28 Apr

Würde ich gerne die Zeit zurückdrehen?

Es ist nie zu spät

Foto: copyright Hans-J. Hinken

Bundespäsident Gauck beim Rundgang durch die Ausstellung
Foto: copyright Hans-J. Hinken

Vor Kurzem wurde im Museum für Kommunikation in Berlin die Wanderausstellung „Dialog mit der Zeit“ von Bundespräsident Gauck eröffnet.

In seiner Ansprache zu neuen Altersbildern in einer Gesellschaft des längeren Lebens lobte er das Ausstellungskonzept, weil es den Dialog mit den Generationen beflügelt.

Wer die Debatte über den demografischen Wandel verfolgt, liest immer wieder die These, mit dem Älterwerden seien nicht nur Risiken, sondern auch Chancen verbunden. Die Tatsache, dass die meisten von uns heute älter werden können als ihre Eltern und Großeltern, erscheint dann aber meist als Problem. Diskutiert wird vor allem das Management von Defiziten: der Ärztemangel auf dem Land, der drohende Pflegenotstand oder Engpässe in unseren Sozialkassen, so Gauck weiter.

Die Erlebnisausstellung „Dialog mit der Zeit“ macht die Facetten des Alters und Alterns erlebbar. Sie geht diesen Fragen auf ungewöhnliche Weise nach:

  • Wie möchte ich im Alter leben?
  • Was sind die Herausforderungen?
  • Welche Möglichkeiten und Chancen eröffnen sich – jetzt und in Zukunft?
Manfred von Sperber , Foto: copyright Hans-J. Hinken

Manfred von Sperber ist einer der Senioren-Guides in Berlin
Foto: copyright Hans-J. Hinken

Mit speziell geschulten Senioren-Guides werden die Besucherinnen und Besucher mit den verschiedenen Themen des Alters konfrontiert.

Doch ehe es in die Ausstellung selbst geht, schauen sich die Besucher und Besucherinnen erst einmal ein Video an, das den Alterungsprozess eines Gesichtes vom Kind zum alten Menschen zeigt.

Danach gibt es eine Aufteilung in kleine Gruppen, die von den Senioren-Guides durch die Ausstellung begleitet werden. Man kann natürlich auch eigenständig durch die Ausstellung gehen. Dann verpasst man allerdings einen wesentlichen Teil dieses Ausstellungskonzeptes.

Gertrud Rosemann, Foto: copyright Hans-J. Hinken

Gertrud Rosemann war Senioren-Guide in der Ausstellung in Frankfurt/Main
Foto: copyright Hans-J. Hinken

Zur Ausstellungseröffnung gab die 92-jährige Gertrud Rosemann aus Frankfurt noch einmal ihr Können als Senioren-Guide zum Besten.

In einem persönlichen Gespräch gestand sie mir, dass ihr vor allem die Teamarbeit während der 5-monatigen Ausstellungszeit in Frankfurt viel Freude bereitet hat. Und dass sie diese in Zukunft sehr vermissen wird.

Frau Rosemann ist ein gutes Beispiel dafür, dass man auch im hohen Alter noch anspruchsvolle Tätigkeiten ausüben kann. Immer vorausgesetzt, dass es die Gesundheit zulässt.

Auch Bundespräsident Gauck ist der Meinung, dass wir neue Muster für lange Lebensläufe brauchen, neue Verflechtungen von Lernen, Arbeit und Privatem.

Das beginnt schon im Kindergarten, in der Schule. Wie bereitet man junge Menschen auf eine Zukunft vor, in der immer mehr dreistellige Geburtstage gefeiert werden? Wenn wir deutlich länger leben, dann darf Lernen nicht nur bis vierzig oder fünfzig, sondern muss bis sechzig, siebzig und darüber hinaus möglich sein – auch unter Menschen mit wenig Ausbildung in der Jugend. Zudem: Wenn wir weniger werden, kommt es mehr denn je auf die Güte der Bildung auf die Entwicklungschancen jedes Einzelnen an.

Sind wir als Gesellschaft bereit, für die große Bandbreite an Möglichkeiten im Alter eine entsprechend große Bandbreite an Gestaltungsoptionen vorzuhalten?“

Foto: copyright Hans-J. Hinken

Die Rentnerbank – plötzlich bist du draußen
Foto: copyright Hans-J. Hinken

Im Koalitionsvertrag wurde 2013 notiert: Ältere Beschäftigte sind unverzichtbar im Arbeitsleben. ­

Wir werden den restlichen Rahmen für flexiblere Übergänge vom Erwerbsleben in den Ruhestand verbessern.“

Die Legislaturperiode ist bekanntlich noch lange nicht zu Ende. Ich fürchte allerdings, dass die Diskussion über dieses Thema allzu schleppend verläuft und der nötige Wandel der Arbeitswelt noch nicht entschlossen genug vorangetrieben wird.

Dabei betrifft diese Aufgabe uns alle: die Bürgerinnen und Bürger, die Gemeinde- und Landespolitiker, vor allem aber den Bundesgesetzgeber und die Tarifpartner als Gestalter der wichtigsten Altersgrenze – des Eintritts in die Rente. In Deutschland ist die gesetzliche Rente bislang ausgerichtet, ein Ende zu definieren, keinen Übergang. In anderen Ländern gibt es durchaus offenere Konzepte. Deutschland steht noch am Anfang dieser Debatte, sagte der Bundespräsident.

Altern als persönliche Angelegenheit

Altern ist individuell Foto: copyright Hans-J. Hinken

Altern ist individuell
Foto: copyright Hans-J. Hinken

Obwohl alle Menschen älter werden, erleben wir den Alterungsprozess verschieden. Alter wird in den jeweiligen Lebensphasen unterschiedlich wahrgenommen. Als Jugendliche möchten wir oft gerne älter sein. Wenn die 30 einmal überschritten sind, wollen manche Menschen schon nicht mehr über ihr eigenes Alter sprechen.

Es wird wohl noch etwas Zeit brauchen, ehe sich die Gesellschaft den neuen Herausforderungen wirklich stellt und aktiv angeht.

Die Ausstellung „Dialog mit der Zeit“ richtet sich unter anderem an Kinder, Jugendliche und junge Familien, die hier spielerisch erleben können, wie es ist, wenn man nicht mehr so gut hört, sieht oder sich bewegen kann, wenn die Hände zittern und der Tastsinn nicht mehr so sensibel funktionieren will.

So kann aus dem „Dialog mit der Zeit“ ein generationsübergreifender Dialog entstehen, der neue Denk- und Erlebnisräume für Alte und Junge schafft.

Statistikfans können ihren Wissensdurst an einem der 12 Computerterminals am Ende der Ausstellung stillen.

„Dialog mit der Zeit“ ist eine Produktion des Dialog im Dunkeln Verein zur Förderung der sozialen Kreativität e.V. in Kooperation mit der Museumsstiftung Post- und Telekommunikation.

Foto: copyright Hans-J. Hinken

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Das Interesse an der Wanderausstellung ist inzwischen sehr groß, berichtet Dr. Andreas Heinecke, Vorstand des Vereins Dialog im Dunkeln.

Für Lehrkräfte gibt es Unterrichtsmaterial zu den Herausforderungen und Perspektiven des Alterns in unserer Gesellschaft. Auf www.dialog-mit-der-Zeit.de können Sie mit den Senioren-Guides in Kontakt treten.

Bis zum 23. August 2015 kann die Erlebnisausstellung im Museum für Kommunikation in Berlin besucht werden. Im Herbst kommt sie nach Bern. Und fast zeitgleich nach Singapur.

„Älter werden heißt nicht alt sein“ lautet der Titel einer Seminarreihe von Ria & Hans Hinken zum Thema. Es wird der Frage nachgegangen Ruhestand – und was kommt jetzt? Mehr Informationen erhalten Sie von Hans Hinken mail@hans-hinken.de oder telefonisch +49 (0) 761 23 655.

 

 

 

 

 

 

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