4 Jul

Die neue Psychologie des Alterns

Die neue Psychologie des Alterns ist eine Erfolgsgeschichte von heute

„Man ist so alt, wie man sich fühlt“, galt lange Zeit als banale Volksweisheit. Jetzt ist es durch die NPAs (Neue Alternspsychologie) wissenschaftlich belegt.

Die meisten Menschen leben heute länger als ihre Großeltern. Und sie sind auch fitter als diese. Dennoch schwirren in unseren Köpfen meist noch viel zu viele negative Altersbilder umher. Es ist wichtig, dass wir unsere Altersbilder der Realität anpassen, wenn wir die gewonnenen Jahre mit Lebensfreude aktiv gestalten wollen, sagt der Alternsforscher Hans-Werner Wahl.

Wenn man Menschen Filme und Bilder in Verbindung mit negativen Altersbewertungen zeigt, hat das Auswirkungen auf das Verhalten. Sie schneiden bei anschließend durchgeführten Gedächtnisaufgaben schlechter ab, gehen langsamer und zittern beim Schreiben stärker mit den Händen als eine Vergleichsgruppe, denen positive Altersbilder gezeigt wurden.

Mit dem tatsächlichen chronologischen Alter hat das nichts zu tun. Es reicht aus, negative Altersbilder zu aktivieren, um Menschen sich älter fühlen und verhalten zu lassen. Dies wurde in verschiedenen Experimenten nachgewiesen.

Gesellschaftliche Altersbilder werden bereits in der Kindheit gelernt.

Wenn Ihre Großeltern fit und unternehmenslustig waren, haben Sie gute Chancen, dass auch Sie länger fit im Alter bleiben. Nicht etwa aufgrund Ihrer genetischen Veranlagung, sondern alleine deshalb, weil Ihre Altersbilder positiv besetzt sind.

Und so tragen manche Aussagen und Verhaltensweisen jüngerer Menschen, wenn auch meist nicht bewusst, zur Verfestigung negativer Altersbilder bei. Im Alltag wird gerne von Oma und Opa geredet, wenn fremde ältere Menschen gemeint sind. Schlimmer noch, von den Alten, die nichts mehr auf die Reihe bekommen, weil sie nicht schnell genug an der Supermarktkasse bezahlen oder etwas mehr Zeit zum Überqueren der Straße benötigen.

Ein anderes Beispiel ist das Buch von Wolfgang Gründinger „Alte Säcke Politik“. Gründinger hat eine Aussage der Jusos aufgegriffen, die sich auf zu wenig zukunftsorientierte Politiker bezog. In seinem Buch relativiert er die Aussage und macht deutlich, dass er nicht gegen die Alten ist, sondern, dass es ihm um mehr Zukunftsorientierung geht. Leider bleibt auch hier die negative Botschaft zurück.

Wahlergebnisse werden zunehmend von den Alten bestimmt

Schaut man sich den Brexit oder die Wahlergebnisse in den USA an, dann ist der Ärger nachvollziehbar. Die Jungen müssen zusehen, wie eine „rückwärtsgewandte Politik“ quasi ihre Zukunft verspielt. Das wird nicht nur unangenehme Folgen für die heute noch jungen Menschen haben, sondern auch für die heute 60- bis 70jährigen, die noch gut und gerne 20 bis 30 Jahre oder mehr vor sich haben. Zukunftsplanungen fanden bislang in dieser Altersgruppe kaum statt. Dies muss und wird sich in naher Zukunft ändern, da die Lebenserwartung immer schneller ansteigt.

Die NAPs liefert hierfür jede Menge faszinierende Erkenntnisse, die allerdings bislang nur wenig in der breiten Öffentlichkeit bekannt sind.

Die neuen Informationen über den letzten Abschnitt unseres Lebens sind für uns alle wichtig. Sie sind essenziell für ein autonomes und reflektiertes Leben bis zum Ende.

Die Forschungsergebnisse zeigen, wer in jungen Jahren sehr aktiv war, wird auch im Alter gerne in Bewegung bleiben. Dies gilt sowohl für die mentale als auch die körperliche Fitness.

Fazit:

Ein sehr lesenswertes Buch, das mit vielen Vorurteilen zum Altern aufräumt. Es wird nichts beschönigt, sondern fundiert und sachlich informiert.

Die neue Psychologie des Alterns –

Überraschende Erkenntnisse über unsere längste Lebensphase von Hans-Werner Wahl, erschienen im Kösel Verlag München

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-466-34637-0

€ 19,99 [D] inkl. MwSt.
€ 20,60 [A] | CHF 26,90

eBook
ISBN: 978-3-641-18464-3
€ 15,99 [D] | CHF 19,00

Vorträge zum Buch

19.09.2017 | 19:00 Uhr | Limburg

23.09.2017 | 15:00 Uhr | Mannheim

12.10.2017 | 18:00 Uhr | Hamburg

16.11.2017 | 19:30 Uhr | Laichingen

24.11.2017 | 19:00 Uhr | Speyer

Hans-Werner Wahl

Prof. Dr. Hans-Werner Wahl promovierte 1989 an der FU Berlin und leitet die Abteilung für Psychologische Alternsforschung am Psychologischen Institut der Uni Heidelberg. Daneben ist er einer der Direktoren des Netzwerks Alternsforschung der Uni Heidelberg.

Mitbegründer und Co-Herausgeber der erfolgreichen Fachzeitschrift European Journal of Ageing. Als bisher einziger deutscher Alternsforscher hat er 2009 den M. Powell Lawton Award der Amerikanischen Gerontologischen Gesellschaft für seine Beiträge zur angewandten Alternsforschung erhalten.

 

 

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