In den letzten Jahren hat das Silicon Valley die Macht in den USA übernommen

Die von Elon Musk ins Leben gerufene Abteilung für Regierungseffizienz, DOGE, war nur die Spitze des Eisbergs. In den letzten Jahren hat das Silicon Valley die Macht in den USA übernommen. Meta, Palantir & Co. bestimmen jetzt, wer reguliert, ja, wer regiert. Günstlinge der Tech-Milliardäre durchsetzen den Verwaltungsapparat. Energiepolitik wird fast nur noch für die Kryptobranche und KI-Startups gemacht. Und die anti-woke Agenda der Titanen münzt Trump eins zu eins in Dekrete um.
Adrian Daub blickt hinter die glänzende Fassade des Silicon Valley und legt frei, wie aus innovativen Start-ups eine politisch und kulturell wirkmächtige Machtstruktur wurde. Sein Buch zeigt, dass die Erzählung von genialen Tüftlern und wohlmeinenden Weltverbesserern vor allem ein Deutungsrahmen ist: Er legitimiert aggressives Wachstum, Daten-Ausbeutung und monopolistische Plattformstrategien. Unter dem Schlagwort Disruption werden Regeln und Institutionen abgewertet, während Tech-Konzerne ihren Einfluss in Märkte, Medien und Politik ausdehnen. Die Pose des rebellischen Hoodie-Unternehmers verdeckt dabei klassisches Machtstreben – mit zeitgemäßer Rhetorik von Freiheit, Effizienz und Fortschritt.
Daub arbeitet heraus, wie Heilsversprechen – von der Optimierung des Alltags bis zur Verlängerung des Lebens – Hypes erzeugen, Kapital mobilisieren und demokratische Aushandlungen verdrängen. Algorithmen erscheinen als neutral, wirken aber als intransparente Torwächter. Nutzerdaten werden zum Rohstoff, der kollektive Risiken birgt, während Verantwortung an Märkte oder „die Technik“ delegiert wird. Politik schwankt zwischen Bewunderung und spätem Gegensteuern; längst haben Plattformen Fakten geschaffen, die Regierungen mit ihren Regulierungen mühsam hinterherlaufen lassen.
Europa zeichnet Daub als skeptischer und regelorientierter, jedoch ohne klare Gegenvision. Gerade daraus leitet er eine Aufgabe ab: die technologische Erzählmacht zu entzaubern und Gemeinwohlkriterien zur Messlatte für Innovation zu machen. Nötig seien robuste Transparenzstandards, wirksames Kartellrecht und eine Kultur, die technische Machbarkeit nicht mit gesellschaftlicher Wünschbarkeit verwechselt.
Kernthese des Buches: Nicht Technologie „herrscht“, sondern ein Bündnis aus Kapital, Geschichten und politischer Einflussnahme, das sich als Zukunftsfreundlichkeit tarnt. Wer demokratische Kontrolle sichern will, muss Narrative prüfen, Daten- und Plattformmacht begrenzen und Innovation wieder an öffentliche Interessen binden – damit Fortschritt nicht zur Chiffre für neue Abhängigkeiten wird.
Ria Hinken (Text mit KI überarbeitet)
Bibliografische Angaben
Erscheinungstermin: 24.03.2026
eBook (EPUB), 213 Seiten
978-3-518-78702-1
edition suhrkamp
E-Book 19,99 €