eine mögliche Fälschung. Gleiches gilt für die Umsatzsteuer-ID, die zumindest auf https://ust-id-pruefen.de/ auf ihre Gültigkeit geprüft werden kann. Doch Vorsicht: Positive Ergebnisse bedeuten nicht, dass der Shop auch echt ist. Betrügerinnen und Betrüger missbrauchen gern solche Angaben von echten Seiten.

Rufen Sie einfach mal an. Ist auf der Webseite eine Rufnummer vergeben, fragen Sie telefonisch nach. Viele Fake-Shops erfinden Telefonnummern, die ins Leere führen. Vielleicht finden Sie in Online-Telefonbüchern oder mittels Suchmaschine weitere Rufnummern für eine Kontaktaufnahme.

Lassen Sie sich nicht vom „s“ in https blenden. Das „s“ steht lediglich für eine verschlüsselte Verbindung. Die von Ihnen eingegebenen Kundendaten werden sicher übertragen. Vor vielen Jahren waren die entsprechenden Zertifikate nur mit viel Aufwand und Prüfung zu bekommen. Mittlerweile werden diese auch kostenfrei und ohne Prüfung angeboten.

Vorsicht bei Vorkasse. Suggeriert der Shop mit zahlreichen Logos verschiedene Zahlungsarten und bleibt am Ende des Bestellvorgangs aber nur die Option Vorkasse – womöglich auf ein Bankkonto im Ausland – übrig, dann sollten Sie das Geld an einen unbekannten Verkäufer nicht überweisen.

Passt die Webadresse zum verkauften Produkt? Immer wieder reaktivieren die Tatverdächtigen alte, bereits von anderen Inhabenden gekündigte Domainnamen, um in Suchmaschinen besser gefunden zu werden. Verkauft z. B. eine Webseite, deren Adresse ein Restaurant oder Architekturbüro vermuten lässt, plötzlich Damenhandtaschen oder Elektronik-Artikel, ist Wachsamkeit geboten!

Machen Sie die Gegenkontrolle bei Gütesiegeln. Die Kriminellen nutzen gern erfundene Gütesiegel und Kundenbewertungen. Immer wieder werden auch echte Logos widerrechtlich auf den Webseiten dargestellt. Ist ein Logo vorhanden, so sollte man es anklicken, um zur echten Seite des Anbieters weitergeleitet zu werden und das aktuelle Zertifikat gegenprüfen zu können. Ein weiteres Indiz für einen Fake-Shop: gefälschte Kundenbewertungen und –meinungen. Sich allein auf die ausschließlich positiven Bewertungen innerhalb eines Shops zu verlassen, ist gefährlich.

Das Schnäppchen und die Verfügbarkeit locken in die Falle. Professionelle Fake-Shops ködern Konsumierende nicht zwingend mit preislich besonders attraktiven Angeboten, sondern auch mit Waren zu normalen Preisen, um den Anschein eines seriösen Shops zu wahren. Dazu werden gerne Produkte angeboten, die scheinbar in anderen Online-Shops vergriffen sind, für die es zeitlich begrenzte Rabatte mit Countdown oder kurzfristige Liefermöglichkeiten gibt.

Gleiche Tipps gelten auch für Shops auf Handelsplattformen. Wird vom dortigen Verkäufer eine Bezahlung außerhalb der Plattform gefordert, sollten Sie die Finger davonlassen. Der Kauf ist dann nicht abgesichert, und Betrügerinnen und Betrüger gelangen über Vorkasse so an Ihr Geld und Ihre persönlichen Daten.

Ausführliche Tipps zu Fake-Shops finden Sie auch im Ratgeber Internetkriminalität des LKA Niedersachsen unter https://www.polizei-praevention.de/fakeshops

Die Verbraucherzentrale bietet einen Fakeshop-Finder an, der auch eine erste Einschätzung geben kann: https://www.verbraucherzentrale.de/fakeshopfinder-71560